Sonne, Mond, Sternschnuppen

«Das war magisch»: Sonnenfinsternis fasziniert Millionen

13. August 2026, 10:52 Uhr · Quelle: dpa
Sonnenfinsternis – München
Foto: Felix Hörhager/dpa
Großer Andrang herrschte auch in Deutschland, um die partielle Sonnenfinsternis zu beobachten - wie hier im Münchner Olympiapark.
Gänsehaut, Jubel und Tränen: Die Sonnenfinsternis löste beispiellose Begeisterung aus. Und anschließend durften noch jede Menge Wünsche gen Himmel geschickt werden.

Madrid/Berlin (dpa) - Es ist, als ob jemand plötzlich das Licht ausgeknipst hätte. Hunderte Menschen, die sich gerade noch locker bei kalten Getränken und sanft dahinplätschernder Musik bei der Ebro-Sternwarte in dem Ort Roquetes im Nordosten Spaniens unterhalten haben, schauen plötzlich sprachlos auf eine schwarze Scheibe mit einem gleißenden Feuerring über dem Horizont. Der Mond hat sich vollständig vor die Sonne geschoben und die lang ersehnte totale Sonnenfinsternis ist da. 

Das atemberaubende Himmelsschauspiel, das in Deutschland als partielle Sonnenfinsternis zu sehen war, schlug Millionen Menschen in Europa in ihren Bann. Überall reagierten die Menschen ähnlich. Lauter Jubel, Luftsprünge, Applaus, sogar Tränen der Rührung, aber auch andächtige Stille und Verwunderung über die «Schönheit der Welt, in der wir leben», wie es der slowakische Jesuit und Astrophysiker von der vatikanischen Sternwarte in Tucson im US-Bundesstaat Arizona im Gespräch mit dpa in Spanien ausdrückte.

Die totale Sonnenfinsternis hatte gegen 19.00 Uhr in Nordsibirien begonnen. Der Kernschatten des Mondes war dann in einem Bogen an Grönland und Island entlanggezogen und auf Spanien getroffen. In Islands Hauptstadt Reykjavík gab es dunkle Wolken und Regen während der totalen Sonnenfinsternis. 

Menschen feiern auf Dorfplätzen, Berggipfeln und an Stränden

In Spanien feierten die Menschen vielerorts lautstark auf Dorfplätzen, Berggipfeln, Stränden, Dachterrassen und Hunderten eigens eingerichteten Beobachtungsplätzen. Auch in Deutschland, wo die Sonne immerhin bis zu 90 Prozent vom Mond verdeckt wurde, versammelten sich Millionen an geeigneten Beobachtungspunkten wie etwa am Olympiaberg im Münchner Olympiapark. Wie in Deutschland spielte auch das Wetter in Spanien mit. Nur in wenigen Regionen gab es leichte Bewölkung. 

«Ich bekam eine Gänsehaut. Ich hätte nie gedacht, dass es so überwältigend sein würde. Es war wirklich eines der schönsten Erlebnisse, die ich je in meinem Leben hatte», sagte die junge Astronautin Sara García mit Tränen in den Augen dem staatlichen spanischen Fernsehsender RTVE. «Sehr kurz, aber unbeschreiblich schön», sagte eine Frau direkt nach dem Ende der totalen Sonnenfinsternis bei der Ebro-Sternwarte in Katalonien. 

«Das war wirklich absolut magisch, der Wahnsinn, das zu sehen», schwärmte auch ein deutscher Urlauber auf Mallorca. «Das war ein supertolles Erlebnis», meinte ein anderer. Nur zwei Minuten lang, aber es sei den Aufwand wert gewesen, nach Mallorca zu fliegen und dann eineinhalb Stunden mit dem Auto zum Beobachtungspunkt zu fahren, «absolut geil».

Das außergewöhnliche Naturschauspiel hatte bereits vor Tagen eine beispiellose Reisewelle ausgelöst. Viele Enthusiasten reisten von weit her an, aus Japan oder den USA etwa. Wie auch die vielen Spanier zog es sie in die rund 300 Kilometer breite sogenannte Totalitätszone, die sich in Spanien von Galicien bis zu den Balearen erstreckte. Die Behörden gingen von bis zu 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten wegen der Sonnenfinsternis aus. Viele von ihnen steckten auch auf dem Rückweg nachts in kilometerlangen Staus fest.

Hotels waren vielerorts seit Monaten ausgebucht, Privatleute vermieteten Balkone und Dachterrassen mit freier Sicht auf den Abendhimmel für mehrere Hundert Euro. Besonders profitierte die sogenannte «España vacia», das dünn besiedelte und von Landflucht geprägte ländliche «leere Spanien», das sonst nur selten im Mittelpunkt des internationalen Tourismus steht.

