Children of Morta: Familienabenteuer als Rougelite-Action-RPG

Children of Morta dürfte auf den ersten Blick viele Erinnerungen wecken. Diablo in Pixeloptik, diverse Dungeoncrawler, Gauntlet. Und von allen Titeln findet ihr auch einige Spielelemente wieder. Vermischt wurde das ganze vom Studio Dead Mage mit einigen Rougelite-Elementen, die euch immer wieder die zufallsgenerierte Dungeons schicken. Aber halten Gameplay und Geschichte eure Motivation hoch oder werden die wiederkehrenden Spieldurchgänge mit der Zeit zu eintönig? Wir haben es für euch herausgefunden!

Irgendwas ist hier faul…

Familientraditionen sind ein gern genommenes Motiv, um eine Geschichte anzutreiben. Dementsprechend funktioniert auch der Aufbau in Children of Morta. Die Familie Bergson hütet nämlich eben jenen Berg Morta seit Generationen. Nun fragt ihr euch sicher, was da denn bitte schief gehen soll? Einen Berg hüten. Der wird ja wohl nicht weglaufen. Und das stimmt. Allerdings wird er von der sogenannten Fäulnis befallen. Ein übernatürliches, düsteres Phänomen, welches die Umwelt angreift und alle Lebewesen in Monster verwandelt. Familie Bergson darf sich nun also darum kümmern, das Problem irgendwie zu schaukeln.

Wie es sich für eine gute Familie gehört, arbeiten dabei auch alle zusammen. Die einzelnen Mitglieder sind geübt in unterschiedlichsten Waffen. Während der Vater mit Schwert und Schild die Probleme regelt, ist die Tochter des Hauses eine geschickte Bogenschützin. Im Haus selber können Vorbereitungen und Stärkungen vorgenommen werden, um an den bisher gemachten Erfahrungen zu wachsen und weitere Aufgaben besser angehen zu können. Nur gemeinsam können so die großen Monster des Berges wieder in ihre Schranken gewiesen werden.

Immer und immer wieder den Berg hinauf

Im Laufe des Spiels schaltet ihr immer mehr Bereiche des Berges frei. Betretet ihr diese Abschnitte, schmeißt euch das Spiel in zufällig generierte Höhlen, die vor Monstern und Fallen nur so wimmeln. Massenweise Gegner sorgen für hektische Auseinandersetzungen, die euch Gold und Erfahrungspunkte bringen. So steigt ihr immer wieder ein Level auf und könnt dadurch erhaltene Fähigkeitspunkte nutzen, um eure Charaktere zu verbessern. Ihr schaltet neue Fähigkeiten frei, die eure Spielweise vielfältiger gestalten und das Gold nutzt ihr in eurer Heimathütte, um weitere Aufrüstungen zu bezahlen. So kann das Oberhaupt der Familie später einen Hagel aus Schwertern beschwören oder seine Tochter einen Bombenpfeil von oben auf die Gegner feuern.

Problematisch ist hier leider, dass gerade der Beginn noch äußerst eintönig wirkt. Bis ihr vernünftige Fähigkeiten freigeschaltet habt, dauert es seine Zeit. Und bis dahin seid ihr dazu gezwungen, durch die träge Steuerung eurer Charaktere sehr defensiv zu spielen. Der übliche Ablauf sieht wie folgt aus: Ihr betretet einen Raum, die Gegner strömen auf euch zu. Die fast schon einzige Möglichkeit ist nun, sich zurückzuziehen, um die anrückenden Gegner nach und nach zu beseitigen. Das dauert unfassbar lange und ist alles andere als abwechslungsreich. Eine nützliche Ausweichrolle bringt euch gerade zu Beginn eher in Gefahr und bevor ihr Items oder Skills besitzt, die mehrere Gegner auf einmal sicher ausschalten, müssen erst einige Level gegrindet werden. Göttliche Reliquien, die euch starke Angriffe oder nützliche Buffs bieten, tauchen nämlich auch nur zufällig in den Dungeons auf.

Children of Morta als Familiendrama

Die große Stärke von Children of Morta liegt daher woanders. Nach dem Tutorial besteht nämlich sofort die Möglichkeit, alle Missionen zu zweit anzugehen. Sobald ihr eine weitere Person mit euch vor das Spiel setzt, geht die Eintönigkeit flöten. Natürlich ist es auch weiterhin knifflig und ihr müsst einige Male das Zeitliche segnen, bevor ihr genügend Erfahrungspunkte und Fertigkeiten gesammelt habt. Die Kämpfe laufen so allerdings deutlich schneller fernab vom Schema F. Mit jedem Ableben erhaltet ihr außerdem noch einige Situationen aus dem Familienalltag, welche die Geschichte vorantreiben und eure Charaktere formen. Die Bergsons wachsen euch so durchaus ans Herz. Wenn das Zusammenleben als Familie im Fokus steht, macht es natürlich auch Sinn, dass die Familie gemeinsam in die Dungeons ziehen sollte.

Die Präsentation tut da ihr übriges. Wundervolle Pixeloptik und ein atmosphärischer Soundtrack bieten viele Ansatzpunkte, sich mit der Geschichte verbunden zu fühlen. Jedes Familienmitglied inszeniert sich so mit eigenen Motiven und Zielen. Das Miteinander wirkt authentisch und interessant. So möchte man als spielende Person am Ball bleiben und der Geschichte folgen. Was hat es mit der Fäulnis auf sich? Welche Geheimnisse haben die einzelnen Höhlen zu bieten? Auch das hervorragende Gegnerdesign hält euch im Spiel. Langfristig funktioniert das allerdings nur mit einer zweiten Person am Gamepad.

Fazit

Children of Morta hat uns leider etwas ernüchtert zurückgelassen. Die ersten Trailer haben große Lust auf dieses Action-RPG gemacht. Es sah spannend und wunderschön zugleich aus. Doch gerade Rougelites und Rougelikes funktionieren vor allem durch die Spielmechaniken, um die ständigen Wiederholungen nicht eintönig werden zu lassen. Genau hier scheitert das Spiel vor allem am Anfang. Wenn ihr niemanden da habt, der oder die sich mit euch ins Abenteuer stürzt, ist der nämlich unheimlich zäh. Allein der erste Boss wirkt so schon völlig unbesiegbar. Zusammen mit dem immer gleichen Vorgehen gegen große Gegnermassen bemerkt ihr vor allem einen stark ansteigenden Frustfaktor. Da hilft leider auch die charmante Erzählung und Gestaltung eben dieser wenig. Wisst ihr aber jemanden, der ebenso wie ihr Dungeons von Monsterhorden leer räumen und dabei immer stärker werden will, stehen euch mit Children of Morta einige unterhaltsame Stunden bevor.

Gaming
[next-gamer.de] · 15.09.2019 · 13:00 Uhr
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