Destiny 2 stand offenbar vor dem Aus: Sony-Deal war wohl kein Luxus, sondern Notfall
Bei Destiny 2 ist die Stimmung gerade extrem aufgeladen. Bungie beendet die aktive Live-Service-Entwicklung, Sony steht wegen der Übernahme in der Kritik, und viele Fans fragen sich: Hat PlayStation das Studio gerettet oder am Ende doch beschädigt? Jetzt sorgt eine neue Aussage aus Bungies Vergangenheit für eine deutlich andere Sicht auf die Lage.
Die frühere Bungie-Community-Managerin Liana Ruppert erklärte auf X.com (vormals Twitter), dass Bungie schon vor der Sony-Übernahme gefährlich nah am Abgrund gestanden habe. Ihre Kernaussage: Ohne den Kauf durch Sony wäre das Studio sehr nah daran gewesen, seine Türen zu schließen, zumindest für Destiny. Sie bezeichnete den Deal sinngemäß als Notfall-Übernahme.
Warum diese Aussage die Debatte verändert
Viele Fans machen Sony für den Niedergang von Destiny 2 verantwortlich. Das ist verständlich, weil die größten Einschnitte nach der Übernahme sichtbar wurden. Bungie musste Stellen abbauen, Marathon rückte stärker in den Fokus, und Destiny 2 bekommt nach fast neun Jahren keine klassischen Live-Service-Inhaltsupdates mehr.
Doch Rupperts Aussage verschiebt den Blick. Wenn Bungie bereits vor Sony finanziell unter Druck stand, war die Übernahme nicht nur ein großer PlayStation-Deal. Sie könnte für Bungie damals tatsächlich eine Rettungsleine gewesen sein.
Sony kündigte den Bungie-Kauf Anfang 2022 offiziell an. Damals sprach PlayStation davon, Bungie als unabhängige Tochtergesellschaft weiterzuführen. Bungie sollte laut Sony außerdem Multiplattform bleiben und seine kreativen Welten weiter ausbauen.
Destiny 2 endet nicht komplett, aber eine Ära ist vorbei
Monument of Triumph erschien vor wenigen Tagen und ist war der letzte große DLC. Danach soll das Spiel zwar weiterhin spielbar bleiben, doch die aktive Entwicklung klassischer Inhalte endet. Das ist ein harter Moment für eine Community, die fast ein Jahrzehnt mit diesem Spiel verbracht hat. Destiny 2 war nie nur ein Shooter. Es war für viele Spieler ein wöchentliches Ritual. Raids, Dungeons, Seasons, Waffenjagd, Clan-Abende und Story-Diskussionen gehörten für Jahre zum Alltag.
Deshalb fühlt sich das Ende der aktiven Entwicklung für viele nicht wie ein normales Update-Ende an. Es ist eher das Ende einer ganzen Spielkultur.
Doch, der schwierige Teil dieser Geschichte begann schon lange vor Sony. Bungie trennte sich 2019 von Activision und übernahm Destiny 2 selbst. Für Fans klang das damals wie ein Befreiungsschlag. Die einstigen Halo-Macher konnten endlich unabhängig arbeiten, eigene Entscheidungen treffen und die Zukunft von Destiny selbst bestimmen.
In der Praxis war das offenbar deutlich schwerer. Ein Spiel wie Destiny 2 dauerhaft selbst zu betreiben, kostet enorme Ressourcen. Server, Inhalte, Support, Marketing, Community-Arbeit, Technik, Monetarisierung und neue Projekte laufen nicht nebenbei. Genau daran könnte sich Bungie überhoben haben.

Das neue Spiel von Bungie, Marathon, hat nur rund 10% der Spielerbasis von Destiny 2 lt. aktuellen Daten von SteamDB.info. – Bild: Bungie
Sony bekam nicht den Erfolg, den man sich erhofft hatte
Für Sony war Bungie ursprünglich ein wichtiger Teil der Live-Service-Strategie. PlayStation wollte von Bungies Erfahrung lernen und eigene Online-Spiele stärker aufbauen. Doch dieser Plan lief nicht wie erwartet. Sony musste eine Wertminderung in Höhe von 765 Millionen Dollar im Zusammenhang mit Bungie im letzten Geschäftsjahr verbuchen. Als Gründe werden unter anderem schwächere Erwartungen rund um Destiny 2 und Marathon genannt.
Das macht die Lage noch bitterer. Sony kaufte Bungie, um Live-Service-Kompetenz zu gewinnen. Bungie bekam mit Sony einen starken Partner. Am Ende stehen trotzdem ein auslaufendes Destiny 2, ein schwieriger Blick auf Marathon und viele offene Fragen zur Zukunft des Studios.
Was bleibt von Destiny für die Zukunft?
Bungie sagt selbst, dass Destiny 2 weiter spielbar bleiben soll. Damit verschwindet das Spiel nicht vollständig. Trotzdem ist der Einschnitt gewaltig. Ohne aktive Live-Service-Entwicklung wird sich das Spiel anders anfühlen. Für Fans bleibt die Hoffnung, dass Bungie die Marke irgendwann neu aufgreift. Ein Destiny 3 ist aber nicht offiziell angekündigt. Bungie spricht stattdessen davon, neue Spiele zu entwickeln.
Die neue Aussage von Liana Ruppert macht die Geschichte rund um Bungie, Sony und Destiny 2 deutlich komplizierter. Sony hat nicht einfach ein gesundes Studio übernommen und dann alles kaputtgemacht. Bungie soll schon vorher in ernsthaften Schwierigkeiten gewesen sein. Der Sony-Deal könnte damals eher Rettung als Luxus gewesen sein. Für Destiny-Fans bleibt es trotzdem bitter.



