Chodorkowskis erster Tag in Freiheit

21. Dezember 2013, 16:45 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Mit Gästen aus Moskau hat man im «Adlon» einige Erfahrung. Das Luxushotel direkt am Brandenburger Tor gehört für reiche Russen, die in Berlin Geschäfte erledigen oder einfach nur auf Einkaufstour gehen wollen, zu den beliebtesten Adressen.

Auch Michail Chodorkowski war schon hier: 2003, kurz bevor er wegen Betrugs und Steuerhinterziehung festgenommen wurde. Zehn Jahre später ist der Kremlgegner nun wieder da. Nach der Entlassung aus dem Straflager und der Ausreise nach Deutschland residiert er in der «Suite Pariser Platz». Standardpreis für eine Nacht: 2925 Euro.

Dort oben blieb Chodorkowski am Samstag auch - zumindest bis zum späten Nachmittag. Die mehreren Dutzend Fotografen und Kameraleute vor dem Eingang warteten vergebens. Auf Twitter kursierte aber ein Foto aus der Suite, das den einstmals reichsten Mann Russlands am Kamin zeigt. Müder Blick, die Haare kurzrasiert, mit einem Buch auf dem Schoß. Chodorkowski sieht um einiges älter aus als 50 - kein Wunder nach zehn Jahren in Haft.

Im «Adlon» traf er nun zum ersten Mal in Freiheit seine Eltern Marina und Boris wieder. Die krebskranke Mutter und der Vater waren am Morgen mit einer Linienmaschine aus Moskau gelandet. Beim Wiedersehen soll es viele Tränen gegeben haben. Dabei war auch sein ältester Sohn aus erster Ehe, Pawel (27). Unklar war zunächst, ob es auch eine Begegnung mit den drei anderen Kindern und seiner Frau Inna gab.

Pawel, der inzwischen in New York arbeitet, kam am Nachmittag auch kurz vor die Tür. Im roten Daunenanorak dankte er freudestrahlend allen, die seinen Vater in den letzten Jahren unterstützt haben. Kurz darauf wurde eine der Unterstützerinnen zum Gespräch vorgelassen, die Grünen-Politikerin Marieluise Beck. Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, der an der Lösung des Falles beteiligt war, will sich hingegen von nun an zurückhalten. «Chodorkowski wird nun sein eigenes Leben gestalten», sagte der 86-jährige FDP-Mann.

An diesem Sonntag geht es damit los. Im Berliner Mauermuseum - normalerweise ein Touristen-Umschlagplatz am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie - will sich der prominenteste Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin zu seinen Zukunftsplänen äußern. Das Medien-Interesse ist enorm. Mehrere Fernsehsender wollen die Pressekonferenz des einstigen Milliardärs live übertragen, auch nach Russland.

Vorab gab Chodorkowski bereits der Moskauer «New Times», für die er auch aus dem Straflager als Kolumnist gearbeitet hatte, ein kurzes Interview. Wichtigster Satz: «Nach zehn Jahren ist das jetzt ein unglaubliches Gefühl der Freiheit.» Der Ex-Häftling kündigte aber auch schon an, sich für andere Gefangene einzusetzen. «Es gibt noch viel zu tun, die Freilassung der Geiseln, die noch im Gefängnis sind, vor allem Platon Lebedew.» Lebedew war sein Geschäftspartner und wurde mit ihm verurteilt.

Auf die entscheidende Frage aber gibt es noch keine Antwort: Wo will Chodorkowski künftig leben? Wieder in seiner Heimat Russland, trotz allem? In Deutschland, wo er seit Freitag über ein Ein-Jahresvisum verfügt, das ihm mangels Pass am Flughafen Berlin-Schönefeld in aller Schnelle auf provisorischen Papieren gewährt wurde? Oder anderswo? In der Schweiz vielleicht, in Großbritannien oder in den USA? Am Sonntag erhoffen sich viele Auskunft darüber.

Menschenrechte / KORR-Inland / Russland / Deutschland
21.12.2013 · 16:45 Uhr
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