Bitcoin 2017 und heute. Was sind die größten Unterschiede?

Ein Zuwachs an Netzwerkteilnehmern mit deutlich höherer Kostenbasis

Der renommierte US-amerikanische Bitcoin-Analyst Nic Carter veröffentlichte diese Woche unter dem Titel "Nine Bitcoin Charts Already at All-Time Highs" eine Studie von verschiedenen Kennzahlen, denen zufolge der Bitcoin Markt im Jahr 2020 die letzte große Rallye bereits überflügelt hat - auch wenn das im Hinblick auf den Preis noch nicht der Fall ist. Der Autor des vielzitierten Bitcoin Essays "A Most Peaceful Revolution" beginnt seine Ausführungen mit einem Chart der Adressen auf dem Bitcoin Netzwerk, die zehn US-Dollar oder mehr der Kryptowährung halten und weist darauf hin, dass der Höchststand von 2017 bereits überschritten wurde.


Anzahl der Adressen auf dem Bitcoin Netzwerk, die mehr als $10 der Kryptowährung halten (Quelle: coinmetrics.io)

Dies, so Carter, sei ein Beleg dafür, dass der Bestand an Bitcoin, die sich im Umlauf befinden, mehr und mehr verteilt wird. Obwohl eine individuelle Adresse nicht mit einem Nutzer gleichgesetzt werden könne, steige die größe der Nutzerbasis. Aufgrund der transparenten Natur der Blockchain, auf der alle Bitcointransaktionen aufgezeichnet werden, lässt sich zudem darstellen wie sich die Kostenbasis der im Umlauf befindlichen Bitcoin entwickelt. Auch in dieser Hinsicht haben sich die Bedingungen seit 2017 stark gewandelt:


Die Realisierte Marktkapitalisierung beruht auf dem Preis zu dem die jeweiligen Bitcoin zuletzt von einer Adresse zur anderen bewegt wurden. (Quelle: coinmetrics.io)


Die Kostenbasis der sich im Umlauf befindenden Bitcoin hat sich im Vergleich zum Jahr 2017 drastisch erhöht. Dies habe laut Carter Auswirkungen auf die zu erwartende Preisstabilität in den luftigen Höhen, in denen Bitcoin im Moment wieder gehandelt wird. Die Anzahl der Käufer, deren Kostenbasis viele Tausend Dollar unter dem Allzeithoch liegt, ist im Jahr 2020 deutlich geringer. Damit verbinden sich auch andere Erwartungen in Bezug auf erhoffte Preisniveaus zur Realisierung des Profits. "Diese Investoren, die ihre Coins im Verlauf der letzten drei Jahre gekauft haben", führt Carter aus, "brennen wahrscheinlich weniger darauf, bei $20.000 Profit zu nehmen, als diejenigen, die Bitcoin gehalten hatten seitdem es $1 wert war."

Grundlegende Verbesserungen der Infrastruktur

Gleichzeitig hat die über Jahre führende offshore Futures Börse Bitmex seit einer Flut von Liquidationen während des Crashes im März an Bedeutung verloren. Die Einführung von "know-your-customer"-Anforderungen und laufende Untersuchungen von US-Behörden haben dazu beigetragen, dass das sogenannte "Open Interest" (die Gesamtmenge offener Futures Positionen) auf der Börse rapide gesunken ist. Dafür ist das Open Interest für das Bitcoin Futures Produkt der Chicago Mercantile Exchange (CME) allerdings auf einem Allzeithoch angelangt. Dieser hochgradig regulierte Markt wurde im Verlauf des Jahres zum Anlaufpunkt großer institutioneller Investoren wie Renaissance Technologies. Der weltweit profitabelste Hedge Fund wählte den Weg über die CME Bitcoin Futures, um sich im Markt zu positionieren. Nic Carter verweist in diesem Zuge auf die bisher stets fehlgeschlagenen Versuche, von der amerikanischen Securities and Exchange Commission (SEC) Erlaubnis für einen Bitcoin Exchange-Traded-Fund (ETF) zu erhalten und nimmt an, dass der zunehmende Wechsel von unregulierten offshore Börsen hin zu Institutionen wie der CME die Chancen für zukünftige Anträge verbessern könnten.

Der wachsende Marktplatz für Bitcoin Optionshandel stellt einen weiteren Baustein in der sich weiterentwickelnden Infrastruktur da, der Besonders für Bitcoin Miner von Interesse ist. Als Unternehmer sind Miner wegen der immer noch hohen Volatilität des Marktes großen Unsicherheiten ausgesetzt. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sie ihre Ausrüstung stetig erneuern und aufrüsten. Dabei können die hohen Preisfluktuationen ihres Produkts (der geminten Bitcoin) dazu führen, dass sich die Amortisierung dieser Investitionen schwer kalkulieren lässt. Carter merkt an, dass Optionen sich hier besonders anbieten, um Erwartbarkeit und Stabilität in der Mining-Industrie zu erhöhen: "Genauso wie Derivate entstanden sind, damit Landwirte das Risiko ihrer Feldfrüchte hedgen konnten indem sie einen spezifischen Preis für ihre Ernte im voraus erzielten (und ihre zukünftigen Feldfrüchte liquide zu machen, um Saatgut und Dünger schon heute zu kaufen), so sind Optionen nützlich für die Produzenten von Bitcoin."

as sind nur vier der neun Beispiele, die Carter als Beweis für den Reifeprozess anführt, den die Bitcoin Märkte im Verlauf der vergangenen drei Jahre durchlebt haben. Stetig zunehmende Liquidität, besonders in sogenannten "Stablecoins" (preislich an Währungen wie den US-Dollar gebundene Tokens), die zunehmende Bereitschaft von Banken, Krypto-Unternehmen als Kunden aufzunehmen und das Wachstum von Kredit im gesamten Krypto Ökosystem sind weitere Gründe dafür, den weiteren Entwicklungen im kommenden Jahr gespannt entgegenzublicken. All dies geschieht, während der "Hype" der Öffentlichkeit bisher noch deutlich geringer ausfällt, als es während der letzten Monate in 2017 der Fall war. Von einer Blase lässt sich in dieser Hinsicht also noch nicht sprechen:


Websuche Trends zum Suchbegriff "Bitcoin" in Deutschland für die letzten fünf Jahre (Quelle: trends.google.de)

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Konjunktur/Wirtschaft
[finanzen.net] · 20.11.2020 · 20:25 Uhr
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