Russischer Angriffskrieg

«Büchse der Pandora» geöffnet - Putin droht Kiew mit Schlag

22. August 2026, 22:34 Uhr · Quelle: dpa
Russlands Präsident Putin
Foto: Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin via AP/dpa
Kremlchef Wladimir Putin hat der Ukraine mit harten Antworten gedroht auf die jüngsten Drohnenangriffe auf russische Ziele.
Erstmals seit Beginn der massiven ukrainischen Drohnenangriffe in Russland äußert sich Kremlchef Putin in einem Interview des Moskauer Staatsfernsehens. Er kündigt eine scharfe Antwort Moskaus an.

Moskau (dpa) - Kremlchef Wladimir Putin hat nach den massiven ukrainischen Angriffen auf Ölraffinerien und Logistikzentren in Russland Kiew mit einer harten Antwort Moskaus gedroht. Die Ukraine habe mit den gegen Russlands Wirtschaft gerichteten Attacken die «Büchse der Pandora» geöffnet - also ein Quell des Unheils -, sagte Putin in seinem ersten Interview mit dem Moskauer Staatsfernsehen seit Beginn der Angriffe vor einigen Wochen. Kiew habe nun selbst den «Geist aus der Flasche» gelassen.

«Die Gegenmaßnahmen werden nicht lange auf sich warten lassen. Die bekommt ihr», sagt er an die Adresse Kiews. Ultranationalistische Kreise in Russland hatten Putin zuletzt aufgefordert, härter gegen die Ukraine vorzugehen. Nun sagte er: «Dabei werden die Handlungen der russischen Armee noch deutlich spürbarer und zerstörerischer ausfallen.» Die Ukraine habe diese Reaktion selbst provoziert, behauptete Putin, der selbst vor viereinhalb Jahren seinen Angriffskriegskrieg gegen das Nachbarland begonnen hatte.

Schon in den vergangenen Wochen hatte Russland immer häufiger ballistische Raketen gegen die Ukraine eingesetzt - in dem Wissen, dass das Land kaum noch Abfangraketen hat, um sich dagegen zu wehren. Diese Schläge, bei denen so viele Zivilisten getötet wurden wie seit langem nicht, bezeichnete Putin als passend und effektiv. Sie hätten den russischen Soldaten an der Front geholfen, ihre Aufgaben zu erfüllen, behauptete er.

Kremlchef räumt Schäden ein und will nun Kiews Wirtschaft treffen

Der russische Präsident meinte, dass die vom Westen unterstützte Ukraine mit ihrem 40-Tage-Plan für eine Vernichtung der russischen Wirtschaft gescheitert sei. Auch die Einheit der russischen Bevölkerung sei nicht zerstört worden. Zugleich räumte Putin erneut ein, dass es Schäden gebe. Für die Lage auf dem Schlachtfeld habe das Kiew allerdings gar nichts gebracht.

Russland werde nun selbst die empfindlichsten Bereiche der ukrainischen Wirtschaft ins Visier nehmen, die ohnehin bereits am Abgrund stünden, kündigte Putin an. So sei Kiew etwa vom Export seiner Agrarprodukte abhängig, die dem Haushalt wesentliche Einnahmen verschafften. Die Ukraine gehört zu den weltweit bedeutenden Getreideexporteuren. Putin erklärte, dass Russland nach guter Ernte ein großes Exportpotenzial habe und den Weltmarkt bedienen werde. 

Putin sagte in dem Interview mit Pawel Sarubin, der als sein Haus- und Hofreporter gilt, dass die Ukraine zuletzt «exotische Vorschläge» für eine Friedenslösung gemacht habe. Der Kremlchef wies diese durch Vermittler überbrachten Ideen zurück, ohne Details zu nennen. Nach Darstellung Putins wird so versucht, eine für die Ukraine «katastrophale Entwicklung» abzuwenden. Ein Dialog über eine Friedenslösung sei nur auf Grundlage der Situation an der Front auf dem Boden möglich, sagte er.

Konflikte / Krieg / Russland / Ukraine / Ölraffinerien / Wirtschaftssanktionen / Getreideexport
22.08.2026 · 22:34 Uhr
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