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Die glorreichen 6: Sportfilme, die wir lieben (Teil III)

Im dritten Teil unserer Reihe über Sportfilm-Favoriten stellen wir eine Jerry-Bruckheimer-Produktion vor, die in den USA ein großer Hit wurde, hierzulande dagegen unverdienterweise unterging: «Gegen jede Regel»!

Das Coronavirus hält die Welt weiter in Atem. Betroffen ist mittlerweile das komplette öffentliche Leben, darunter auch der Sport. Sportveranstaltungen gibt es in diesen Wochen nicht mehr - Sportfans setzen quasi auf dem Trockenen. Wer keine Highlights von früher aufgezeichnet hat, könnte aber auf's Fiktionale zurückgreifen. Quotenmeter.de präsentiert daher in diesen Tagen noch einmal die sechsteilige Staffel der "besten Sportfilme" unserer Kinoredaktion aus dem Jahr 2016.

Der Sport

Als eine der populärsten Mannschaftssportarten innerhalb der USA ist American Football wenig überraschend auch eine der am häufigsten im Kino anzutreffenden Sportarten überhaupt. Das Endspiel der Football-Saison, der SuperBowl, fesselt immerhin Jahr für Jahr gigantische Massen an die Mattscheiben und mit seiner Mischung aus Taktik und roher Gewalt hat American Football zudem ein für die Leinwand prädestiniertes Spiel zu bieten. Und dieses ist obendrein wandelbar, lassen sich die extrem gepolsterten Hünen, die über den Rasen schreiten, doch sowohl für Slapstickhumor (etwa Spiel ohne Regeln) als auch für Dramen inszenieren. Angesichts des hohen Stellenwerts, den Football in der US-Gesellschaft und der -Finanzwelt einnimmt, können diese Dramen sowohl biografische Dramen über die wirtschaftlichen Machenschaften hinter der Footballkulisse darstellen als auch vom Einfluss des Spiels auf seine Fans handeln. Darüber hinaus wurden bereits legendäre Spieler und Trainer für immer und ewig auf Zelluloid gebannt – beispielsweise in Blind Side – Die große Chance, Unbesiegbar – Der Traum seines Lebens oder in meinem liebsten Football-Film, Gegen jede Regel …

Die Geschichte

Gegen jede Regel erzählt, mit einigen künstlerischen Freiheiten, die wahre Geschichte des High-School-Football-Teams „Titans“, das 1971 für Furore sorgte: Nach der Zusammenlegung zweier Schulen stellt sich in Alexandria, Virginia eine nicht nur Sportfreunde aufbringende Frage – was passiert mit der Football-Mannschaft an der T.C. Williams High School? Der bisherige Coach Bill Yoast, der für eine Aufnahme in die Virginia High School Hall of Fame nominiert ist, ist der Favorit der örtlichen Fangemeinde, doch die Verantwortlichen ziehen Herman Boone vor, der sich als Schwarzer jedoch alsbald rassistischen Anfeindungen stellen muss. Yoast wiederum zeigt sich Boone gegenüber aufgeschlossen und bietet ihm an, als Co-Trainer die neue Mannschaft zu trainieren – die immerhin die erste gemischtrassige ihrer Region ist. Die Trainer müssen daher nicht nur gegen den Druck von außen ankämpfen, sondern auch die internen Querelen in ihrem Team beseitigen …

Die 6 glorreichen Aspekte von Gegen jede Regel

Trotz meines Sportmuffel-Daseins verschlinge ich Sportfilme – und kenne daher eine Vielzahl an Produktionen, welche die naheliegenden Themen des Sportsgeistes, der Fairness und des mannschaftlichen Zusammenhalts über das Spielfeld hinaus denken, um (historische) Problemthemen anzuschneiden. Doch in meinen Augen hat bis dato kein Sportfilm die Dynamik eben dieses Subgenres erfolgreicher mit dem harschen Thema Rassismus verquickt als Gegen jede Regel. Denn die Jerry-Bruckheimer-Produktion vereint amüsantes Tempo mit messerscharfer Dramatik. Gewiss, es benötigt nicht einmal größere Genrekenntnisse, um zu erahnen, dass es gut ausgeht – der Film nimmt nämlich die vermeintlichen dramaturgischen Kernfragen vorweg. Gegen jede Regel eröffnet Jahre nach der eigentlichen Handlung auf einer Beerdigung, zeigt die Titans friedvoll vereint und ein Kommentar aus dem Off macht klar, dass es sich dabei um eine erfolgreiche Ausnahmemannschaft handelt. Dadurch verlagert sich der narrative Antrieb von „Werden sie es schaffen, alle Komplikationen zu beseitigen?“, eine Frage, die das Publikum mühelos von allein beantworten kann, hin zum „Wie schaffen es die Titans, ein Erfolgsteam zu werden?“. Durch diese spitzere Plot-Antriebsfeder kann Regisseur Boaz Yakin die Erfolge auf dem Spielfeld und im Trainingslager mit gesundem Pathos zelebrieren, ohne dadurch den Biss aus den rauen Szenen zu nehmen, die den Rassismus der 70er-Jahre nachzeichnen – beide Aspekte dieses Films wirken nun als Bestätigung des Weges, den die Titans zusammen gegangen sind. Und nicht weiter als angenehme respektive grausige Stationen eines noch zurückzulegenden narrativen Pfades. Zudem wirkt Gegen jede Regel nie zahnlos, oder das Problem beschönigend, obwohl der Rassismus-Aspekt nie als dramaturgische Keule dient. Regisseur Boaz Yakin und Drehbuchautor Gregory Allen Howard machen stattdessen die Schwere einer hasserfüllten Wortwahl und den Wert eines simplen Händeschüttelns spürbar.

