Bundesverkehrsminister Schnieder fordert mehr Effizienz bei der Deutschen Bahn

Investitionen und betriebliche Effizienz
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sieht die Deutsche Bahn in der Verantwortung, ihre internen Abläufe zu optimieren, um die Zuverlässigkeit für die Fahrgäste zu erhöhen. "Es ist nicht nur eine Frage der Investitionen, ob wir die Pünktlichkeit steigern. Es gibt auch betriebliche Abläufe, die verbessert werden müssen," so der CDU-Politiker in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Ein Beispiel dafür ist die Notwendigkeit, den Personaleinsatz zu erhöhen, wenn Züge verspätet ins Depot kommen und die Zeit für die Reinigung begrenzt ist.
Der Bund plant, in den kommenden Jahren Milliarden in die Sanierung des maroden Schienennetzes zu investieren, finanziert durch ein schuldenfinanziertes Sondervermögen. "Wir haben unser Päckchen zu tragen und das gehen wir gemeinsam jetzt an," erklärte Schnieder. Die Deutsche Bahn müsse jedoch ebenfalls aktiv werden. Berichten zufolge fordert Bahnchefin Evelyn Palla bis 2030 zusätzlich rund 13 Milliarden Euro, um die angestrebten Pünktlichkeitsziele zu erreichen.
Umstrukturierung unter neuer Führung
Schnieder würdigte die Anstrengungen von Palla, die seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr den Konzern umstrukturiert hat. "Ich finde, sie macht das sehr erfolgreich und geht auch die richtigen Schritte in die richtige Richtung," so der Minister. Der Umbau soll der Bahn helfen, ihre organisatorischen Herausforderungen zu bewältigen und die Effizienz zu steigern, was für Investoren von Bedeutung ist, da eine wirtschaftlich gesunde Bahn langfristig auch wieder Dividenden ausschütten könnte.
Der Minister stellte jedoch klar, dass die Fahrgäste sich auf einen längeren Weg zu spürbaren Verbesserungen einstellen müssen. "Die großen Fortschritte, die erforderlich sind bei der Zuverlässigkeit und sprich bei der Pünktlichkeit, werden wir nach und nach erst erzielen," betonte Schnieder. Er bezeichnete die kommenden Jahre als ein "Modernisierungsjahrzehnt", in dem die notwendigen Veränderungen schrittweise umgesetzt werden.
Realistische Pünktlichkeitsziele
Im Hinblick auf die Pünktlichkeit hat Schnieder die Ziele für die Fernzüge der Bahn gesenkt. Bis Ende 2029 sollen mindestens 70 Prozent der ICE- und Intercity-Züge pünktlich ankommen, während im Juni nur 52,6 Prozent dies schafften. "Wir haben realistische Ziele gesetzt und reinen Wein eingeschenkt," erklärte der Minister und wies darauf hin, dass über Jahre hinweg zu wenig in die Schiene investiert wurde.
Ein zentrales Element der Strategie sind die Generalsanierungen, bei denen bis Mitte der 30er Jahre über 40 wichtige Strecken erneuert werden sollen. Jüngste Verzögerungen bei der Sanierung der Strecke Hamburg-Berlin und der Wiederinbetriebnahme der Strecke Nürnberg-Regensburg verdeutlichen jedoch die Herausforderungen, mit denen die Bahn konfrontiert ist. Palla hat angekündigt, die Abläufe bei diesen Projekten zu überprüfen.
Notwendigkeit von Neu- und Ausbau
Neben der Sanierung des bestehenden Netzes betonte Schnieder auch die Bedeutung des Neu- und Ausbaus neuer Strecken. "Wir halten es für wichtig, dass wir das Netz erweitern, dass wir Lücken schließen, dass wir Kapazitäten erweitern," sagte er und verwies auf den Haushaltsentwurf der Bundesregierung, der für 2027 mehr Mittel für diesen Bereich vorsieht. Der Bundestag wird im Herbst über den Etat abstimmen, was entscheidend für die zukünftigen Projekte der Bahn sein wird.
Ein umstrittenes Projekt ist die geplante Neubaustrecke Hamburg-Hannover, die von Anwohnern und Teilen der Politik abgelehnt wird. "Es ist vollkommen unstrittig, dass dort etwas passieren muss. Es ist aber strittig, wie das passieren kann," so Schnieder. Die Entscheidung über die Vorplanung und die bevorzugte Variante liegt nicht allein beim Verkehrsminister, sondern muss in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bundestag getroffen werden.

