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Brenntag profitiert vom Iran-Krieg und hebt die Prognose schon zum zweiten Mal an

14. August 2026, 18:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Brenntag profitiert vom Iran-Krieg und hebt die Prognose schon zum zweiten Mal an
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Brenntag hebt die Ebitda-Prognose innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal an, der Gewinn vervierfacht sich im zweiten Quartal.
Kostensenkungen und Marktverwerfungen im Nahen Osten lassen den Gewinn des Chemikalienhändlers explodieren. Analysten bleiben trotz starker Zahlen vorsichtig.

Brenntag hebt die Prognose bereits zum zweiten Mal binnen weniger Wochen an

Der Chemikalienhändler Brenntag bleibt trotz des Kriegs im Iran und der daraus resultierenden Lieferengpässe für die Branche zuversichtlich, tatsächlich profitiert der Konzern sogar spürbar von der angespannten Lage. Preisdisziplin, Kostensenkungen und Verbesserungen im Vertrieb hätten sich mehr als ausgezahlt, erklärte Konzernchef Jens Birgersson am Mittwoch zur Vorlage der Halbjahreszahlen. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal bereinigt um 11,1 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro, das operative Ergebnis Ebitda kletterte sogar um 41 Prozent auf 463 Millionen Euro.

Bereits in der vergangenen Woche, am 7. August, hatte der Vorstand seine Ergebnisprognose zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen angehoben. Da das dritte Quartal anhaltend positiv verlaufe, werde das Ebitda für das Gesamtjahr 2026 nun zwischen 1,35 und 1,45 Milliarden Euro erwartet, deutlich mehr als die ursprüngliche Spanne von 1,15 bis 1,35 Milliarden Euro, die bereits im Juni auf 1,25 bis 1,40 Milliarden Euro angehoben worden war.

Der Iran-Krieg wird für den Chemiehändler zum unerwarteten Geschäftstreiber

Ausgangspunkt dieser ungewöhnlich schnellen Aufwärtsrevisionen war eine überraschende vorläufige Meldung bereits am 22. Juni. Damals bezifferte Brenntag sein operatives Ebitda für das zweite Quartal auf rund 450 Millionen Euro, deutlich über dem von Analysten im Schnitt erwarteten Konsens von 367 Millionen Euro. Als Begründung nannte das Unternehmen eine robuste Nachfrage sowie verbesserte Margen im Zusammenhang mit den Marktverwerfungen im Mittleren Osten.

Für einen Chemikaliendistributor bedeutet eine solche Krise paradoxerweise nicht nur Belastung, sondern auch Chance. Durch die Blockade der Straße von Hormus und die daraus resultierenden Lieferengpässe für die gesamte Branche kann Brenntag als etablierter Zwischenhändler seine Preissetzungsmacht besser ausspielen, ein Umstand, der die Margen im Kerngeschäft spürbar verbessert hat.

Kostendisziplin und ein eigenes Sparprogramm verstärken den Effekt zusätzlich

Neben dem günstigen Marktumfeld trägt auch ein hausgemachter Faktor entscheidend zum starken Ergebnis bei. Finanzvorstand Thomas Reisten erklärte, das Kostensenkungsprogramm habe im zweiten Quartal Einsparungen in Höhe von 41 Millionen Euro beigetragen und liege damit im Plan für das Gesamtjahr. Brenntag sei weiterhin auf Kurs, bis 2027 Einsparungen von 200 bis 250 Millionen Euro zu erzielen, so Reisten.

Diese Kombination aus einem strukturellen Sparprogramm und einem zusätzlichen konjunkturellen Rückenwind aus dem Nahost-Konflikt erklärt, warum Brenntag seine Prognose innerhalb weniger Wochen gleich zweimal anheben konnte, ein für einen DAX-Konzern ungewöhnliches Tempo bei der Kommunikation von Erwartungsanpassungen.

Der Gewinn vervierfacht sich während das erste Quartal noch schwach ausfiel

Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Fortschritt beim Blick auf den Nachsteuergewinn, der sich im zweiten Quartal auf 182 Millionen Euro vervierfachte. Der Kontrast zum ersten Quartal könnte dabei kaum größer sein, damals hatte das operative Ebitda mit 306 Millionen Euro noch 8 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen, ein schwacher Auftakt ins Jahr, der die nun umso deutlichere Wende im zweiten Quartal zusätzlich unterstreicht.

Analysten bleiben trotz der starken Zahlen vorsichtig

Nicht alle Marktbeobachter lassen sich von der Dynamik der vergangenen Wochen restlos überzeugen. Mehrere Analystenhäuser stufen die Aktie trotz der wiederholten Prognoseanhebungen weiterhin zurückhaltend ein, Warburg Research etwa beließ die Einstufung bei Hold mit einem Kursziel von 56 Euro, ein anderes Haus bestätigte ebenfalls Hold bei einem Kursziel von 57 Euro. Die DZ Bank ging sogar noch weiter und hielt an ihrer Verkaufen-Einstufung fest.

Das Analysehaus mwb zeigte sich dagegen deutlich optimistischer und hob seine Schätzungen für 2026 auf ein Ebitda von 1,426 Milliarden Euro bei 15,445 Milliarden Euro Umsatz an, für 2027 rechnen die Analysten mit einer schrittweisen Belebung der Chemienachfrage sowie einem weiteren Anstieg auf 1,551 Milliarden Euro Ebitda. Bemerkenswert ist zudem, wie der Markt selbst auf die erste Prognoseanhebung im Juni reagierte, die Aktie fiel trotz der positiven Überraschung zunächst um 3,63 Prozent, ein deutliches Signal, dass ein Teil der Investoren den aktuellen Rückenwind eher als vorübergehend einstuft.

Die entscheidende Frage bleibt wie nachhaltig der Rückenwind tatsächlich ist

Genau diese Skepsis bringt den Kern der aktuellen Debatte um Brenntag auf den Punkt. Analysten rechnen damit, dass die positiven Sondereffekte aus den Marktverwerfungen im Nahen Osten im weiteren Jahresverlauf nachlassen könnten, sobald sich die Lage rund um die Straße von Hormus normalisiert oder zumindest stabilisiert. Auch das Unternehmen selbst hatte bei der ersten Prognoseanhebung im Juni ausdrücklich auf anhaltende Unsicherheiten und das Risiko einer schwächeren Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte verwiesen, eine Vorsicht, die durch die jüngste zweite Anhebung nun zumindest teilweise widerlegt wurde.

Für Anleger bleibt am Ende die entscheidende Frage, wie viel des aktuellen Gewinnsprungs tatsächlich dem eigenen Kostensenkungsprogramm zu verdanken ist, das strukturell und dauerhaft wirkt, und wie viel lediglich einem geopolitisch bedingten Sondereffekt geschuldet ist, der ebenso schnell wieder verschwinden könnte, wie er gekommen ist.

Finanzen / Quartalszahlen / Brenntag / Chemiedistribution / Iran-Krieg / Straße von Hormus / Kostensenkungsprogramm
[InvestmentWeek] · 14.08.2026 · 18:00 Uhr
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