Der neue Sky Sport News HD-Chef Karl Valks: ‚Wir müssen uns noch mehr als bisher mit unseren ...

Er ist seit Januar der neue Senderchef von Sky Sport News HD: Karl Valks, der am 1. Februar 15 Jahre für Sky tätig ist, verantwortet den Free-TV-Sender neben seinen Aufgaben im „Other Sports“-Bereich bei Sky. Mit uns spricht er über den anstehenden Komplett-Relaunch des Senders, stellt seine Ideen für die News vor und freut sich auf den anstehenden Deadline Day. Außerdem: Wie zeigt Sky die großen Tennis-Turniere im Jahr 2020?

Herr Valks, Sie arbeiten seit eineinhalb Jahrzehnten für Sky – sind also quasi ein Sky-Sport-Veteran. Seit Januar sind Sie nun Chef von Sky Sport News HD – neben Ihrem Aufgabenfeld als Chef der Nicht-Fußball-Sportarten und dem digitalen Sportauftritt von Sky. Wie hatten eigentlich den Sender Sky Sport News HD wahrgenommen, ehe Sie für Ihn arbeiteten?
Der Sender lief und läuft bei mir jeden Tag und ich ersparte mir dank des Senders gewissermaßen das Zeitunglesen. Sky Sport News war früher für mich die Grundlage, wenn ich zum Beispiel unsere Vorberichterstattung zu den Topspielen vorbereitet habe. Ich habe oft unsere Reporter vor Ort angerufen – vor Schalke-Topspielen etwa mit Dirk große Schlarmann nochmal telefoniert und mir Infos geben lassen. Und natürlich wusste und weiß ich es immer sehr zu schätzen, dass ich bei sämtlichen Breaking-News-Situationen sofort umfassend und kompetent informiert bin.

Ich glaube ich darf sagen, dass es zuletzt bei Sky Sport News personell wenig Kontinuität gab. Die Chefs der vergangenen Jahre, also Dirk Grosse oder Roman Steuer oder Burkhard Weber, waren nie ganz lange im Amt. Wie schwierig ist so etwas für die Entwicklung einer Idee?

Die fehlende Kontinuität kann ich so nicht bestätigen, denn Roman Steuer war zuletzt über sieben Jahre für Sky Sport News HD verantwortlich und hat dabei sehr viel bewegt. Er hatte wie Dirk Grosse und Burkhard Weber seinen Anteil an dem, wofür der Sender heute steht.

Trotzdem ist die Entwicklung des Senders in der Tat eine Herausforderung. Fernsehen ist ein People-Business. In diesen Tagen ist eine meiner wichtigsten Aufgaben, meinen Mitarbeitern im Newsroom zuzuhören. Ich gehe die Aufgabe als Senderchef daher mit einer gewissen Ruhe an. Die wirklichen Experten für diesen Sender sind schließlich die Leute, die seit acht Jahren hier im Newsroom arbeiten. Ich hatte bisher 75 Einzelgespräche mit unseren Mitarbeitern, direkt nach diesem Interview steht Nummer 76 an. Ich will die Menschen, die hier arbeiten, besser kennenlernen. Es geht in diesen Gesprächen dann auch nicht um Senderstrategie oder direkt um Sport. Es geht um die Menschen. Sky Sport News HD noch erfolgreicher zu machen, ist Teamwork.

Welche Idee haben Sie denn mit dem Sender?

Im Prinzip ist es keine neue Idee. Wir wollen die erste Adresse für Sportnachrichten in Deutschland bleiben. Sky Sport News HD ist einmalig hierzulande und führend. Wir machen das Programm für Sky-Kunden und für Nicht-Kunden gleichermaßen und der Sender ist auch ein Schaufenster für das Pay-Angebot. Die Zuschauer sollen sich für unser Programm begeistern und für ein Tagesticket oder ein Monatsticket oder auch ein reguläres Jahres-Abo entscheiden.

Wir haben mit Formaten wie «Gesagt. Gemeint!» oder «Letzte Frage, bitte!» schon neue Formate eingeführt. Wir müssen uns noch mehr als bisher mit unseren Zuschauern verabreden. Neben den Rolling-News brauchen wir feste Zeiten – wie beim «Transfer Update» werktags um 18 Uhr. Wir wollen da neue Marken setzen und haben für dieses Jahr noch viele Ideen. Es gibt im Ersten um 20 Uhr die «Tagesschau», die quasi das Weltgeschehen vom Tage sehr gut zusammenfasst. Das ist ein Sendeplatz, den jeder kennt, ähnliche Ideen würden auch bei uns gut passen.