Selbstredend ist dieser so schlichte, erzählerische Trick der Rahmenhandlung nicht allein dafür verantwortlich, dass Gegen jede Regel ein Kleinod des Sportfilms darstellt. Es ist auch die fesche, aber bodenständige Inszenierung Yakins. Kurz gefasst: Man merkt diesem Film an, dass er eine ungewöhnlich kostengünstige Zusammenarbeit von Jerry Bruckheimer Films und Walt Disney Pictures darstellt. Yakin fängt die Sport- und Trainingssequenzen in schnellen Bildern ein, mit dynamischer Kameraführung und feschem Schnitttempo, gleichwohl verzichtet er dabei auf den Bombast anderer großer Football-Filme geschweige denn weiterer Disney/Bruckheimer-Zusammenarbeiten. Die braun-orange-farbene, erdige Ästhetik, die auf jeglichen Pomp verzichtet, zieht sich auch durch die ebenfalls sehr flott gefilmten Szenen abseits des Football-Zirkus durch, was Gegen jede Regel einen hohen Adrenalinpegel verleiht und verhindert, dass er in zwei stilistische Hälften (Sportszenen gegen Story-Grundgerüst) zerfällt.

Einen großen Beitrag am Gelingen des Films hat wenig überraschend auch Denzel Washington, der für dieses Drama eine Oscar-Nominierung verdient gehabt hätte. Washington bringt sich voll ein und nutzt sein Talent, schroffen Rollen noch immer einen humorvoll-charismatisches Etwas abzuringen, zu herausragenden Ergebnissen. Seine Darbietung als Coach Boone ist an der Oberfläche vielleicht bloß eine Abwandlung des „Harten, aber gerechten Mentors“, doch Washington füllt diesen Archetypen mit Eloquenz, feuriger Härte und trockenem Humor, darüber hinaus machen seine intensiven Blicke und sein verschmitztes Lächeln spürbar, wie sehr Boone auch sich selber etwas beweisen muss – respektive, wie sehr es ihn erleichtert, wann immer er Fortschritte macht.

Will Patton wiederum beweist sich in Gegen jede Regel als großartige zweite Geige: Der Falling Skies-Mime, dem über weite Teile seiner Leinwandkarriere nennenswerte Hauptrollen versagt blieben, punktet durch ein markantes Zusammenspiel mit Washington – ihm ist durch einen schroffen Gestus anzumerken, dass Coach Yoast schon gerne eine wichtigere Position einnehmen würde, gleichwohl tritt Patton sanft genug auf, um als kollegialer Assistenztrainer glaubwürdig zu sein. Dies ist auch dem Dialogbuch zu verdanken, das den Spagat zwischen inspirierend-aufmunternd und dramatisch spielend meistert. Die Wortgefechte zwischen den kooperierenden, aber sehr unterschiedlich tickenden Trainern sind raffiniert, das Geplänkel innerhalb des Teams glaubwürdig, zugleich aber amüsant-überhöht und die obligatorischen bewegenden Ansprachen lassen den gekünstelten Pathos missen, der diesen Sportfilm-Aspekt zum Klischee werden ließ. Doppelmoral wird in Gegen jede Regel derweil beiläufig, aber mit scharfer Feder geschrieben, abgebildet, wodurch dem filmischen Thema Dienst geleistet wird, ohne das Publikum zu aggressiv darauf hinzuweisen.

Zu guter Letzt ist die Musik in Gegen jede Regel stark – sowohl Trevor Rabins bewegendes, zugleich antreibendes Leitthema, als auch die Zusammenstellung aus Archivmusik, die sehr gut den Zeitgeist widerspiegelt und eine Stimmung des Aufbruchs zeichnet.

Gegen jede Regel ist als DVD sowie via iTunes und Amazon erhältlich.
Magazin / Reihen / Die glorreichen 6
26.03.2020 · 12:00 Uhr
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