Größere Zwischenfälle blieben aus

Befürchtungen der Behörden, der Andrang derart vieler Menschen in ländlichen Gebieten könne weitere Waldbrände auslösen, bestätigten sich zunächst nicht. Wohl nur knapp einer größeren Katastrophe entging der Ort Peñíscola, wo ein Auto bei einem Beobachtungspunkt in Brand geriet. Das Feuer sprang auf 33 weitere Fahrzeuge über. Die Feuerwehr konnte eine Ausbreitung des Feuers im letzten Augenblick verhindern, wie regionale Zeitungen berichteten. 

Auch das Wetter spielte mit 

Der Himmel über Spanien war zumeist klar, nur die stellenweise große Hitze von fast 40 Grad machte einigen zu schaffen. In Deutschland, wo die Sonne zu rund 85 bis 90 Prozent durch den Mond verdeckt wurde, war der Himmel ebenfalls weitgehend wolkenlos. 

Großer Andrang herrschte zum Beispiel in München im Olympiapark. Hunderte Schaulustige kamen zum Feldberg in Hessen. In Berlin war es wegen des Andrangs rund um das Planetarium in Prenzlauer Berg zu Verkehrsbehinderungen gekommen. Die Polizei sprach von 3.000 Menschen. Über Dresden schwebten mindestens sechs Heißluftballons - auch deren Passagiere hatten beste Aussicht.

Zugabe: Ein Sternschnuppen-Strom

Als Zugabe zur Sonnenfinsternis bot der Himmel kurz danach ein weiteres Spektakel: Der Sternschnuppen-Strom der Perseiden, einer der schönsten Meteorströme des Jahres, erreichte in der Nacht seinen Höhepunkt. Bis zu hundert Meteore pro Stunde sollte man an dunklen Orten über den Himmel huschen sehen. 

In diesem Jahr hatten es die Menschen, die viele Wünsche loswerden wollten, besonders leicht. Denn das Maximum der Perseiden fiel genau in die Neumondnacht. Kein Mondlicht störte das Erspähen der Leuchterscheinungen und das Wetter spielte weitgehend mit. Nur über Norddeutschland waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ein paar hohe Wolkenfelder vorhanden. Da könnte es lokal zu Sichteintrübungen gekommen sein, sagte ein DWD-Meteorologe. Sternschnuppen gelten vielen als klassische Glücksbringer, denen nachgesagt wird, dass sie Wünsche erfüllen.

Selbst in Berlin waren in der Nacht bereits vor 23.00 Uhr Sternschnuppen zu sehen. Trotz der Lichtverschmutzung seien schon einige beobachtet worden, sagte der Direktor des Zeiss-Großplanetariums, Tim Florian Horn, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Neben dem Planetarium verfolgten Gäste das Spektakel auf einer Freifläche direkt.

Die Perseiden waren bereits in den Nächten vor ihrem Maximum zu beobachten. Auch in den nächsten Nächten seien bei gutem Wetter noch viele Perseiden zu sehen, sagte Horn. Die Kurve flache langsam ab und ende am 24. August.

Partielle Mondfinsternis in gut zwei Wochen

Wie der Name sagt, scheinen die Sternschnuppen aus dem Sternbild Perseus zu kommen - nach Einbruch der Dunkelheit liegt dieses über dem Nordosthorizont. Perseus ist ein mythologischer Held aus der griechischen Antike. 

Nach diesen Ereignissen bietet der Himmel über Deutschland bereits in gut zwei Wochen eine partielle Mondfinsternis: Der Eintritt des Mondes in den Kernschatten der Erde erfolgt am 28. August jedoch schon um 4.34 Uhr.

Die nächste partielle Sonnenfinsternis in Deutschland ist am 2. August 2027 zu sehen. Eine totale Sonnenfinsternis wird es an diesem Tag in Teilen von Spanien und Nordafrika geben. Und Spanien bekommt gleich noch ein drittes Himmelsschauspiel innerhalb von drei Jahren: Eine ringförmige Finsternis am 26. Januar 2028, die unter anderem auch in Südamerika zu beobachten sein wird. In Deutschland wird erst 2081 wieder eine totale Sonnenfinsternis zu sehen sein - aber nur im äußersten Südwesten.

Wissenschaft / Tourismus / Astronomie / Sonnenfinsternis / Spanien / Deutschland / International
13.08.2026 · 10:52 Uhr
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