Am Freitag steht der „Deadline Day“ an, quasi so etwas wie Weihnachten für SSNHD. Was ist geplant?

Wenn Sie den vergangenen Deadline Day gesehen haben, werden Sie vieles wieder erkennen. Wir gehen erneut ins große Sky-Studio, erwarten tolle Gäste. Neben Reiner Calmund, Dietmar Hamann und Heribert Bruchhagen kommen auch Frank Rost, Robin Dutt, Ulli Stein und Martin Bader Wir haben mit dem größten Spielerberater Deutschlands, Volker Struth, ein langes Interview geführt, das wir zeigen werden. Und dann läuft natürlich den ganzen Tag die Uhr herunter – bis das Fenster dann um 18 Uhr schließt. Selbstverständlich sind wir an diesem Tag überall da, wo es spannend ist, mit Reportern vor Ort.

Anders als zum Start im Dezember 2011 sind die Redaktionen ja mittlerweile zu „Ein Sky Sport“ verschmolzen. Martin Winkler, Nele Schenker, Gregor Teicher, Katharina Kleinfeldt – alle moderieren auch im Live-Sport. Warum ist das wichtig?

Wenn man nah dran ist am Geschehen, also den Rasen riechen kann, dann bekommt man automatisch ein besseres Verständnis. Es ist auch leichter mit Interviewpartnern eine Schalte im Studio zu machen, die man vielleicht vorher persönlich im Stadion schon interviewt hat. Das Interview mag ähnlich laufen, aber persönlich hat man vorher doch immer die zwei, drei Minuten, in denen man sprechen kann. Nicht zuletzt ist es auch eine menschliche Geschichte, dass ein bisschen Abwechslung immer gut tut.

Vergangene Woche verabschiedete sich Jana Azizi von den Zuschauern. Sie hat sich quasi ausgewechselt – wie sieht Ihre personelle Aufstellung für das Jahr 2020 aus?

Sie haben es gesagt; Jana hat sich selbst ausgewechselt. Sie wurde von unseren Zuschauern sehr gemocht. Aber ich verstehe ihren Wunsch nach Veränderung und ich wünsche ihr bei ihrer spannenden Aufgabe bei RTL nur das Beste. Wir müssen Jana nicht ersetzen, weil wir einen großen Pool an Moderatoren und Reportern haben. Wenn sich aber jemand aufdrängt und sich gerne bei uns bewerben möchte, nur zu. Ich verweise an dieser Stelle noch einmal auf die tollen Entwicklungsmöglichkeiten bei Sky. Schauen Sie sich Katharina Kleinfeldt an, die hier volontiert hat und jetzt bei Sky Sport News und im Live-Handball moderiert.

Wie bewerten Sie «Wontorra on Tour»?

Ich glaube, da gibt es keine zwei Meinungen: Wonti ist eine Ikone des Fußball-Talks. Wir holen in dieser Sendung seine Stärke noch besser raus – und es macht sich bezahlt, dass wir mit der Sendung zu den Menschen kommen. Christian Streich etwa wäre nie zu uns ins Studio gekommen, weil er sagt, dass er in der Zeit zehn Spiele anschauen könnte. So sind wir zu ihm nach Freiburg gekommen. Das ist super. Ich bin also happy.

Es gibt zwei Studios bei Sky Sport News HD – einmal das Set unten im Foyer, das im Sommer 2018 gebaut wurde und einmal das Studio oben, das seit über acht Jahren in Betrieb ist. Was bringt Ihnen das zusätzliche Set?

Das Foyer-Studio ist ein visuelles Highlight. Wir verwenden es an Champions-League-Spieltagen, für unser «Transfer Update» oder vor Spielen wie Bayern gegen Dortmund. Es soll unseren Zuschauern zeigen: Obacht! Heute zeigen wir ein absolutes Highlight. Es ist zirka 80 bis 100 Tage im Jahr für Sky Sport News HD im Einsatz – was übrigens auch verdeutlicht, wie viele Highlights Sky Sport zu bieten hat.

Ist denn eine grundlegende Überarbeitung des oberen Studios geplant? Wie gesagt – es ist in fast dieser Form seit über acht Jahren in Betrieb.

Sie haben Recht. Die Technik überholt sich in acht Jahren mal. Da ist nicht mehr alles 2020-like. Also: Wir werden den Newsroom technisch überarbeiten und das Set von Sky Sport News HD in diesem Jahr erneuern. Das ist eine große Challenge, die bevorsteht. Anders als vor acht Jahren, als alles gebaut wurde, findet dieser Umbau parallel zum Livebetrieb statt. Mit diesem technischen Umbau geht auch ein optischer Refresh einher. Wir werden Sky Sport News HD redesignen und auf ein neues Grafikpaket setzen – auch das Logo wird angepasst. Ich bin sehr gespannt, wie es Ihnen am 3. August gefällt.

