Covestro-Aktie verliert deutlich: Covestro mit Milliarden-Zukauf

Dafür ist der DAX-Konzern bereit, dem niederländischen Chemiekonzern Royal DSM für dessen Geschäftsbereich mit nachhaltigen Beschichtungsharzen 1,61 Milliarden Euro auf den Tisch zu legen. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, teilte Covestro am Mittwoch in Leverkusen mit. Der Konzern erhofft sich erhebliches Wachstumspotenzial.

Der Zukauf der Sparte Resins & Functional Materials (RFM) sei ein bedeutender Schritt bei der Umsetzung der Strategie, nachhaltige und innovative Geschäftsbereiche gezielt auszubauen, hieß es weiter. Mit der Übernahme steige der Konzern zu einem der weltweit führenden Anbieter in dem attraktiven Wachstumsmarkt für nachhaltige Beschichtungsharze auf. Vorbehaltlich der Genehmigungen durch die Behörden wird der Abschluss der Transaktion für das erste Quartal erwartet.

Covestro will den Zukauf mit Eigen- und Fremdkapital finanzieren sowie durch den eigenen Barmittelfluss. Zu diesem Zweck soll das bereits bestehende genehmigte Kapital für eine Kapitalerhöhung genutzt werden. Damit will der Konzern rund 450 Millionen Euro erlösen.

Covestro unterstrich nun in seiner Mitteilung die strategisch als auch finanziell "ideale Gelegenheit" für die Übernahme. "Mit der Integration von RFM bekommen wir zusätzlichen Schub für unseren Wachstumskurs", sagte Covestro-Chef Markus Steilmann. Er verwies auf Größenvorteile sowie die künftig breiteren technischen Möglichkeiten. Hinzu kommt das Synergiepotenzial durch die Integration, es soll bis 2025 auf jährlich rund 120 Millionen Euro steigen.

Im vergangenen Jahr hatte es der bisherige DSM-Geschäftsbereich nach Unternehmensangaben auf einen Erlös von einer Milliarde Euro gebracht. Zum Vergleich: Die Covestro-Sparte für Lacke, Klebstoffe und Spezialprodukte hatte rund 2,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Durch die sich ergänzende geografische Abdeckung erweitert Covestro mit der Übernahme sein weltweites Produktionsnetz um mehr als 20 Standorte. Gleichzeitig soll der Zukauf den Konzern weniger abhängig von einzelnen Kundenindustrien machen. Dem Hersteller hatte zuletzt vor allem die Schwäche in der Autoindustrie zu schaffen gemacht.

Nun rechnet sich Covestro-Chef Steilmann unter anderem neue Chancen im Telekommunikationssektor aus, da das Unternehmen künftig zu den führenden Anbietern für Glasfaserkabelbeschichtungen gehöre. Dieses Marktsegment habe insbesondere durch den Ausbau der 5G-Technologie "starkes Zukunftspotenzial". Seine Position stärkt Covestro auch bei den Polymeren für den 3D-Druck, für die der Markt im Schnitt jährlich um 20 Prozent wachse.

So reagiert die Covestro-Aktie

Die zuletzt wilde Achterbahnfahrt der Aktien von Covestro hat sich am Mittwoch fortgesetzt. Nachdem die Papiere des Kunststoffkonzerns noch Mitte September von Übernahmespekulationen beflügelt worden waren, jagte nun ein eigener Milliarden-Zukauf den Anlegern einen Schrecken ein. Die Anteilsscheine fielen bis zum Handelsschluss via XETRA um 7,19 Prozent auf 42,35 Euro.

Covestro will seinen kleinsten Geschäftsbereich für Lacke, Klebstoffe und Spezialprodukte mit einem milliardenschweren Zukauf stärken. Dafür ist das Unternehmen bereit, dem niederländischen Chemiekonzern Royal DSM für dessen Geschäftsbereich mit nachhaltigen Beschichtungsharzen 1,61 Milliarden Euro auf den Tisch zu legen. Der Konzern erhofft sich erhebliches Wachstumspotenzial.

An der Börse reagierten die Anleger auf den angekündigten Deal allerdings verschnupft. "Die Übernahme erscheint auf den ersten Blick teuer", erklärte Analyst Markus Mayer von der Baader Bank. Der Branchenexperte verwies allerdings auch auf die von Covestro angeführten hohe Synergien, die die Bewertung deutlich senkten. Mayer rechnete daher nach einer ersten negativen Kursreaktion durchaus mit einer Erholung des Kurses.

Analyst Thorsten Strauß von der Landesbank NordLB schrieb: "Strategisch macht die Transaktion durchaus Sinn, da sie zur Diversifikation der Abnehmerindustrien, einer breiteren geografischen Abdeckung und einer Stärkung der Geschäfte in Wachstumsbereichen beiträgt." Der Kaufpreis, der sich im Durchschnitt ähnlicher Transaktionen in der Chemiebranche bewege, erscheine angemessen. Die negative Reaktion an der Börse auf die Übernahme-Meldung hält Strauß für stark übertrieben, wenngleich die Aussicht auf eine Kapitalerhöhung zur Teilfinanzierung des Vorhabens belasten dürfte.

Mitte September waren die Covestro-Aktien auf das bisherige Jahreshoch bei knapp 49 Euro geschnellt, nachdem Spekulationen über ein Interesse des Finanzinvestors Apollo am Konzern die Runde gemacht hatten. Nach dem Kursrutsch zur Wochenmitte nun notieren die Anteilsscheine wieder auf dem Niveau von Anfang September.

Der coronabedingte Einbruch des Gesamtmarktes hatte die Papiere von Covestro Mitte März auf ein Rekordtief von 23,54 Euro gedrückt. Die folgende Erholung hat die Anteilsscheine bereits Ende August wieder über den Stand kurz vor der Eskalation der Virus-Krise Ende Februar gehievt. Das Anfang 2018 erreichte Rekordhoch von fast 96 Euro aber liegt noch in weiter Ferne.

Aus charttechnischer Sicht hat sich die Lage für die Covestro-Aktien kurzfristig wieder eingetrübt, da der Kursrutsch zur Wochenmitte die Papiere unter die 21-Tage-Linie drückte. In der mittel- und vor allem langfristigen Betrachtung aber werden die Anteilsscheine immer noch von den 50- und 200-Tage-Linien gut unterstützt.

Die Anleger von Royal DSM reagierten derweil erfreut: Die Aktien waren im frühen Handel auf ein Rekordhoch von gut 142 Euro geklettert und standen zuletzt als klarer Spitzenreiter im niederländischen Leitindex AEX mehr als vier Prozent höher. Laut Analystin Theodora Lee Joseph von der US-Investmentbank Goldman Sachs passt der Deal zur jüngst verkündeten Strategie von Royal DSM.

(dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 30.09.2020 · 17:55 Uhr
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