Debatte um Sterbehilfe: Zweifel an striktem Verbot

20. Januar 2014, 17:26 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - In der Debatte über Sterbehilfe regen sich Zweifel an einem strikten Verbot. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) machte sich dafür stark, Angebote zur Sterbehilfe umfassend zu verbieten.

Die Entscheidung soll demnach im Bundestag ohne Fraktionszwang fallen. In der SPD wurden aber auch Forderungen laut, der Selbstbestimmung des sterbewilligen Menschen genug Raum zu geben.

Gröhe sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Das Thema ist bedrängend, weil es existenzielle Fragen berührt. Jeder Abgeordnete wird hier dem eigenen Gewissen folgen.» Zwischen ihm und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) gebe es keinen Dissens in dieser Frage. Maas hatte das Thema als klassische Gewissensentscheidung bezeichnet.

Gröhe bekräftigte, er sei für ein gesetzliches Verbot jeder Form der organisierten Selbsttötungshilfe. «Es kommt darauf an, ob wir wollen, dass eine Vereinigung die Tötungshilfe als Serviceangebot unentgeltlich oder entgeltlich anbieten darf.» Gröhe zeigte sich sicher, dass eine Gruppe von Abgeordneten ein Verbot organisierter Sterbehilfe beantragen werde. «Es gibt möglicherweise auch andere, weniger weitreichende Vorstellungen», räumte er ein.

Außerhalb der Union gibt es Widerstand: «Ein umfassendes Verbotsgesetz bildet jedenfalls nicht den Willen der Mehrheit der Bürger ab und geht über andere Haltungen hinweg», sagte die SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis den «Stuttgarter Nachrichten» (Dienstag). Ein ganz generelles Verbot sei keine angemessene Haltung gegenüber den sehr schweren und unterschiedlichen Notlagen, in die Menschen am Ende ihres Lebens kommen könnten.

Burkhard Lischka, der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, sagte dem Blatt: «Ein Gesetz zur Sterbehilfe sollte auch der Selbstbestimmung des sterbewilligen Menschen Raum geben.» Beratung und palliative Hilfe müssten ausgebaut werden. «Aber wenn eine betroffene Person dann dennoch zum Schluss kommt, sterben zu wollen, muss man dem mit Respekt begegnen und mit der Keule des Strafrechts behutsam umgehen.» Auch FDP-Chef Christian Lindner äußerte sich in der Zeitung kritisch zu einem umfassenden Verbot der Sterbehilfe.

Wie schwierig es mit eindeutigen Regeln bei dem Thema sein kann, zeigte ein Beitrag der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Die DGP rief in einer am Montag veröffentlichten Broschüre dazu auf, dem Todeswunsch unheilbar Kranker mit Respekt und Offenheit zu begegnen. Die Palliativmedizin zielt auf optimale Betreuung und Linderung bei Patienten mit kaum mehr behandelbaren Krankheiten ab.

«Selbst bei exzellenter Palliativmedizin wird es Menschen geben, die aus der Situation ihrer schweren Erkrankung heraus Suizid begehen möchten, diesen unter Umständen aber nicht selbst durchführen können oder wollen», erläuterte die DGP. Vor allem müssten mit ihnen Möglichkeiten zur Linderung von Leid erörtert werden.

Patienten sollten mit dem Wunsch zu sterben aber nicht alleingelassen werden. Die DGP unterstützt berufsrechtliche Verbote ärztlicher Mitwirkung am Suizid, betont aber zugleich auch die Möglichkeit, von Sanktionen für Ärzte abzusehen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, gab zu bedenken, dass es oft zu spät sei, wenn man Todkranken zu Palliativmedizin rate. «Das Problem liegt Jahre vor dem eigentlichen Tod.» Die Alten- und Krankenpflege in Deutschland müsse so verbessert werden, dass die Menschen Vertrauen bekämen, dass sie später als Betroffene nicht nur irgendwohin abgeschoben würden.

Gröhe erläuterte, die Selbsttötung sei in Deutschland straffrei, «weil unsere Rechtsordnung vor solchen menschlichen Lebensdramen schweigt». Auch die Beihilfe zur Selbsttötung sei straffrei. «Aber es ist etwas anderes, wenn die Beihilfe organisiert angeboten wird und die Selbsttötung damit gleichsam als eine Behandlungsvariante neben schmerzlindernde Medizin und andere Hilfen tritt.»

