Deutschland sichert sich Fachkräfte aus Vietnam
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterstützt die Bundesregierung bei ihren Bemühungen, Fachkräfte aus Vietnam anzuwerben. Im Rahmen seines Staatsbesuchs in dem südostasiatischen Land unterzeichneten die Arbeitsminister beider Staaten eine entsprechende Vereinbarung. Mit diesem Schritt möchte Deutschland den großen Bedarf an Facharbeitskräften decken und freut sich über die Kooperationsbereitschaft Vietnams.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) betonte, dass es nun darum gehe, bürokratische Hürden zu beseitigen und sicherzustellen, dass die nach Deutschland kommenden Menschen fair behandelt werden. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz habe bereits den rechtlichen Rahmen geschaffen, nun gehe es um die praktische Umsetzung. Zudem sollen in Vietnam Informationen über die rechtlichen Bestimmungen und die Möglichkeiten in Deutschland bereitgestellt werden.
Im Rahmen des Staatsbesuchs reiste Steinmeier gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender und einer Wirtschaftsdelegation nach Hanoi. Vietnam ist flächenmäßig fast so groß wie Deutschland und zählt mit gut 98 Millionen Einwohnern 15 Millionen mehr Menschen. Das Land hat sich wirtschaftlich geöffnet, was sich unter anderem in zahlreichen Läden mit renommierten Luxusmarken in der Hauptstadt Hanoi zeigt. Laut Statistischem Bundesamt leben derzeit rund 207.000 Menschen mit einem vietnamesischen Migrationshintergrund in Deutschland.
Steinmeier betonte das deutsche Interesse an einer intensiveren wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern liegt derzeit bei rund 18 Milliarden Euro. Deutschland ist für Vietnam der wichtigste Handelspartner in Europa und der viertwichtigste Investor. Dennoch sieht Steinmeier noch ungenutztes Potenzial in den wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Staaten. Staatspräsident Vo Van Thuong bat den Bundespräsidenten um Unterstützung für die Ratifizierung des Investitionsschutzabkommens zwischen Vietnam und der EU durch den Bundestag.
Es handelt sich um die fünfte Reise Steinmeiers nach Asien seit Beginn des Ukraine-Konflikts vor etwa zwei Jahren. Deutschland positioniert sich dabei politisch und wirtschaftlich neu, insbesondere nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Die Beziehungen zu China werden kritischer bewertet als zuvor, wodurch die Zusammenarbeit mit dessen Nachbarn, wie Vietnam, eine größere Rolle spielt.
Obwohl Deutschland und Vietnam bereits seit 2011 eine "strategische Partnerschaft" eingegangen sind, war diese etwas eingeschlafen. Im November 2022 besuchte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Hanoi, um sie wiederzubeleben. Auch Steinmeier verfolgt dieses Ziel.
Allerdings gestaltet sich die Partnerschaft mit Vietnam nicht unkompliziert. Das Land ist ein Einparteiensystem, in dem die Kommunistische Partei die Führung von Staat und Gesellschaft beansprucht. Andere Parteien sind nicht zugelassen und sowohl Meinungs- als auch Pressefreiheit sind stark eingeschränkt. Vietnam befindet sich auf Platz 178 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen".
Zu Beginn ihres Besuchs informierten sich Steinmeier und Heil am Goethe-Institut über die Sprachausbildung junger Vietnamesinnen und Vietnamesen, die bereits eine Fachausbildung absolviert haben und bald nach Deutschland kommen möchten. Dabei lernten sie auch den 23-jährigen Metalltechniker Nhut Khanh kennen, der bereits einen Arbeitsvertrag bei einem deutschen Unternehmen unterschrieben hat. Heil freute sich über die Entscheidung Khans, nach Deutschland zu kommen, und betonte, wie sehr man sich in Deutschland über dieses Vertrauen freue. (eulerpool-AFX)

