Der Börsengang von Saudi Aramco besiegelt das Ende der Öl-Wirtschaf

Wenn ein Staat seine Haupteinnahmequelle verkauft oder zumindest für ausländische Investoren zugänglich macht, ist das in der Regel ein Zeichen von Panik. Bei Saudi-Arabien ist es mit Sicherheit so. Denn anders als in anderen Ölstaaten, vor allen denen am Golf, kommt das Land beim Umbau der Wirtschaft weg vom Öl und hin zu anderen Branchen nicht sehr schnell voran. Das liegt an der im Vergleich sehr großen und immer noch schnell wachsenden Bevölkerung. Es liegt auch an der restriktiven Gesetzgebung, die manch gewünschte Aktivität unmöglich macht. und es liegt am fehlenden Geld.

Und während die ersten beiden Punkte kaum kurzfristig zu ändern sind, geht das beim Geld leichter: Der Börsengang soll einige Milliarden in die Kasse spülen, die dann den Umbau der Wirtschaft beschleunigen können. Ein hehrer Plan und eigentlich auch ein guter. Zumindest für das saudische Königshaus, denn mit Geld ließen sich bislang noch alle Probleme im Griff behalten.

Für Anleger allerdings ist es fraglich, ob ein Investment eine gute Idee wäre. Zu viele Unwägbarkeiten begleiten den Börsengang. Der Ölpreis steht angesichts der Uneinigkeit und damit Schwäche der OPEC unter Druck. Echte Produktionskürzungen, um damit einen Preisanstieg zu schaffen, sind nicht in Sicht. Dazu kommt, dass die Konflikte in der Region noch alles andere als gelöst sind. Im Jemen wird Krieg geführt, im Irak brodeln Unruhen, der Iran geht mit seinem Atomprogramm wieder auf Konfrontationskurs und Syrien ist ebenfalls weit von einem Frieden entfernt. Keine guten Aussichten also für ein solides, langfristiges Investment, auch wenn das Aufflammen der ein oder anderen Krise dem Ölpreis durchaus Schub zu geben vermag.

Dazu kommt, dass zumindest in den westlichen Industrieländern die Debatte über das Klima schnell an Fahrt aufnimmt und mit Sicherheit nicht zur Unterstützung des Ölkonsums führen wird. Im Gegenteil: öffentlicher Druck wird dazu führen, dass mehr Mittel in Forschung und Entwicklung Erneuerbarer Energien und deren Speicherung fließen. Gerade die Fortschritte bei der Batterietechnik muss die Ölwirtschaft fürchten. Denn neben dem reinen Energiegehalt des Öls ist seine Lagerbarkeit eines der großen Argumente für seine Verwendung.

Saudi Arabien kauft sich mit dem Börsengang also Geschwindigkeit im Umbau der Wirtschaft ein. Ob es damit Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall aber zeigt der Zeitpunkt des Verkaufs, dass auch die Ölprinzen nicht langfristig an die Ölwirtschaft glauben. Insofern besiegelt der Börsengang von Saudi Aramco das Ende der Öl-Wirtschaft.

von Uwe Zimmer, Geschäftsführer Fundamental Capital GmbH, Köln

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[finanzen.net] · 03.12.2019 · 10:03 Uhr
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