Gesellschaft / Sterbehilfe
20.01.2014 · 17:26 Uhr
[5 Kommentare]
Linienrichter beim Fußball mit Fahne (Archiv)
Miami - Bei der Fußball-Weltmeisterschaft haben sich Saudi-Arabien und Uruguay in einem spannenden Aufeinandertreffen mit einem 1: 1-Unentschieden getrennt. Abdulelah Al Amri brachte Saudi-Arabien in der 41. Minute in Führung, als er nach einer Ecke von Musab Al Juwayr am schnellsten reagierte und den Ball aus kurzer Distanz ins Tor beförderte. Die […] (00)
vor 4 Minuten
Laverne Cox
(BANG) - Laverne Cox hat erklärt, dass ihr Einkommen in den vergangenen Jahren "erheblich" zurückgegangen sei, weil Institutionen vermeiden wollten, den Eindruck zu erwecken, sie würden "transgender Ideologien fördern". Die Schauspielerin, die durch die Netflix-Serie 'Orange Is the New Black' bekannt wurde, verdiente ihr Geld nicht nur mit […] (00)
vor 9 Stunden
Youtube-Logo an einer Wand
Berlin (dpa/tmn) - Google hatte das Feature 2019 abgeschafft, doch nun ist es wieder da: In der YouTube-App für Mobilgeräte lassen sich wieder Direktnachrichten (DMs) an andere Nutzerinnen und Nutzer senden - etwa um Videos zu teilen oder sich einfach nur zu unterhalten. Dazu gibt es einen neuen Nachrichtensymbol-Button rechts oben in der Anwendung. […] (00)
vor 2 Stunden
Xbox Game Studios: Craig Duncan tritt überraschend ab
Craig Duncan tritt als Chef der Xbox Game Studios zurück. Das berichtet TheGameBusiness.com. Der Abgang kommt nach etwas mehr als 18 Monaten in dieser Rolle und fällt in eine Phase, in der Xbox ohnehin stark unter Beobachtung steht. Duncan hatte den Posten im November 2024 von Alan Hartman übernommen. In seiner Verantwortung lagen zahlreiche […] (00)
vor 4 Stunden
Tyra Banks verklagt Netflix wegen «Top Model»-Dokuserie
Die Moderatorin wirft dem Streamingdienst und den Produzenten vor, ihre Aussagen manipuliert und ein falsches Bild ihrer Rolle gezeichnet zu haben. Tyra Banks hat Klage gegen Netflix sowie die Macher der Dokuserie Reality Check: Inside America’s Next Top Model eingereicht. Die ehemalige Gastgeberin und Produzentin von «America’s Next Top Model» wirft den Verantwortlichen Verleumdung, […] (00)
vor 3 Stunden
WM 2026 - Saudi-Arabien - Uruguay
Miami (dpa) - Nach Spanien hat auch Uruguay als zweiter Favorit der Gruppe H einen Stotter-Start in die Fußball-WM hingelegt. Der zweimalige Weltmeister musste sich in seinem Auftaktspiel in Miami gegen Saudi-Arabien mit einem 1: 1 (0: 1) zufriedengeben.  Maxi Araujo (80. Minute) rettete mit seinem Ausgleichstreffer der nach dem Seitenwechsel drückend […] (00)
vor 10 Minuten
stock, chart, apple, bitcoin, investing, trading, crypto, block chain, vpn, euro
Ein veralteter Smart Contract von Aztec Connect wurde laut einer Analyse der Blockchain-Sicherheitsfirma SlowMist für etwa $2,19 Millionen ausgenutzt. Dieser Vorfall verdeutlicht, dass veraltete DeFi-Infrastrukturen nicht einfach verschwinden, wenn ein Protokoll weiterentwickelt wird. Solange Verträge aktiv, unveränderlich und finanziert bleiben, […] (00)
vor 2 Stunden
Offener Stick-Strick-Häkelkreis in der Kunsthalle Mainz
Mainz, 15.06.2026 (lifePR) - Du willst schon die ganze Zeit ein Häkel-, Strick- oder Stickvorhaben starten – oder endlich beenden – und kommst nie dazu? Du suchst Inspiration für Dein nächstes Projekt? Du willst etwas ausprobieren und brauchst ein bisschen Unterstützung? Komm zum offenen Stick-Strick-Häkelkreis in unserer neuen Ausstellung  Stitched Tracks  von Britta Marakatt-Labba. Alle […] (00)
vor 8 Stunden
 
Tankstelle
München (dpa) - Der Iran-Krieg machte die Hoffnungen auf einen zarten Aufschwung in […] (03)
Polizeidirektion Hannover
Hannover (dpa) - Wegen dienstrechtlicher Ermittlungen sind fünf Beamte der […] (01)
Benjamin Netanjahu
Jerusalem (dpa) - Die Kriege gegen den Iran haben nach Darstellung des israelischen […] (01)
Staatsschutzverfahren gegen 18-Jährigen
Düsseldorf (dpa) - Mit dem Messer in den Heiligen Krieg: Ein Schüler eines […] (00)
Falke und Schmitt ermitteln im neuen NDR-«Tatort» gegen eine mysteriöse Verschwörung
Für den Fall „Paranoia“ stehen Wotan Wilke Möhring und Denis Moschitto derzeit in Hamburg vor […] (00)
Die aktuelle Marktsituation Während wir tiefer in das Jahr 2023 eintauchen, sehen […] (00)
WM 2026 - Elfenbeinküste - Ecuador
Philadelphia (dpa) - Die Elfenbeinküste bejubelt im Duell der deutschen Gruppengegner […] (00)
Prime Day 2026: Roborock senkt die Preise um bis zu 50 % – jetzt richtig sparen!
Roborock ist weltweit die Nr. 1 Saugrobotermarke 2025 und setzt den Rotstift an! Der […] (00)
 
 
Suchbegriff