DAK-Gesundheit warnt vor negativen Folgen der neuen Krankschreibungsregelungen
DAK-Gesundheit warnt vor Überlastung der Arztpraxen
Die DAK-Gesundheit hat vor den potenziellen negativen Auswirkungen der Koalitionspläne zur Reduzierung von Krankheitsausfällen gewarnt. Vorstandschef Andreas Storm betonte, dass die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung zu einem Anstieg der Arztkontakte führen könnte, was wiederum die Belastung der Beschäftigten in den Praxen erhöht. Die Kombination mit der neuen Regelung, die eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag vorschreibt, könnte die Hausarztpraxen überlasten.
Vizekanzler Lars Klingbeil verteidigte die geplanten Verschärfungen als notwendige Kompromisse innerhalb der Koalition, betonte jedoch die Notwendigkeit, praktikable Lösungen zu finden. „Wir müssen das vernünftig gestalten“, sagte der SPD-Chef und forderte eine durchdachte Umsetzung der Vorschläge. Kanzler Friedrich Merz von der CDU merkte an, dass es nicht notwendig sei, am ersten Krankheitstag einen Arzt aufzusuchen, sondern dass lediglich die Bescheinigung erforderlich sei.
Die Koalition hat beschlossen, die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung abzuschaffen, was bereits auf Widerstand stößt. Kritiker argumentieren, dass diese Regelung dazu führen könnte, dass mehr Kranke direkt in überlastete Praxen gehen müssen. Merz stellte klar, dass Unternehmen eigene Regelungen treffen könnten, was die Flexibilität der Arbeitgeber erhöhen würde.
Klingbeil verwies auf die Aussagen von Gesundheitsministerin Nina Warken, die betonte, dass niemand gezwungen werden sollte, bei Krankheit zum Arzt zu gehen. „Ich will nicht, dass Menschen sich krank zur Arbeit schleppen“, fügte er hinzu und unterstrich die Wichtigkeit einer durchdachten Gesetzgebung.
Warken verteidigte die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und betonte die Notwendigkeit, digitale Lösungen wie Videosprechstunden zu fördern. „Wir müssen sicherstellen, dass digitale Möglichkeiten weiterhin möglich sind und verstärkt genutzt werden“, sagte sie und kündigte an, Regelungen zu schaffen, die Missbrauch verhindern und gleichzeitig die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben.
Laut einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) und der Barmer Krankenkasse machen telefonische Krankschreibungen nur einen geringen Anteil an den gesamten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus. Die Daten zeigen, dass telefonische Krankschreibungen zwischen 0,8 und 1,2 Prozent der Bescheinigungen ausmachten und keinen signifikanten Einfluss auf den Krankenstand hatten.
Storm von der DAK-Gesundheit wies darauf hin, dass zur Reduzierung des hohen Krankenstands das Potenzial der Teilkrankschreibung besser genutzt werden sollte. Er verwies auf erfolgreiche Modelle aus skandinavischen Ländern, die zeigen, dass mehr Flexibilität Beschäftigte im Arbeitsprozess halten kann.
Ministerin Warken plant bereits die Einführung von Teilkrankschreibungen, die es Beschäftigten ermöglichen sollen, sich bei längeren Erkrankungen nur teilweise krankschreiben zu lassen. Diese Regelung könnte eine sinnvolle Ergänzung zur bestehenden Praxis darstellen und den Bedürfnissen der Arbeitnehmer besser gerecht werden.

