Die Kritiker: Catherine the Great

Mit Catherine the Great steht ein neues groß produziertes Köstumepos in den Startlöchern. Dreh- und Angelpunkt ist das Leben von Katharina der Großen in Russland, mit all ihren Intrigen, Machenschaften und Facetten.

Das Leben von Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, alias Katharina die Große oder Katharina II., liest sich bereits wie ein Drehbuch: eine Frau, die sich inmitten des 18. Jahrhunderts gegen alle Widerstände behaupten muss, Staatsstreiche anzettelt, eine Vielzahl an Bettgeschichten hat und Kriege lenkt. So bewegt das Leben dieser Staatsfrau auch war, so überlebensgroß ist auch ihre Bedeutung in der heutigen Historie. Das wirft natürlich die Frage auf, welche Darstellerin eine dermaß bedeutende Persönlichkeit überzeugend verkörpern kann. Für die vierteilige Sky-Produktion schlüpft niemand geringeres als Helen Mirren in die Rolle der Zarin, bekannt aus Filmen wie Hitchcock und R.E.D.: Älter. Härter. Besser.. Dabei hat die britische Darstellerin mit ihrer Rolle als die Queen im gleichnamigen Spielfilm von 2006 bereits Erfahrung mit der Verkörperung historischer Persönlichkeiten.

Doch statt großen höfischen Intrigen am königlichen Hofe gewinnt man schnell den Eindruck, dass es sich bei Catherine the Great nur um eine Telenovela in einem ausgesprochen schmucken Gewand handelt. Warum das? Weil sich die Folgen mehr wie eine kurze Bestandsaufnahme des höfischen Lebens und der dortigen Liebschaften anfühlen, statt wie eine Serie, die den politischen Machtkämpfen gerecht wird. Viel nackte Haut ist ein wiederkehrendes Element, ebenso wie die Suche nach passenden Heiraten und Affären. Auch wenn sich die Produktion selbst als historische Serie präsentiert, ist sie vielmehr eine Soap als lebendige Geschichtsdokumentation.

Zudem tappt Catherine the Great in eine Falle, die berühmt-berüchtigt im Bereich der Kostümfilme ist. Dazu zählen Produktionen wie beispielsweise Barry Lyndon oder aber auch Ben Hur und zuletzt Maria Stuart, Königin von Schottland. Denn bei der Präsentation von historischen Wahrheiten muss man sich an Fakten halten und die jeweilige Zeitepoche entsprechend einfangen, mit all ihren politischen und sozialen Ebenen. Dies hat meist zur Folge, dass die Spannung auf der Strecke bleibt. Ein Schicksal, das auch Catherine the Great wiederfährt.

Während spannende Momente die Ausnahme sind, kommen Freunde von opulenten Kostümierungen und aufwendigen Masken allemal auf ihre Kosten. Prächtige Kostüme, Perücken, und Rüstungen erwecken die Epoche des Königshauses regelrecht wieder zum Leben. Dazu gesellen sich fantastische Kulissen und Schauplätze, in denen man eine starke Helen Mirren bei ihren Spielen am Hof beobachten kann.

Und die Darstellerin ist auch zweifelsohne der größte Pluspunkt an Catherine the Great. Denn neben ihr verblassen die weiteren Darsteller, darunter auch Jason Clarke, der nach Mirren den mitunter größten Part einnimmt. Während die britische Schauspielerin als russisches Oberhaupt sowohl in ihren humorvollen, aber auch ernsten Momenten überzeugen kann, ist sie schon praktisch das einzige, das darstellungstechnisch heraussticht.

Trotz der wahrlich fantastischen Ausstattung kann die Serie Catherine the Great letztendlich nicht überzeugen. Zu langatmig ist die Handlung, zu wenig Spannung kommt in ihr selbst auf und zu belanglos wirkt das Geschehen am Hof. Das Potential, das die Produktion gehabt hätte, ist riesig, wurde aber nicht genutzt. Sollte man also nicht gerade eine Faszination für Kostümepen haben, kann man bessere historische Serien als Catherine the Great finden.

Die vierteilige Sky Original Serie Catherine the Great ist ab dem 24. Oktober auf Sky Go und Sky Ticket abrufbar.
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23.10.2019 · 09:00 Uhr
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