Ich gehe davon aus, dass Sie das aus Italien und England bekannte Logo verwenden werden.

Genau. Das neue Logo hat keinen Spiegel-Effekt mehr, es ist etwas klarer.

Welche Rolle spielt eigentlich Livesport für Sky Sport News HD?

Sky Sport News HD ist – wie schon gesagt – auch ein Schaufenster für Sky Sport. Also zeigen wir immer wieder auch Live-Sport. Wir hatten im Sommer 2019 zum Beispiel die beiden Erstrunden-Spiele der Wimbledon-Titelverteidiger Djokovic und Kerber im Programm, zum Jahreswechsel zwei Handball-Konferenzen, ein tolles Handballspiel aus der zweiten Liga. Nichts desto trotz bleiben wir in erster Linie aber ein News-Kanal.

Gibt es klar formulierte Quotenziele? Oder sind Sie mit dem Status Quo zufrieden?

Natürlich möchte ich mehr. Aber schauen wir doch mal genau auf die Zahlen: Wir haben seit Sendestart im Dezember 2011 in jedem Quartal das Zuschauer-Ergebnis des Quartals zuvor übertroffen – teils sogar deutlich. Wir hatten 2019 eine 17-prozentige Marktanteilssteigerung gegenüber 2018. Wir haben inzwischen jeden Tag über eine Million unterschiedliche Zuschauer – auch das ist ein absoluter Rekord.

Zum Start wollten Sie mal mittelfristig auf Augenhöhe mit Sport1 spielen. Das ist noch nicht gelungen.

Sprechen Sie von der Qualität oder von den Zahlen? Zitate von damals will ich jetzt gar nicht bewerten. Ich will nur daran erinnern, dass der deutsche TV-Markt sich langsam bewegt. Aber wir bewegen uns. Und wir wollen noch weiter wachsen. Deshalb investieren wir ja auch. Die Tendenz geht in die absolut richtige Richtung.

Im Sport-Medien-Business wird logischerweise hauptsächlich von Rechteperiode zu Rechteperiode gedacht. Die Bundesligaausschreibung steht bevor. Geht es bei dieser Ausschreibung auch um die Existenz von SSNHD? Oder wäre ein Fortbestand davon unabhängig?

Das wäre unabhängig voneinander. Aber wir werden wie immer exzellent darauf vorbereitet sein.

Herr Valks, Sie waren früher ja unter anderem leitender Redakteur beim Sky-Topspiel. Wie kann man diese Idee von damals heute umsetzen bei SSNHD oder im Bereich Other Sports?

Es geht im Prinzip immer darum, dass wir überprüfen, was wir bisher gemacht haben und ob es neue Ansätze dessen gibt. Ein Beispiel: Wir haben als erstes TV-Unternehmen im Stadion Pointed Graphics und virtuelle Grafiken in Deutschland angeboten. Später wurde dann die ARD dafür gefeiert, dass sie bei der WM virtuelle Grafiken im Stadion hatte, was mich ein bisschen gewundert hat, weil wir das früher hatten, aber das mit einem Augenzwinkern. Am Ende ist Sport Unterhaltung und wir müssen uns auch nichts vormachen: Andere News, der Klimawandel oder die Brände in Australien, sind sicher wichtiger. Aber Unterhaltung ist auch wichtig für den Menschen, weil sie das Leben bereichert. Nicht nur bei Sky Sport News HD ist Stillstand Rückschritt und daher überprüfen wir uns jeden Tag auf’s Neue.

Am 1. Februar startet die Handball-Rückrunde: Sie feilen immer wieder an dem Produkt, was ist noch zu verbessern und wie entwickeln sich die Zuschauerzahlen?

Natürlich nicht mehr in dem Maße wie in der vorherigen Saison, aber das konnte auch niemand erwarten. Wir wachsen weiter, haben inzwischen in jedem Spieltag mindestens 200.000 Zuschauer. Das ist echt cool. Handball hat eine tolle Community, die aber gerne noch wachsen darf. Als Fernsehmacher macht mir Handball Spaß, weil die Vereine Dinge zulassen, die woanders nicht gehen. Natürlich aber werden wir an den Übertragungen weiter schrauben. 2019 war nicht Fußball die meistgesehene Sportübertragung im Free-TV, sondern Handball. Das zeigt uns, dass der Sport Potential hat. Und ehrlich: Ich kenne keinen anderen Sport, der so oft Remis endet oder wo es in den letzten Minuten so spannend zu geht. Wo gibt es das sonst, dass am 34. Spieltag weder der Meister noch die beiden Absteiger feststehen und das alles in einer Konferenz ermittelt wird?

