Daimler-Aktie gibt ab: Neue Gewinnwarnung veröffentlicht - Absatz sinkt im Juni

Wie der DAX-Konzern mitteilte, geht er für 2019 nur noch von einem Konzern-EBIT deutlich unter dem Vorjahreswert aus. Nach der Prognosesenkung Ende Juni war Daimler noch von einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf Vorjahresniveau ausgegangen.

Der Konzern begründete die erneute Gewinnwarnung mit einer Erhöhung der Rückstellungen im Zusammenhang mit einem Rückruf von Takata-Airbags um 1,0 Milliarden Euro sowie einem Anstieg der erwarteten Aufwendungen im Zusammenhang mit der Dieselthematik um 1,6 Milliarden Euro. Überdies wirkt sich eine Entscheidung zum Produktportfolio von Mercedes-Benz Vans negativ aus.

Für das zweite Quartal meldete Daimler einen EBIT-Verlust von 1,6 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 2,6 Milliarden im Vorjahreszeitraum.

Daimler liefert im Juni weniger Pkw aus

Mercedes-Benz Cars hat im Juni sowohl bei der Marke Mercedes-Benz als auch überproportional beim Smart weniger Fahrzeuge verkauft. Die Marke Mercedes litt vor allem unter rückläufigem Absatz in Deutschland. Im dritten Quartal erwartet der Autokonzern Absatzimpulse durch die neuen SUVs.

Der Absatz fiel um 4,8 Prozent auf 206.461 Einheiten, wie die Daimler-Tochter mitteilte. Seit Jahresbeginn betrug der Absatz damit 1,195 Millionen Fahrzeuge, ein Minus von 4,7 Prozent.

Die Stammmarke Mercedes alleine brachte es im Berichtsmonat auf 196.230 Einheiten, ein Rückgang um 3,7 Prozent. Seit Januar wurden 1,135 Millionen Wagen ausgeliefert (minus 4,6 Prozent).

Beim Kleinwagen Smart verringerte sich der Monatsabsatz um 22,5 Prozent auf 10.231 Fahrzeuge. Seit Jahresbeginn waren es 8,1 Prozent weniger.

Im wichtigen chinesischen Markt verkaufte das Unternehmen im Berichtsmonat 57.018 Mercedes-Benz. Das waren 0,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. In den Monaten Januar bis Juni ergab sich ein Zuwachs von 1,3 Prozent.

Im Heimatmarkt gingen 24.033 Autos mit dem Stern an die Kunden, ein Minus von 6,2 Prozent.

Das passiert mit der Daimler-Aktie

Die Anleger scheinen sich langsam an schlechte Nachrichten aus der Autobranche zu gewöhnen. Einen Beleg dafür lieferte am Freitag die Aktien von Daimler, die nach einem schwachen operativen Ergebnis für das zweite Quartal und erneut gekappten Jahreszielen nur kurz unter deutlichen Verkaufsdruck gerieten.

Ihr Tagestief von 44,54 Euro bei einem Abschlag von 4,5 Prozent fanden sie bereits in den ersten Handelsminuten. Der bis Ende April aufgelaufene Jahresgewinn von fast 31 Prozent war zu diesem Zeitpunkt komplett verloren gegangen und es stand für 2019 sogar ein Verlust von 3 Prozent zu Buche. Die Papiere dämmten ihre Tagesverluste jedoch schnell ein, zwischenzeitlich sogar vollständig. Zum Handelsschluss kosteten sie mit 46,34 Euro noch knapp 0,7 Prozent weniger als am Vortag. Anfangs noch in Mitleidenschaft gezogene Aktien von BMW und VW lagen sogar klar im Plus - wie auch der europäische Autoindex.

Alleine in dieser Woche waren mit den Gewinnwarnungen von BASF, FUCHS PETROLUB und Aumann sowie zurückhaltenden Aussagen des DEUTZ-Chefs einige Hiobsbotschaften auf die Anleger eingeprasselt. So hatte der Chemiekonzern BASF seine Jahresprognose zusammengestrichen und dies in erster Linie mit Wachstumseinbußen in der globalen Automobilindustrie begründet, insbesondere in China. Fuchs Petrolub senkte seine Prognose aus ähnlichen Gründen. Dann musste der Chef des Motorenbauers Deutz in einem Interview eingestehen, dass sich die Nachfrage nach Motoren abkühle und der Höhepunkt wohl erreicht sei. Ferner senkte noch der Maschinenbauer Aumann wegen der Automobilkonjunktur sein operatives Ergebnisziel.

Analyst Patrick Hummel von der UBS machte zudem einen ganzen Reigen von Sondereffekten in Form von zusätzlichen Rückstellungen für die Dieselaffäre und einen Airbag-Rückruf als Hauptgründe für die "massive Gewinnwarnung" von Daimler aus. Aber auch das bereinigte operative Ergebnis sei schwächer als gedacht, so Hummel.

Hinter dem überraschenden Ausmaß der Warnung vermutet der Experte aber auch ein gewisses Großreinemachen des neuen Managements. Immerhin hat der neue Konzernlenker Ola Källenius das Ruder erst am 22. Mai von Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche übernommen. Der Neue habe wohl einen konservativeren Ansatz gesucht bei all dem operativen Druck, unter dem das Kerngeschäft stehe.

Sorgen bereitet Börsianern allerdings die zukünftige Dividendenpolitik des Unternehmens. Laut dem UBS-Experten Hummel erscheint eine deutliche Kürzung der Ausschüttungen unvermeidlich. Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan meinte, dass die Stuttgarter nun zumindest über die Dividende nachdenken dürften. Sollte Daimler die Ausschüttungen erst einmal deutlich kappen oder gar ganz streichen, würde Händlern zufolge ein wichtiges "Sicherheitsnetz" für die Aktien wegfallen.

FRANKFURT (Dow Jones) /FRANKFURT (dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 12.07.2019 · 21:48 Uhr
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