US-Präsidenten

Bush wird 80: Verhilft Trump ihm zu einem besseren Ruf?

05. Juli 2026, 04:21 Uhr · Quelle: dpa
Eröffnung des Obama Presidential Centers in Chicago
Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP Pool/AP/dpa
Die Zeit vor Trump - ehemalige US-Präsidenten (Archivbild).
George W. Bushs Wirken als US-Präsident polarisierte, vor allem wegen des Irak-Kriegs. Im Lichte der Präsidentschaft von Donald Trump könnte sich die Sicht auf ihn wandeln.

Washington (dpa) - Es ist der Sommer der 80-Jährigen in den USA. Donald Trump feierte bereits seinen runden Geburtstag mit Käfigkämpfen vor dem Weißen Haus. Zwei seiner Vorgänger im US-Präsidentenamt werden in Kürze auch dieses Alter erreichen: Bevor im August Bill Clinton 80 wird, feiert George W. Bush an diesem Montag.

Er regierte von 2001 bis 2009. Sein Wirken wurde über seine zwei Amtszeiten hinaus sehr kontrovers diskutiert. Aber fällt das Urteil über die Bush-Ära im Lichte des erratischen Regierungsstils von Trump heute anders aus?

Die «New York Times» schrieb vor zehn Jahren mal, es gebe den Grundsatz, dass Präsidenten beliebter werden, sobald sie Ex-Präsidenten sind - und schob nach: «Zugegebenermaßen konnte es für George W. Bush auch nur aufwärtsgehen.»

Vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit waren Bushs Zustimmungsraten im Keller. Die Finanzkrise 2008, die sich aus der Immobilienblase und unzureichender Regulierung der Finanzmärkte entwickelt hatte, hatte ihm stark zugesetzt. Vor allem seine Kriege machten Bush, der sich gerne als bodenständiger Texaner präsentierte, zur Zielscheibe scharfer Kritik.

Bush steht für den Irak-Krieg

Bush hatte sich dem globalen «Krieg gegen den Terror» verschrieben, als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001. Er prägte auch den Begriff der «Achse des Bösen»: Damit brandmarkte er den Iran, den Irak und Nordkorea, Terrornetzwerke zu unterstützen. Bush ließ auch das berüchtigte Gefängnis Guantánamo errichten. Die Rechtslage der Gefangenen, ihre Haftbedingungen, Berichte über Verhör- und Foltermethoden führten international zu einem Aufschrei.

Die Invasion im Irak ab März 2003 hatte die Bush-Regierung mit der angeblichen Existenz von Massenvernichtungswaffen in dem Land begründet - die aber nie gefunden wurden. Hinzu kamen Bilder, die um die Welt gingen: Häftlinge im irakischen Gefängnis Abu Ghoreib bei Bagdad, gefoltert durch US-Militär. In Afghanistan führte Bush bereits ab Oktober 2001 Krieg. Kritiker sprachen von einer fehlenden Ausstiegsstrategie, zudem habe Bush das Land nicht stabilisiert. Zudem wurde dem 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgeworfen, keine grundsätzliche Reue über den Irak-Krieg gezeigt zu haben.

Auch die Trump-Regierung kritisiert Bushs Vorgehen, obwohl sie selbst Ende Februar militärische Angriffe gegen den Iran anordnete. Trump ließ vor längerer Zeit auf dem Gelände des Weißen Hauses eine neue Präsidentengalerie mit Plaketten anbringen. Unter dem Konterfei von Bush heißt es, die Kriege gegen den Irak und Afghanistan «hätten nicht stattfinden dürfen».

Zuspruch für «Dubya» für sein Handeln nach 9/11

Doch es gibt auch die andere Seite der Bush-Ära, die als positiv wahrgenommen wird. Vielleicht war das einer seiner größten Momente: Bushs Präsenz nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. «Dubya» - sein Spitzname in Anlehnung an die Aussprache des W. in seinem Namen - stand mit einem Megafon auf den Trümmern der Zwillingstürme in New York und sprach Rettungskräften, die unermüdlich nach Überlebenden suchten, Mut zu. Sein Bestreben, die Nation wieder aufzubauen, brachte ihm über Parteigrenzen hinweg Respekt ein.

Für das Miller Center an der Uni von Virginia, das sich mit der Geschichte der amerikanischen Präsidenten beschäftigt, fasste der Wissenschaftler Gary L. Gregg II zusammen: Bushs Führung in der Krise – einschließlich seiner Entscheidung, noch in der Nacht der Anschläge ins Weiße Haus zurückzukehren, anstatt sich in einem sicheren Bunker an einem anderen Ort zu verschanzen – habe der amerikanischen Bevölkerung das Vertrauen gegeben, dass jemand die Kontrolle hatte. In der Folge sei er zwischenzeitlich der populärste US-Präsident in der Geschichte der Meinungsumfragen gewesen.

Republikaner Bush, einst Gouverneur von Texas, war mit 54 Jahren ins Weiße Haus eingezogen, nachdem er sich in einer Wahl samt chaotischer Nachzählungen gegen Al Gore durchgesetzt hatte. 2004 gewann er gegen John Kerry. Der Name Bush war den Amerikanern bereits bekannt: Bush Vater ist George H.W. Bush (1924 - 2018) - er war der 41. Präsident der Vereinigten Staaten.

Historiker: letzter Vertreter des klassischen republikanischen Establishments

Trumps Regierungsstil führt aus Sicht des Historikers Christof Mauch dazu, dass Bush in einem neuen Licht wahrgenommen wird. «Bush steht heute für den letzten Vertreter eines klassischen republikanischen Establishments, das ideologisch konservativ war, seine Konflikte aber - vor der populistischen Transformation - noch innerhalb der institutionellen Ordnung austrug.» Republikaner Trump dagegen stellt regelmäßig Richter, Medien und Institutionen infrage. Die Wahl seines Vorgängers Joe Biden zweifelt er an.Allerdings führe Trump nicht dazu, dass Bush mit Blick auf den Irak-Krieg «rehabilitiert» werde, heißt es von Mauch weiter.

Der Historiker hebt außerdem hervor, dass Bush ein Präsident einer politischen Epoche gewesen sei, in der politische Gegner als Gegner und nicht als «Feinde» des Systems galten. Trump habe diese Grenze verwischt und einen Prozess der demokratischen Erosion vorangetrieben.

Dass Bush, der Trump öffentlich nicht unterstützte, mit Demokraten anders umgeht, sieht man am Beispiel von Barack Obama, der auf ihn als Präsident folgte. Sie hätten erbitterte Gegner werden können. Doch mit den Obamas versteht sich Bush gut. Erst jüngst war er mit seiner Ehefrau und ehemaligen First Lady Laura bei der Eröffnung eines Zentrums in Chicago, das Obamas Wirken würdigt.

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05.07.2026 · 04:21 Uhr
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