Bitcoin: Klimakosten der Kryptowährung übersteigen teilweise sogar ihren Marktwert

Bitcoin ist nach wie vor eine der wichtigsten Kryptowährungen und wird auch als „digitales Gold“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um die Kryptowährung, die wohl die meisten „Krypto-Millionäre“ hervorgebracht hat. Eine neue Studie hat nun die Klimaschäden untersucht, die durch Bitcoin verursacht werden. Das Ergebnis: Gemessen an den verursachten Klimaschäden im Verhältnis zum Marktwert wäre es zutreffender, Bitcoin mit Rohöl zu vergleichen. Das Schürfen der Tokens verbraucht viel Strom. Dieser stammt bisher größtenteils aus fossilen Quellen. Teilweise verursacht Bitcoin so mehr Klimakosten als die Währung am Markt wert ist.

Bitcoin: Viele rechnen, einer wird belohnt

Bitcoin-Münzen werden durch komplizierte Rechenoperationen erschaffen, an denen zahlreiche Computer beteiligt wird. Das sogenannte Mining läuft über Rechenkapazität, die von „Minern“ zur Verfügung gestellt wird. Mit Hilfe dieser Rechenkapazität werden dann Datenblöcke für die Blockchain erstellt. Derjenige Miner, dessen Hardware als erstes die Verschlüsselung für den nächsten Block knackt, wird mit Bitcoins belohnt und darf den neu entstandenen Block an die Blockchain anhängen. Das Problem dabei: Das sogenannte „Proof-of-Work“-Verfahren ist kompetitiv, was bedeutet, dass viele Miner gleichzeitig daran arbeiten, die nächste Rechenoperation zu lösen und letztlich nur einer dafür belohnt wird. Die restlichen haben also quasi umsonst an der Lösung gearbeitet.

Dieser Prozess fordert nicht nur große Rechenkapazitäten, sondern ist auch dementsprechend stromhungrig. Forscher:innen rund um Benjamin Jones von der University of New Mexico haben nun die Klimaschäden durch das Bitcoin-Mining berechnet. „Weltweit werden für das Mining beziehungsweise die Produktion von Bitcoins enorme Mengen an Strom verbraucht, der meist aus fossilen Brennstoffen wie Kohle und Erdgas stammt. Dies verursacht enorme Mengen an Luftverschmutzung und Kohlenstoffemissionen, was sich negativ auf unser globales Klima und unsere Gesundheit auswirkt, so Jones.

Die Forscher:innen haben den Stromverbrauch des Minings zwischen Januar 2016 und Dezember 2021 berechnet und außerdem kalkuliert, wie vielen CO2-Äquivalenten dies entspricht und wie hoch die entstehenden Klimakosten im Vergleich zum Wert eines Bitcoins sind. „Wir haben mehrere Fälle zwischen 2016 und 2021 gefunden, in denen Bitcoin dem Klima mehr schadet, als ein einzelner Bitcoin tatsächlich wert ist. Anders ausgedrückt: Bitcoin-Mining verursacht in einigen Fällen Klimaschäden, die den Wert einer Münze übersteigen. Dies ist aus Sicht der Nachhaltigkeit äußerst beunruhigend“, erklärt Jones weiter.

Hoher Stromverbrauch durch Mining

2020 verbrauchte das Bitcoin-Mining stolze 75,4 Terawattstunden Strom. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum verbrauchte das komplette Land Österreich lediglich 70 Terawattstunden. Die Bitcoin-Klimaschäden wurden von den Forscher:innen anhand dreier Kriterien beurteilt. Die Forscher bewerteten, wie sich die geschätzten Klimaschäden im Laufe der Zeit entwickelten, in welchem Verhältnis sie zum Bitcoin-Marktpreis stehen und wie dieses Verhältnis im Vergleich zu anderen Sektoren und Rohstoffen abschneidet.

Wir haben keine Hinweise darauf gefunden, dass das Bitcoin-Mining im Laufe der Zeit nachhaltiger wird. Unsere Ergebnisse legen eher das Gegenteil nahe: Das Bitcoin-Mining wird mit der Zeit immer schmutziger und klimaschädlicher. Kurz gesagt, der ökologische Fußabdruck von Bitcoin bewegt sich in die falsche Richtung“, so Jones weiter. Die nötigen Rechenoperationen für das Schürfen von Bitcoins werden mit der Zeit immer komplexer. Außerdem gibt es immer mehr Miner, was die Stromkosten weiter in die Höhe treibt. 2016 erzeugte das Mining eines Bitcoins 0,9 Tonnen CO2-Emissionen, 2021 waren es 113 Tonnen. Während die Klimakosten eines Bitcoins teilweise seinen Marktwert überschritten, liegt der Schnitt dieser Kosten von 2016 bis 2021 bei 0,35 Dollar Klimakosten pro Dollar Marktwert.

Proof-of-Stake statt Proof-of-Work

Bitcoin ist damit was das Verhältnis zwischen Klimakosten und Marktwert angeht etwa im Bereich von aus Rohöl hergestelltem Benzin anzusiedeln. Bei Gold liegt der Wert etwa bei 0,04 Dollar pro Dollar Marktwert. „Zusammengenommen stellen diese Ergebnisse eine Reihe von Warnsignalen für die Nachhaltigkeit dar. Während BTC von Befürwortern als ‚digitales Gold‘ angepriesen wird, wirkt es aus Sicht der Klimaschäden eher wie ‚digitales Rohöl“, so die Autoren. Es sei daher wichtig, die Klimaschäden zu reduzieren, die durch Kryptowährungen verursacht werden – etwa durch den Einsatz von Energie aus erneuerbaren Quellen für das Mining.

Noch wirksamer wäre es allerdings, vom energiehungrigen „Proof-of-Work“-Verfahren auf das sogenannte „Proof-of-Stake“-Verfahren umzusteigen. Dabei wird der Blockschreiber auf der Blockchain nach einem Zufallsprinzip ausgelost, das auf eine spezifische Gewichtung beruht. „Da POS auf dem Zufallsprinzip und der gemeinsamen Nutzung von Validierungsdaten beruht, benötigt es keine große Rechenleistung und verbraucht daher nur einen Bruchteil des Stroms im Vergleich zum POW-Mining“, erklären die Forscher:innen. Die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum hat dieses Jahr bereits damit begonnen, auf das PoS-Verfahren umzustellen, was den Energieverbrauch um 99 Prozent senken soll. Allerdings scheint es unwahrscheinlich, dass Bitcoin in mittelbarer Zukunft von PoW auf PoS umschwenkt.

Via University of New Mexico

Crypto Trends & News - Blockchain- & Tanglecoins / Bitcoin / Co2 / Klimawandel
06.10.2022 · 17:44 Uhr
[1 Kommentar]
 
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