Boeing hat Milliarden an Börsenwert verloren - so beurteilen Experten die Aktie jetzt

Nachdem eine Maschine des Typs 737 Max 8 in Äthiopien abgestürzt ist, hatten Luftfahrtbehörden in Asien, Europa und Australien ein Flugverbot für baugleiche Maschinen verhängt. Auch der US-Konzern selbst hat der US-Luftfahrtbehörde FAA "als Vorsichtsmaßnahme" ein vorübergehendes Startverbot für alle Flugzeuge der 737-Max-Reihe weltweit empfohlen. Zu groß sind offenbar die Zweifel an der Sicherheit des Flugzeugtyps, nachdem bereits der zweite Absturz innerhalb weniger Monate mit dem Boeing-Modell erfolgt ist.

Milliarden an Börsenwert futsch

Das Deaster hat nicht nur Boeings Reputation als Flugzeugbauer empfindlich geschadet, es traf das Unternehmen auch aus finanzieller Sicht hart: Rund 30 Milliarden Dollar an Börsenwert haben die jüngsten Ereignisse das Unternehmen zwischenzeitlich gekostet. Anleger sorgen sich um die Geschäfte des Unternehmens, schließlich hat Boeing für die Unfallmaschine mehr als 5.000 Bestellungen weltweit vorliegen - damit war der Hoffnungsträger das am besten nachgefragte Flugzeug in Boeings Bestellpalette. Die Orders liegen nun vorerst auf Eis, die Auslieferungen wurden gestoppt. Ein Teil davon wurde aufgrund der jüngsten Ereignisse bereits gecancelt, was empfindlich auf Boeings Geschäftsausblick durchschlagen dürfte.

Hinzu kommt: Fluggesellschaften erwägen sogar einen Wechsel zu Boeings größtem Konkurrenten Airbus und dessen A430neo. Ein schwieriges Unterfangen, betont Robert Stallard, Analyst bei Vertical Research Partners - schließlich sei die Airbus-Produktion über die nächsten Jahre vollständig ausgelastet.

Kann sich die Aktie von dem Schock erholen?

Noch sind die genauen finanziellen Folgen für Boeing unklar. Bereits jetzt steht jedoch fest, dass auf den Flugzeugbauer möglicherweise nicht nur Schadensersatzklagen von diversen Airlines zukommen könnten, auch das operative Geschäft wird einen empfindlichen Rückschlag erleiden.

Für Anleger bleibt die Lage bislang noch undurchsichtig, die Aufarbeitung des Flugzeugabsturzes könne noch Monate dauern, erklärte FAA-Chef Dan Elwell am Donnerstag. Monate, in denen ebenfalls unklar sein dürfte, ob tatsächlich eine fehlerhafte Kontrollsoftware von Boeing Schuld am Absturz der Maschine war - und ob es Ähnlichkeiten zum Absturz eines Flugzeugs gleichen Typs vor 9 Monaten in Indonesien gibt.

Analysten haben ihre Kursziele für Boeing angesichts der unsicheren Lage teilweise gesenkt. James Hughes vom Broker AxiTrader rechnet mit einem weiteren Sinkflug der Boeing-Aktie und - aufgrund der hohen Gewichtung der Titel im US-Leitindex - auch mit negativen Folgen für den Dow Jones. Die Analysten der NordLB haben ihr Kursziel von 440 auf 300 US-Dollar reduziert und die Aktie zum Verkauf empfohlen.

Negativ bewertet zwischenzeitlich auch die DZ Bank die Aussichten für den Flugzeugbauer. Die Aktie wurde von "Halten" auf "Verkaufen" abgestuft und der faire Wert von 370 auf 333 US-Dollar gesenkt. Robert Czerwensky erklärte in einer Studie, die Aktie sei in den letzten Monaten stark gestiegen und sei gegenüber der Branche ambitioniert bewertet. Die jüngsten negativen Nachrichten rechtfertigten einen zehnprozentigen Risikoabschlag, woraus sich der geringere faire Wert und das neue Anlagevotum ergäben.

Die Schweizer Großbank UBS hat Boeing trotz des zweiten Absturzes einer Boeing 737 MAX 8 binnen Monaten auf "Buy" mit einem Kursziel von 525 US-Dollar belassen. Die Ähnlichkeiten zwischen beiden Flugzeugabstürzen seien kaum zu ignorieren, schrieb Analyst Myles Walton in einer am Montag vorliegenden Studie.

Auch positive Analystenstimmen zu hören

Deutlich optimistischer zeigen sich unterdessen Experten der Investmentbank Morgan Stanley. Analyst Rajeev Lalwani rät zu einer Übergewichtung der Boeing-Aktie, mögliche Disruptionen in den kommenden Monaten seien eine mögliche Einstiegschance, so der Experte. Lalwani sieht keine Beeinträchtigung der Fundamentaldaten von Boeing auf lange Sicht. Das Kursziel liege weiterhin bei 500 US-Dollar.

Und auch der ehemalige Hedgefonds-Manager und jetzige CNBC-Größe Jim Cramer glaubt daran, dass sich die Boeing-Aktie wieder erholen kann. Er zeigte sich gegenüber seinem Haussender überzeugt, dass Boeing das Vertrauen wieder aufbauen kann. "Das sollte reichen, um die Aktie zu kaufen", so der Marktexperte.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 15.03.2019 · 19:20 Uhr
[0 Kommentare]
 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News