Blue Reflection Quartet im Test: Vier Magical-Girl-Abenteuer in einer Sammlung
Blue Reflection Quartet ist eine Sammlung von insgesamt vier Titeln aus dem Blue-Reflection-Franchise von Gust. Das sind die Entwickler, die auch für das erfolgreiche Atelier-Franchise verantwortlich sind. Publisher ist wie gewohnt Koei Tecmo.
Blue Reflection verbindet Magical Girls mit Videospielen, eine Kombi, die sehr gut funktioniert und viel zu wenig genutzt wird. Leider ging das Franchise etwas unter dem Erfolg der Atelier-Games unter und erhielt nicht ganz so viel Aufmerksamkeit, obwohl wir hier, zumindest im Westen, mit Blue Reflection und Blue Reflection: Second Light zwei solide JRPGs erhalten haben.
Beide Titel sind natürlich auch in Blue Reflection Quartet enthalten, zusätzlich dazu sind jetzt auch Blue Reflection Ray und Blue Reflection Sun mit dabei. Ich werde jetzt einmal auf alle vier Titel näher eingehen.
Blue Reflection: Der Anfang des Franchises
Wir verfolgen Hinako als Protagonistin. Sie war ein vielversprechendes Balletttalent, bis sie sich am Knie verletzte. Diese Verletzung verheilte nie richtig, weswegen sie das Ballett aufgeben musste. Hinako wechselt an eine neue Schule, wo sie neuen Gesichtern als auch Bekannten von früheren Schulen begegnet.
Allerdings wird sie schnell in eine andere Welt gezogen, die sich „Common“ nennt. Dort verwandelt sie sich in ein Magical Girl, welche als „Reflector“ bezeichnet werden. Dazu stoßen Suzu und Lime, ebenfalls zwei Reflector, die das Basis-Team bilden. Dazu stoßen nach und nach Support-Charaktere, die spezielle Fähigkeiten mit sich bringen.
Die Common-Welt ist gefüllt mit Monstern und Fragmenten. Aufgabe der Reflector ist es, die Monster zu bekämpfen und die Fragmente einzusammeln, die an die Emotionen einer bestimmten Person verknüpft sind, die kurz davor ist, Berserk zu gehen. Durch Hinakos Kraft, diese in sich aufzunehmen, kann der Prozess verhindert werden.
Die Common-Welt ist also sozusagen der Dungeon des Spiels, die relativ … leer sind. Mit Quartet erhielt die Grafik natürlich ein deutliches Upgrade, aber die Dungeons sind sehr überschaubar und flach gestaltet.
Das Kampfsystem ist ebenfalls sehr simpel. Wir kämpfen rundenbasiert mit einem typischen Zeitstrahl, der festlegt, wer als Nächstes an der Reihe ist. Die Reflector haben jeweils eigene Attacken, die mit Upgrades verstärkt werden können. Durch das Aufleveln erhalten wir auch Punkte, mit denen man die Grundwerte wie Attacke, Abwehr, Geschwindigkeit und Technik upgraden kann.
Außerhalb der Common-Welt erleben wir mit Hinako den ganz normalen Schulalltag. Wir können in ihrer freien Zeit kleine Sidequests erledigen und Beziehungen zu anderen Schülerinnen aufbauen. Ein wenig, wie man es auch aus dem Persona-Franchise kennt. Allerdings ist die Kamera in der Schule statisch und nur in den Dungeons dynamisch.
Blue Reflection verbindet also typische Slice-of-Life-Elemente mit einem Magical-Girl-Setting.
Blue Reflection Ray: Anime und spielbare Visual Novel
2021 erschien der Anime Blue Reflection Ray, den ihr auch auf Crunchyroll schauen könnt, welcher nach den Ereignissen von Blue Reflection ansetzt.
Doch anstatt dass man hier einfach alle Anime-Episoden reinpackt, hat sich Gust dazu entschieden, eine interaktive Visual Novel daraus zu machen, die die Story des Animes erzählt.
Ruka und Hiori sind hier die neuen Protagonisten, die in der Common-Welt nach ihren Erinnerungen suchen. Das Game, wenn man es so bezeichnen kann, verzichtet hier komplett auf Kämpfe. Wir steuern das Duo zwar durch die Common-Welt, allerdings zielt das Sammeln der Erinnerungen darauf ab, auf diese Weise die Story des Animes zu erzählen, aus welchem dann allerdings nur Screenshots verwendet werden.
Es wurden für Quartet natürlich auch alternative Einblicke und einige neue Storyelemente hinzugefügt, die es so nicht gab. Wer den Anime nicht kennt, bekommt also hier in knapp vier Stunden gebündelt die Story des Animes nähergebracht und jene, die den Anime kennen, erhalten einen Refresher mit einigen neuen Informationen.
Blue Reflection Sun: Das Free-to-Play Game nun auch bei uns
In Japan erschien zum Franchise ein Free-to-Play Game für Mobile und PC, das allerdings nur rund ein Jahr auf dem Markt war. Es setzt nach Blue Reflection Ray an und ist durch Quartet nun erstmals also auch im Westen für uns verfügbar und wurde so aufbereitet, dass wir es auf PC und Konsole genießen können.
Anders als in allen anderen drei Teilen haben wir hier einen männlichen Protagonisten. Und das System ist ganz anders als in den anderen Spielen, was wohl auch sein größter Kritikpunkt ist. Denn Aufgabe in Sun war es, dass der männliche Protagonist die Reflector sammelt und dann in Teams in den Kampf gegen die neuen Bedrohungen schickt. Für Quartet wurden auch neue Storyelemente hinzugefügt, aber es bringt nicht die gleiche Tiefe mit, wie es bei den restlichen Titeln der Fall ist.
