Darum herrscht am Markt eine "buy-the-dip"-Menatlität

• Coronavirus belastet Märkte nur zeitweise
• Anleger nutzen günstige Einstiegschancen
• Experten warnen vor Folgen einer weiteren Ausbreitung des Virus

Während im Handelskrieg nach dem Teilabkommen und jüngsten positiven Nachrichten zum Abbau von Strafzöllen auf chinesischer Seite inzwischen mehr oder minder Ruhe eingekehrt ist, treiben andere Sorgen die Anleger um. Das Coronavirus sorgte erst kürzlich spürbar für Verluste an den Märkten, doch diese hielten nicht lange an, nachdem man sich am Markt wieder optimistischer zeigte, dass China die Ausbreitung des Virus eindämmen kann. Investoren nutzten die durch Negativnachrichten versursachten Kursrücksetzer als günstige Einstiegschance.

Anleger vertrauen auf Notenbanken

Mit dem in China ausgebrochenen Coronavirus, das bereits mehr Todesopfer, als das in den meisten Köpfen noch präsente SARS-Virus Anfang der 2000er, forderte, wuchsen die Sorgen am Aktienmarkt. Man ist sich nicht sicher, welche Auswirkungen die Pandemie auf das weltweite Wirtschaftswachstum haben könnte. Doch während sich die Sorgen um den Effekt der Lungenkrankheit mehrten, stiegen gleichzeitig die Hoffnungen auf eine weitere Leitzinssenkung der US-Notenbank in diesem Jahr. Und auch die chinesische Notenbank versuchte, indem sie den Markt mit Liquidität flutete, die negative Entwicklung im Zaum zu halten. Investoren scheinen sich für den Notfall auf die Notenbanken und deren Eingreifen, zur Rettung der Wirtschaft, zu verlassen. "Ich denke, die Anleger haben über einen langen Zeitraum hinweg erfahren, dass die Zentralbanken und insbesondere die Fed da sein werden, um den Tag zu retten", zitiert MarketWatch Michael Arone, Investmentstratege bei State Street Global Advisors.

Und so scheint die Stimmung am Markt, trotz Werksschließungen und Umsatzwarnungen einiger Unternehmen wegen des Coronavirus, gar nicht so schlecht. Die wichtigsten US-Indizes bewegten sich gar wieder nahe ihrer Rekordmarken. Trotz noch unklarer Auswirkungen des Virus auf die Wirtschaft gab es keinen wirklichen Ausverkauf, der eigentlich in einer solchen Situation üblich ist. "Normalerweise möchte man sehen, dass der Markt von überkauft zu überverkauft wechselt, und dann bekommt man das Gefühl, dass der gesamte Verkauf stattgefunden hat", was dem Markt erlaube, sich anschließend wieder zu erholen, gibt MarketWatch Quincy Krosby, Stratege bei Prudential Financial, wieder.

In diesem Fall könnte die Stimmung jedoch umschlagen

Mohamed El-Erian von der Allianz ehemals Geschäftsführer bei Pimco, hat kürzlich - trotz der allgemein recht guten Stimmung an den Märkten - eine Warnung ausgesprochen, dass das Coronavirus zum Katalysator dafür werden könnte, dass Anleger ihre "buy-the-dip"-Mentalität womöglich bald ablegen. Sein Argument: Das Potenzial für eine Kettenreaktion von weltweiten wirtschaftlichen Folgen eines längeren Ausbruchs des Coronavirus würde die Fähigkeit der Zentralbanken, von denen viele bereits ihre geldpolitischen Möglichkeiten aufgebraucht hätten, in Frage stellen, die Märkte aufzufangen.

Auch einige andere Experten sorgen sich darum, wie lange Anleger noch die günstigen Einstiegschancen nutzen werden. Denn der Ausbruch des Coronavirus veranlasste China dazu, einige Fabriken nach den Neujahrsfeierlichkeiten weiter geschlossen zu halten. Und das, obwohl gerade Wuhan und die umliegende Region als Produktionsstandort für die Technologie-Industrie bekannt seien. In einer Mitteilung vom vergangenen Donnerstag warnten Analysten von Pavilion Global Markets deshalb davor, dass - sollte die Ausbreitung des Virus nicht eingedämmt werden können - Unterbrechungen der Lieferketten die Outperformance von Wachstumsaktien untergraben könnten, die in erster Linie Nutznießer der Liquiditätsanstrengungen der Zentralbank gewesen sind, berichtet MarketWatch. Dies könnte sich folglich dann auch auf den US-Aktienmarkt auswirken, wo der S&P 500 in der jüngsten Vergangenheit gerade von einigen wenigen dieser Wachstumsaktien besonders profitiert habe.

Bleibt abzuwarten, wie es an den Märkten weitergeht und ob sie sich von zwischenzeitlichen Rücksetzern weiterhin wieder schnell erholen können. Dann fahren Anleger mit der "buy-the-dip"-Schiene weiterhin gut. Marktstrategin Victoria Fernandez von Crossmark Global Investments ist der Meinung, dass die US-Verbraucher das letzte Puzzleteil bei der Frage nach der weiteren Entwicklung am Markt sein dürften: "Wenn sie anfangen, sich zurückzuziehen, wenn sie sich abwenden, dann wird dies ein Zeichen dafür sein, dass das Virus die Wirtschaft in einem viel größeren Ausmaß als ursprünglich erwartet beeinflusst hat", verlautet sie gegenüber MarketWatch.

Konjunktur/Wirtschaft
[finanzen.net] · 13.02.2020 · 13:31 Uhr
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