Deutsche Bahn blockiert 14 Monate lang Berlin–NRW-Verkehr – Sanierungsoffensive ohne Ende

Umleitung statt Direktverkehr – 80 Minuten Aufschlag pro Strecke
Ab 2. Oktober 2026 werden sämtliche Fernzüge zwischen Berlin und Hannover über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet. Die Fahrzeit zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen verlängert sich dadurch um 80 Minuten. Pro Zwei-Stunden-Zeitraum fahren jeweils drei Fernzüge pro Richtung, der Güterverkehr wird auf dieselbe Route verlagert.
Elektrifizierung der Stammbahn ein Jahr zu spät
Ursprünglich sollte ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 zumindest ein Teil der Züge eingleisig über die parallel verlaufende Stammbahn fahren. Die Elektrifizierung dieser Ausweichstrecke verzögert sich jedoch erheblich und wird erst im Dezember 2027 abgeschlossen sein. Damit verschiebt sich der ursprünglich geplante Abschluss der Maßnahme um ein volles Jahr.
Halte in Stendal und Wolfsburg unklar
Offen bleibt, ob die Züge in Stendal und Wolfsburg überhaupt halten werden. Die Bahn prüft derzeit Halteoptionen, ein verbindliches Konzept liegt nicht vor. Reisende müssen daher mit weiteren Unwägbarkeiten rechnen.
227 Kilometer Vollsperrung – Sanierung bis 2027
Die 227 Kilometer lange Strecke Berlin-Lehrte soll zwischen Oktober 2026 und Dezember 2027 komplett gesperrt und umfassend saniert werden. Weichen, Gleise und Oberleitungen werden erneuert. Ziel ist eine mittelfristig zuverlässigere und pünktlichere Fernverbindung. Die Deutsche Bahn will bis Mitte der 2030er Jahre über 40 stark ausgelastete Streckenkorridore auf diese Weise modernisieren.
Ersatzverkehr mit Bussen – Nahverkehr ebenfalls betroffen
Im Nahverkehr gelten ebenfalls erhebliche Einschränkungen. Wo keine Züge fahren können, setzt die Bahn auf Ersatzverkehre mit Bussen. Die Züge sollen möglichst nah an die gesperrten Abschnitte herangeführt werden, ein detailliertes Konzept wird noch ausgearbeitet.
Zweite Umleitungsstrecke ab 2027
Ab Ende Januar 2027 steht für Güterzüge eine zusätzliche Umleitungsstrecke über Halle-Eichenberg zur Verfügung. Dafür werden für den Sommer 2027 geplante Bauarbeiten verschoben. Die Strecke über Braunschweig und Magdeburg wird bereits in den kommenden Wochen für die deutlich höhere Auslastung vorbereitet.
Palla prüft Konzept nach Verzögerungen
Nach Problemen bei zwei früheren Sanierungsprojekten hat Bahnchefin Evelyn Palla angekündigt, das Generalsanierungskonzept zu überprüfen und Zeitpläne anzupassen. Die Deutsche Bahn bleibt weiterhin ein Staatskonzern, der mit öffentlichen Mitteln und ohne echte Marktanreize operiert – das Ergebnis sind chronische Verspätungen und immer neue Verzögerungen.
Der Steuerzahler trägt die Last
Die Generalsanierung wird aus Steuermitteln finanziert. Reisende und Güterverkehrsunternehmen zahlen mit Zeit und Produktivität, während die Bahn als staatlicher Monopolist ohne wirksamen Wettbewerb agiert. Ein privater Betreiber mit echter Haftung würde solche Verzögerungen nicht über Jahre hinweg tolerieren.