Wir ziehen die Reflector über das bekannte Gacha-System, wie man es eben aus dem Free-to-Play-Bereich zur Genüge kennt. Den Titel zu spielen, fand ich einfach irgendwie weird. Natürlich gehört die Story ins Universum rein, aber bei dem Game setzte Gust damals definitiv vor allem auf eins – Fanservice.
Das Kampfsystem bedient sich auch wieder eines Zeitstrahls, ist aber wesentlich ausgefeilter, als es noch im ersten Teil war. Wir haben mehr Fähigkeiten, müssen wesentlich taktischer arbeiten und da wir überwiegend starke Bosse bekommen anstatt kleinerer mit kurzen Kämpfen, wird das alles auch viel besser ausgereizt.
Blue Reflection: Second Light ist auch wieder am Start
Blue Reflection Tie, hier bekannt als Blue Reflection: Second Light, ist natürlich auch mit am Start und schließt aktuell das Franchise ab.
Protagonistin ist Ao, die auf dem Weg zur Nachhilfe in die Welt „Far Away“ gezogen wird. Dort trifft sie auf andere Mädchen, die allerdings ihre Erinnerungen verloren haben. Sie treffen sich in einer Schule, die von Wasser umgeben ist und welche die Mädchen als Basis nutzen.
Die Schule verbindet sich mit verschiedenen Inseln, auf denen Ao und die Mädchen nach Erinnerungsfragmenten suchen müssen, um die Erinnerungen von ihnen wiederherzustellen. Nach und nach stoßen weitere dazu und erweitern damit die Welt.
Second Light baut auf dem ersten Teil auf, erweitert es aber natürlich um einiges und man merkt hier auch, dass Gust ihre Erfahrungen aus dem Atelier-Franchise hat mit einfließen lassen. Wir haben erneut Free-Time, mit der wir unsere Bindungen zu den Mädchen stärken können. Zudem können wir die Basis weiter ausbauen, kochen und auch craften. Die Entwickler richteten ihren Fokus wieder mehr auf die Story und das Miteinander der Mädchen, als es in Sun der Fall war.
Auch ist die Welt wesentlich detailreicher gestaltet, die Kamera ist sowohl in den Dungeons als auch in der Schule dynamisch.
Durch die verschiedenen Charaktere können wir unsere Teams individueller zusammenstellen und auch das Kampfsystem ist nicht mehr so simpel wie in Blue Reflection, aber auch nicht ganz so wie in Sun. Es ist wieder rundenbasiert, aber immer noch mit einem Zeitstrahl verknüpft.
Auch verwandeln sich die Mädchen nicht direkt zum Kampfbeginn. Durch Angriffe und Skills sammeln wir Etherpunkte. Erreicht ein Mädchen 3.000 Punkte, dann verwandelt es sich in seine Magical-Girl-Gestalt. Das Spannende ist, legt man den ersten Teil und Second Light nebeneinander, erkennt man sofort, dass sich der Vibe der Outfits drastisch geändert hat. Das Outfit von Hinako, Yuzu und Lime war sehr pastellig, die neuen Outfits sind deutlich düsterer mit viel Schwarz, was sich auch in den Waffen zeigt. Hinako hatte ein blaues, kristallartiges Schwert, Ao hingegen schwingt eine schwarze Sense.
Blue Reflection Quartet macht vieles richtig
Mit Quartet hat Gust den Spielen teilweise ein ordentliches Upgrade gegeben. Das nicht nur bei der Grafik, sondern auch bei der Steuerung. Wir können die Laufgeschwindigkeit erhöhen als auch den Kampf beschleunigen. Wer also schneller durch die Kämpfe möchte, stellt die Geschwindigkeit auf x1,5 oder x2.
Des Weiteren hat man sich dazu entschieden, den Fanservice etwas herunterzuschrauben. Wer das originale Blue Reflection gespielt hat, dürfte schnell erkennen, dass wir keine Unterwäsche-Blitzer durch feuchte Oberteile mehr haben. Was in der Fangemeinde für gemischte Gefühle sorgen dürfte.
Fazit zu Blue Reflection Quartet
Blue Reflection Quartet ist vor allem für Fans des Franchises eine interessante Sammlung, da hier erstmals alle vier Titel in einem Paket zusammenkommen. Besonders Blue Reflection und Blue Reflection: Second Light zeigen, wie gut das Magical-Girl-Konzept mit klassischen JRPG- und Slice-of-Life-Elementen funktioniert. Blue Reflection Ray bietet darüber hinaus einen interessanten Einstieg in die Anime-Story, während Blue Reflection Sun durch sein ursprüngliches Free-to-Play-Konzept etwas aus der Reihe tanzt.
Gust hat die Spiele für Quartet technisch sinnvoll angepasst und einige Komfortfunktionen ergänzt, wodurch sich die älteren Titel angenehmer spielen lassen. Wer das Franchise bisher noch nicht kennt, bekommt damit außerdem eine gute Möglichkeit, einen umfassenden Blick auf das Blue-Reflection-Universum zu werfen. Gerade die Mischung aus Magical Girls, JRPG, Schulalltag und zwischenmenschlichen Beziehungen macht die Reihe weiterhin zu etwas Besonderem.









