DLRG

Die gefährliche Lust auf Abkühlung - deutlich mehr Badetote

06. August 2026, 12:30 Uhr · Quelle: dpa
DLRG legt Zwischenbilanz zu den Badetoten im Sommer 2026 vor
Foto: Federico Gambarini/dpa
261 Menschen sterben in den ersten sieben Monaten des Jahres in deutschen Gewässern - 15 mehr als vor einem Jahr.
Einfach nur unbeschwert genießen? Bei Hitze heißt es gern: ab zum Strand und ins Wasser. Doch gibt's Gründe dafür, warum man am und im Wasser vorsichtig sein sollte - und so viele Menschen sterben.

Düsseldorf/Bad Nenndorf (dpa) - An heißen Tagen bedeutet der Sprung ins Wasser die ersehnte Abkühlung. Ganz unbeschwert genießen lässt sie sich aber nicht, vor allem der Monat Juni zeigte, dass die Lust auf das kühle Nass lebensgefährlich sein kann. Über 100 Menschen ertranken in dem Monat bundesweit, so viele wie seit über 20 Jahren in keinem Juni mehr. Und: In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres stieg die Zahl der Badetoten ebenfalls deutlich. 

261 Menschen verloren in dem Zeitraum am und im Wasser ihr Leben - 15 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mitteilte. Vor allem seit Beginn der Badesaison gab es deutlich mehr tödliche Unfälle, zwischen Anfang Mai und Ende Juli ertranken allein 189 Menschen. Das waren so viele Badetote wie seit 2019 nicht mehr - damals kamen in dem Zeitraum sogar 220 Menschen ums Leben. 

«Je heißer es ist, desto mehr zieht es Menschen ans Wasser», sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. Sie rief dazu auf, dort schwimmen zu gehen, wo es bewachte Badestellen gebe. Die DLRG ist nach eigenen Angaben die größte Wasserrettungsorganisation der Welt - mit knapp 630.000 Mitgliedern. 

Gefahren drohen vor allem in Binnengewässern

Die meisten Todesfälle gab es in den ersten sieben Monaten in Binnengewässern: In Seen und Teichen starben rund 118 Menschen und damit 22 mehr als im Vorjahreszeitraum, in Bächen und Flüssen gab es bislang 90 Todesopfer. Das waren 12 weniger als im Vorjahr. In der Nordsee gab es bisher keinen Todesfall, in der Ostsee 14. Vor allem große Binnengewässer wie Rhein und Bodensee, die viele Menschen anziehen, gelten nach Angaben eines DLRG-Sprechers als gefährlich.

Unter den Bundesländern liegt Bayern bei der Zahl der Badetoten bisher vorn. Dort starben bis Ende Juli 54 (2025: 51) Menschen, in Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Todesopfer von 35 auf 50. In Niedersachsen sank die Zahl leicht von 24 auf 23, in Bremen von 3 auf 2. 

Viele Badetote sind junge Männer 

In den ersten sieben Monaten ertranken deutlich mehr junge Menschen, nämlich 75. Vor einem Jahr waren es 49. Fast alle waren männlich. «Infolge von leichtsinnigem Verhalten - oft in Verbindung mit Alkohol und anderen Drogen - kommt es unter Jungen und jungen Männern immer wieder zu Badeunfällen», sagte Vogt. «Andere können nicht oder kaum schwimmen und begeben sich völlig unnötig in Lebensgefahr. Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen, aber das Leben zu verlieren.» Über alle Altersgruppen hinweg lag der Anteil männlicher Opfer bei immerhin 85 Prozent.

Bei älteren Schwimmern über 70 hingegen sind immer wieder Vorerkrankungen die Ursache von Badeunfällen - aber auch Selbstüberschätzung. 59 Todesopfer wurden in der Altersgruppe gezählt, 11 mehr als im Vorjahreszeitraum. Unter Kindern im Alter bis zu zehn gab es 8 Todesopfer - eines weniger als im Vorjahreszeitraum. «Das sind glücklicherweise wenige Todesfälle», sagte Vogt. «Es kommt jedoch immer wieder zu gefährlichen Situationen und auch zu schweren Unfällen, in denen Rettungskräfte Kinder wiederbeleben müssen.» 

Vogt: Zu wenige Kinder lernen schwimmen 

Ursache ist laut DLRG oft ein Moment der Unachtsamkeit der Eltern. Badbetreiber verlangten daher häufiger von Jungen und Mädchen, Schwimmflügel zu tragen - oder ein Schwimmabzeichen nachzuweisen. Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister, Peter Harzheim, warnte Eltern davor, im Freibad ihr Smartphone zu nutzen: «Wenn sie im Freibad sind, hängen sie vor ihren Smartphones, statt sich ihren Kindern zu widmen», sagte er der «Rheinischen Post». «Diese Smartphones in Freibädern sind eine Katastrophe.»

Doch das ist nicht alles: Nach wie vor lernen nach DLRG-Einschätzung zu wenig Kinder das Schwimmen. «Wir gehen davon aus, dass weiterhin die Mehrheit der Kinder die Grundschule verlässt, ohne ein Schwimmabzeichen abgelegt zu haben, beziehungsweise das zu können», betonte Vogt. Harzheim sagte der Zeitung: «Viele Eltern kümmern sich heute viel zu wenig darum, dass ihre Kinder sicher schwimmen lernen. Es reicht nicht aus, die Kinder irgendwo abzugeben und zu sagen: Jetzt macht mal.»

DLRG fordert: Mehr Geld in marode Schwimmbäder stecken

Die DLRG-Präsidentin erklärte, nachhaltig besser dürfte die Lage erst werden, wenn Bund, Länder und Kommunen flächendeckend mehr in marode Schwimmbäder und in Schwimmunterricht an den Schulen investierten. Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister sieht noch ein Problem: «Uns fehlen mehr als 3.000 Bademeister», betonte er. «Wegen des Personalmangels müssen die Öffnungszeiten in Schwimmbädern verkürzt werden. Darunter leidet wiederum die Schwimmfähigkeit junger Menschen.»

Vogt sprach sich für bessere Aufklärung über Gefahren aus: «Der Schlüssel zu weniger Ertrinkungsunfällen ist wie in so vielen Bereichen des Lebens das nötige Wissen», erklärte sie. «Wer sich der Gefahren bewusst ist, geht seltener ins Risiko.» In Deutschland allerdings vermisst die DLRG Aufklärungskampagnen ebenso wie eine immerhin von der Weltgesundheitsorganisation WHO geforderte Strategie zur Verringerung tödlicher Unglücke im Wasser.

Freizeit / Notfall / Hilfsorganisation / Nordrhein-Westfalen / Niedersachsen / Deutschland / Badeunfälle
06.08.2026 · 12:30 Uhr
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