Auch im Tennis-Bereich sind sie aktiv. Seit London 2019 gibt es Patrik Kühnen als Co-Kommentator. Der neue ATP-Vertrag bringt jetzt noch mehr Turniere. Wie werden Sie diese aufbereiten?

Bei den 500er und 1000er-Turniern belassen wir es beim bekannten und bewährten Konzept. Patrik Kühnen, der schon zu DF1-Zeiten für uns gearbeitet hat, wird bei Wimbledon als Experte und den ATP Finals als Co-Kommentator wieder für uns arbeiten. Darüber hinaus gibt er regelmäßig in seiner Kolumne auf skysport.de seine Einschätzungen zum aktuellen Tennis-Geschehen. Er ist ein exzellenter Tennis-Fachmann. Natürlich freue ich mich sehr auf Wimbledon, das Tennis-Highlight schlechthin. Es ist kein Geheimnis, dass auch andere Sender dieses Recht gerne haben wollten. Ich glaube, wir haben uns auch deshalb durchgesetzt, weil wir eine so gute Übertragung auf die Beine stellen. Und dann haben wir in diesem Jahr neu noch vierzehn 250er-Turniere im Programm: Wir haben uns hier entschieden, täglich die beiden Top-Spiele zu zeigen. Wir zeigen diese Spiele zeitversetzt, weil die Order-of-Play oft sehr kurzfristig feststeht und wir den Zuschauern aber die beiden Matches zu festen Zeiten bieten wollen.

Ich denke mit der Formel1 kann man im Hause Sky durchaus zufrieden sein; großer Kritikpunkt bei den Fans war aber, dass die Kommentatoren nicht vor Ort waren im Jahr 2019. Auch 2020 senden Sie aus Unterföhring. Wie erklären Sie das den Fans?

Zunächst einmal, wir haben eine deutliche Präsenz vor Ort: Wir sind mit unserem Reporter vor Ort und werden auch Ralf Schumacher bei mehreren Rennen an der Strecke treffen, er begleitet seinen Sohn David als Teamchef und wird uns seine Einschätzungen geben. Zudem profitieren wir von unserem internationalen Team bestehend aus den Kollegen von Sky Italia und Sky UK. Und Sie haben recht: 2019 war eine tolle Saison. Die Formel1 bewegt sich in die richtige Richtung. Es gab mehr Überholmanöver. Es war spannender. Ich als Ferrari-Fan war am Ende etwas enttäuscht, aber vielleicht sieht das 2020 anders aus. Insgesamt ist die Sportart auf einem super Weg. Ich persönlich bin auch sehr gespannt, wie die Formel1 bis 2030 Klimaneutral werden will, höre aber es gibt viele gute Ideen und Ansätze.

Wie sehen Ihre Übertragungen 2020 aus?

Mit unseren Experten Ralf Schumacher und Nick Heidfeld bin ich in Gesprächen. Grundsätzlich bleiben wir bei unserem Konzept. Es ist ein Konzept, dass wir vergangenen Winter in kurzer Zeit so gut entwickeln konnten. Für uns werden auch 2020 wieder Sandra Baumgartner und Peter Hardenacke vor Ort sein. Sandra ist noch in der Babypause, sie wird Mitte der Saison zurück sein, sich dann mit Peter abwechseln. Die Familie geht da vor. Die eigentlichen Sendungen und Kommentare kommen weiterhin aus München, das hat sich bewährt.

Das war aber ein Kritikpunkt der Fans.

Den ich in Teilen auch verstehen kann. Sascha Roos wird an einigen Donnerstagen oder den Tests in Barcelona vor Ort an der Strecke sein. Er kann dort alle Informationen sammeln, die er braucht. Er kann dort mit allen Kontakten sprechen, die für ihn wichtig sind. Den Vorteil unseres Studios im Sendezentrum sehe ich aber beispielsweise in unserem Analyse-Tool; das gäbe es in den Kabinen vor Ort nicht. Was die Sicht der Kommentatoren während des Rennens angeht: Die ist in den Kabinen an der Strecke auch nicht besser.

Danke für das Gespräch, Herr Valks.

Magazin / Interview
30.01.2020 · 16:00 Uhr
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