Deutsche Börse will durch Zukäufe im Wettbewerb aufholen, Aktionären entlasten Vorstand und Aufsichtsrat - Aktie schwächer

Der scheidende Deutsche Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber mahnte bei der Hauptversammlung am Dienstag: "Wir müssen weiterhin jede Chance ergreifen, profitables Wachstum zu generieren." Der seit Anfang 2018 amtierende Konzernchef Theodor Weimer kündigte an, dass Zukäufe in der Strategie für die nächsten Jahre "eine wichtige Rolle spielen" werden. Der Manager sucht nach früheren Angaben unter anderem nach Verstärkung im Devisenhandel.

An einen großen Zusammenschluss, wie die 2017 gescheiterte Fusion mit der Londoner Börse LSE will sich der Konzern aber weiterhin nicht heranwagen. "Transformatorische Fusionen stehen nicht auf unserer Tagesordnung", sagte Weimer.

Der Börsenchef verteidigte die Entscheidung, nicht für den Datenanbieter Refinitiv geboten zu haben. Die LSE wächst mit der 27 Milliarden Dollar schweren Übernahme kräftig und hatte der Börse dabei auch die Devisenhandelsplattform FXall weggeschnappt. Ein Gebot für den kompletten Refinitiv-Konzern sei für die Deutsche Börse nicht infrage gekommen, sagte Weimer. Der Integrationsaufwand wäre zu groß gewesen, zudem sei das Terminal-Geschäft des Datenanbieters nicht attraktiv für den Konzern gewesen.

Die Hauptversammlung findet wegen der Corona-Pandemie komplett als Online-Veranstaltung statt - ein letztes Mal unter Fabers Leitung. Der seit Mai 2012 amtierende Aufsichtsratschef räumt seinen Posten. Kontrolliert wird der Vorstand künftig von einem neu aufgestellten Aufsichtsrat: Das Kontrollgremium wählte im Anschluss an die Hauptversammlung Martin Jetter (61) zu seinem neuen Vorsitzenden. Der langjährige IBM-Manager ist Nachfolger von Joachim Faber, der den Aufsichtsrat seit Mai 2012 geführt hatte. Neu in den Aufsichtsrat wählten die Aktionäre den ehemaligen Dekabank-Chef Michael Rüdiger.

Deutsche-Börse-Chef will Vorstandsvertrag Stand jetzt erfüllen

Der als möglicher künftiger Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef gehandelte Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer schließt eine Übernahme des Postens nicht grundsätzlich aus.

Solange er Deutsche-Börse-Chef sei, werde er nicht AR-Vorsitzender der Deutschen Bank, sagte Weimer am Dienstag auf der Hauptversammlung des Börsenbetreibers. "Alles andere ist Spekulation". Weimers Vertrag wurde Anfang des Jahres bis Ende 2024 verlängert, Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner soll 2022 bei dem größten deutschen Geldhaus gehen. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am Mittwoch soll Weimer in den Aufsichtsrat des Kreditinstituts gewählt werden.

Ein vorzeitiges Ausscheiden bei der Börse schloss Weimer nicht kategorisch aus. "Sie dürfen davon ausgehen, dass ich derzeit natürlich plane, meinen Vertrag bis zum Ende der regulären Vertragslaufzeit zu erfüllen", sagte Weimer. "Das setzt aber auch die notwendige Gesundheit und Energie voraus, die eine solche Aufgabe bedingt." Zugleich verwies er darauf, dass es unter anderem auch von der Unterstützung der Aktionäre und des Aufsichtsrats abhänge, ob er Deutsche-Börse-Chef bleibe. "Ich bin lange genug im Geschäft, zu wissen, dass die Ausübung des Amtes nicht nur von mir sondern auch von anderen Faktoren abhängt - wie Erfolg, einem glücklichen Händchen, der Zustimmung zu meiner Arbeit und dergleichen mehr."

Deutsche-Börse-Aktionäre entlasten Vorstand und Aufsichtsrat

Die Kritik der Aktionäre der Deutschen Börse an Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung hat sich in Grenzen gehalten. Angesichts von Rekordzahlen zum Jahresauftakt, der Bestätigung der Jahresziele für 2020 und der Ausschüttung einer Dividende von 2,90 Euro je Anteilsschein für das vergangene Geschäftsjahr trotz der Coronakrise überrascht das nicht.

Vereinzelt beanstandet wurde das zur Abstimmung gestellten Vergütungssystem für den Vorstand. Die DWS verweigerte die Zustimmung, da sowohl die kurz- als auch die langfristige variable Vergütungskomponente wesentlich auf das Wachstum des Konzern-Jahresüberschusses abstelle. Eine weitere Differenzierung wäre hier wünschenswert gewesen. Auch an der vorgeschlagenen Erhöhung der Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder gab es einzelne kritische Stimmen.

Dennoch wurden beide Anträge mit klarer Mehrheit von den Aktionären angenommen. Mit jeweils über 99 Prozent der gültig abgegebenen Stimmen wurden Vorstand sowie Aufsichtsrat entlastet. Die Aktionäre stimmten auch der Zahlung einer Dividende in Höhe von 2,90 Euro je Anteilsschein für 2019 zu.

Spekulationen, er könne den Posten des Aufsichtsrats-Vorsitzenden der Deutsche Bank übernehmen, trat Börsenchef Theodor Weimer entgegen. Die Übernahme des Aufsichtsrats-Vorsitz in einem anderen Unternehmen komme für ihn nicht in Frage, so Weimer. Sein Vertrag mit der Deutschen Börse erlaube ihm die Ausübung von zwei Aufsichtsrats-Mandaten. Daneben unterstrich Weimer die Absicht zu haben, seinen Vertrag als CEO der Deutschen Börse zu erfüllen. Dieser läuft bis Ende 2024.

Die Aktien der Deutschen Börse fielen via XETRA am Mittag zeitweise 1,63 Prozent ins Minus und kosteten 150,90 Euro. Bis zum Handelsschluss dämmten die Papiere ihre Verluste auf 0,39 Prozent bei 152,80 Euro ein.

FRANKFURT (dpa-AFX / Reuters / Dow Jones Newswires)

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[finanzen.net] · 19.05.2020 · 18:05 Uhr
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