Daten zeigen: Der GameStop-Trick funktioniert nicht mehr

• Zweiter kräftiger Kurssprung durch Short Squeeze bei GameStop und Co. unwahrscheinlich
• Zahl der Leerverkäufe selbst bei den am stärksten geshorteten Aktien auf niedrigem Niveau
• Suche nach dem nächsten GameStop dauert an

Zu Beginn des Jahres wurden institutionelle Investoren auf dem falschen Fuß erwischt: Über das Internetforum Reddit hatten sich zahlreiche Nutzer dazu verabredet, in stark leerverkaufte Aktien wie die des Viedeospiele-Händlers GameStop oder der Kinokette AMC zu investieren und somit einen Short Squeeze zu erzwingen. Der Plan ging auf: Hedgefonds und andere Leerverkäufer wurden aus ihren Positionen getrieben und die Kurse der ins Visier genommenen Aktien stiegen in teils astronomische Höhen. Auch aktuell steht die GameStop-Aktie aufgrund dieser Aktion noch rund 773 Prozent höher als zu Jahresbeginn, während die AMC-Aktie rund 355 Prozent im Plus liegt (Stand: Schlusskurse vom 16. April 2021). Doch wer nun auf einen weiteren Short Squeeze und einen damit verbundenen Kurssprung bei diesen und anderen stark leerverkauften Aktien hofft, dürfte enttäuscht werden.

Potenzial aus Short Squeeze ausgeschöpft

Wie Marktdaten zeigen, wäre die zum Jahresstart von den Reddit-Nutzern verfolgte Strategie nun wohl deutlich weniger wirksam. Denn die Leerverkäufer haben ihr Engagement am Markt offenbar deutlich heruntergefahren. Wie "The Motley Fool" berichtet, waren Mitte Januar noch rund 50 Millionen GameStop-Aktien in der Hand von Leerverkäufern. Damit lag das Short Interest bei rund 100 Prozent und galt laut der Finanzseite als eines der höchsten an der Wall Street. Inzwischen hat sich das Bild allerdings deutlich geändert: Zum 31. März lag die Anzahl der geshorteten GameStop-Aktien laut Daten von "MarketWatch" nur noch bei 10,7 Millionen Papieren, das Short Interest beim Videospiele-Händler betrug somit nur noch rund 20 Prozent. Auch AMC verzeichnete laut "MarketWatch" zum 31. März nur noch ein Short Interest von knapp 18 Prozent. Das Potenzial, das sich aus einem erneuten Short Squeeze ergeben würde, wäre somit bereits allein durch die Anzahl der Leerverkäufe deutlich geringer als noch im Januar.

Es kommt jedoch noch ein weiterer wichtiger Punkt hinzu: Bei GameStop und Co. fällt das Handelsvolumen mittlerweile so hoch aus, dass Leerverkäufer ihre Positionen innerhalb von wenigen Stunden schließen könnten. Wie "The Motley Fool" berichtet, wurden zu Zeiten des ersten Short Squeeze pro Tag nur rund sechs Millionen GameStop-Aktien gehandelt. Um alle Leerverkaufspositionen zu schließen, hätten Hedgefonds und andere professionelle Anleger also rund acht Handelstage benötigt - immerhin waren rund 50 Millionen Aktien leerverkauft. Heute liegt das tägliche Handelsvolumen bei GameStop laut "MarketWatch" jedoch im Schnitt bei rund 43 Millionen Aktien. Alle momentan noch offenen Short-Positionen könnten also innerhalb nur eines Handelstages mit Leichtigkeit geschlossen werden. Das Gleiche gilt für AMC, wo den 73,8 Millionen Aktien, die zum 31. März leerverkauft waren, ein Handelsvolumen von durchschnittlich 170 Millionen Aktien pro Tag gegenübersteht. Das Kurspotenzial, das sich aktuell aus einem Short Squeeze ergeben würde, wäre also sehr gering.

Leerverkäufer ziehen sich zurück

Auch bei anderen stark geshorteten Aktien, die bisher noch nicht so stark in der öffentlichen Wahrnehmung standen wie GameStop und AMC, würde die bisherige Strategie der Reddit-Nutzer, einen kräftigen Kursanstieg durch einen Short Squeeze zu erzwingen, momentan wohl nicht aufgehen. Denn wie "Investor's Business Daily" unter Berufung auf Daten von S&P Global Market Intelligence schreibt, kontrollierten Shortseller Mitte März selbst bei den am stärksten leerverkauften Aktien aus dem S&P 1500 meist nur noch weniger als 25 Prozent der im Umlauf befindlichen Papiere, während es im Januar noch 50 Prozent oder mehr gewesen seien - mit weiter fallender Tendenz. Betrug das Short Interest bei Tanger Factory Outlet Centers laut "Investor's Business Daily" zum 15. März noch 31 Prozent - und machte den Titel somit zur am meisten leerverkauften Aktie -, lag es laut "MarketWatch" zum 31. März bereits nur noch bei 24 Prozent.

Der "GameStop-Trick" dürfte daher momentan kein zweites Mal funktionieren, auch wenn Anleger weiterhin versuchen, das nächste GameStop in Form einer stark geshorteten Aktie zu finden. Laut "Benzinga" geriet dabei in der vergangenen Woche vor allem Clover Health Investments mit einem angeblichen Short Interest von 144 Prozent ins Visier der Privatanleger.

"The Motley Fool" weist jedoch drauf hin, dass laut dem Leerverkäufer Hindenburg Research die Daten, die zur Berechnung des Short Interest bei Clover Health herangezogen wurden, inkorrekt gewesen sein dürften. Auch "MarketWatch" weist für das Unternehmen zum 31. März lediglich ein Short Interest von 35 Prozent, bezogen auf die sich im Umlauf befindlichen Aktien, aus. Auch hier dürfte sich die Erfolgsstory, die die Reddit-Nutzer bei GameStop verbuchen konnten, daher wohl nicht wiederholen.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 20.04.2021 · 14:04 Uhr
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