«Chilling Adventures of Sabrina» – Teil 3: Gute Ideen im Großen, Schönheitsfehler im Kleinen

Mehr Einflüsse, größere Nebenschauplätze, aber auch erste Anzeichen der Überdehnung: «Chilling Adventures of Sabrina» macht in Runde drei weiter Spaß, mancher Makel zum Trotz.

Im April 2019 veröffentlichte Netflix den zweiten Teil seiner jugendorientierten Horrorserie «Chilling Adventures of Sabrina». Ende Januar dieses Jahres ging die Geschichte der jungen Hexe, die sich (fast) nie unterkriegen lässt, obwohl sie es mit den Mächten der Hölle zu tun bekommt, weiter. Was Netflix Teil drei nennt und Serienfans früher schlicht Staffel drei genannt hätten, beginnt unter neuen Voraussetzungen: Nachdem Sabrina lange versucht hat, ihre Seele zu retten, dann damit weiterging, dass sie ihre Seele doch noch dem Leibhaftigen versprochen hat und letztlich darin mündete, dass sie ihn gerissen überlistete, stellt in Teil drei die Frage "Was jetzt?"

Wieder einmal muss Sabrina Spellman einsehen: Nur, weil sie böseren Mächten ein Schnippchen geschlagen hat, heißt das noch lange nicht, dass sie nun fein raus ist. Jetzt wird Sabrina mit den Pflichten einer Höllenherrscherin beauftragt und muss daher unter anderem finstere Seelen abholen. Obendrein muss sich Sabrina noch immer den Unkenrufen alteingesessener (und männlicher) Mächte wehren, die ihr nunmehr nicht zutrauen, ihrem neuen Titel gerecht zu werden. Und dann bangt sie um ihren Freund Nick, der zu Beginn von Teil drei als lebendiges Gefäß für Luzifer ein qualvolles Dasein fristet …

Man merkt: Nach dem sehr geradlinigen, diabolisch-unterhaltsamen ersten Teil verändern die Serienverantwortlichen schrittweise ihre Herangehensweise in «Chilling Adventures of Sabrina». Aus dem sehr konzentrierten, makaber-freudigen Emanzipationsstoff der Folge für Folge davon handelt, wie Sabrina durch aufgeschlossenes Denken veraltete Denkweisen und unterjochende Mechanismen aushebelt, ist nunmehr eine Serie geworden, die deutlich mehr Elemente jongliert. Das Frauenpower-Element ist definitiv weiterhin vorhanden, doch zugleich nimmt beispielsweise die Nebenfigur Theo (Lachlan Watson) zunehmend Raum ein, Sabrinas schüchtern und mit sich selbst im Unreinen eingeführter Mitschüler. Da Theo schon von Anfang an eines der Highlights der Serie ist, ist es willkommen, dass die Storylines um ihn an Gewicht zulegen – zumal sie das Thema Aufgeschlossenheit ergänzen, das in «Chilling Adventures of Sabrina» den thematischen roten Faden darstellt.

Auf der mythologischen Ebene mischt Staffel drei nun griechische Mythologie neu hinzu und macht aus der früheren Dauer-Angreiferin Sabrina, die veraltete Modelle hinterfragt hat, nun eine Figur, die ihre gewonnene Position quasi unentwegt verteidigen muss. Das erfolgt unter anderem durch einen Wettkampf darin, unheilige Reliquien schneller zu finden als der neu in die Serie eingeführte Höllenprinz Caliban. Außerdem sorgt ein schräger Jahrmarkt für Chaos in Greendale und Filmreferenzen von Der Zauberer von Oz bis Die Fliege mischen das Geschehen ebenso auf wie eine Vielzahl an Musikszenen, die vom Run-DMC-Hit "It's Tricky" bis zu "By the Sea" aus Sweeney Todd reichen.

Dieser Mischmasch rüttelt die Struktur von Mini-Storybögen in «Chilling Adventures of Sabrina» ebenso auf wie die Art und Weise, wie die einzelnen Episoden aufgebaut sind. Die Widersacher unserer Helden sind vielseitig gestaltet, die Effekte sind sehenswert und das Produktionsdesign ebenso morbide wie verspielt – mehr noch als in den ersten beiden Teilen. Doch anders als in den bisherigen Teilen werden die Haken schlagenden Plots nun fast durchweg überdehnt: Praktisch jede Folge zieht sich im Übergang von Akt zwei zu Akt drei, wenn die Figuren bei ihrer Problemenanalyse erst einmal auf der Stelle treten und ihre Lage zuweilen auch noch einmal verbalisieren (für den Fall, dass da wer parallel zum Netflixen noch sonstwo sonstwas gepostet hat und einen Recap der Episode braucht, die gerade läuft).

Das 50-Minuten-und-mehr-pro-Episode-Format tut «Chilling Adventures of Sabrina» schlichtweg nicht gut und die Serienmacher sollten sich die großen Laufzeit dafür aufheben, wenn sie Folgen anpacken, in denen die Serie insgesamt eine große Wende nimmt. Würde das «Chilling Adventures of Sabrina»-Team strenger nach Stellen suchen, an denen man kürzen muss, würden ihm auch so tumbe Dialogzeilen wie "Oh, das ist märchenhaft. Wie aus einer Geschichte!" (gesagt von der belesenen Figur Roz, während sie nach einer dornigen Blume greift). Die Schlagzahl solcher "Das haben die gerade nicht wirklich gesagt?!"-Situationen ist in Teil drei höher als zuvor – und das schadet immer wieder der mühevoll aufgebauten Grundstimmung des Formats. Und auch das nach all dem Aufbauen von Fallhöhe so läppische Finale von Teil drei hemmt den Gesamteindruck.

Doch mit launigen Performances des gesamten Casts, Kiernan Shipka, die immer müheloser von dramatisch zu albern zu schaurig schwankt, und einem zahlreiche Genreeinflüsse genüsslich vermischenden Gesamtkonzept ist Teil drei von «Chilling Adventures of Sabrina» trotzdem ein Netflix-Serienhighlight. Nun muss Teil vier nur das Finale dieses Parts aufregend weiterdenken …

«Chilling Adventures of Sabrina» ist auf Netflix abrufbar.
Meinungen / TV-Kritik / Serientäter
19.02.2020 · 18:24 Uhr
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