Bienensterben? Rettet die Bienen, dann rettet Ihr Euch selbst!

Schon 2006 titelte BILD „Unsere Honigbienen sterben aus“. Albert Einstein zitiert sie mit „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“. Hat er nie gesagt, trifft aber die Sache: Wenn wir so weitermachen, sind Biene und Mensch gleichermaßen bedroht!

Bienen sind unsere wichtigsten Bestäuber!

Bienen verdanken wir nicht nur den Honig fürs Frühstück. Den menschlichen Nahrungsbedarf decken 124 Kulturpflanzen. In Europa werden 84 Prozent davon durch Schmetterlinge, Nachtfalter, Hummeln, Schwebfliegen und vor allem Bienen bestäubt. Wild- und Honigbienen machen sich dabei an Obstbäumen und vielen Gemüsesorten zu schaffen. Für optimale Bestäubungsleistung ist die Zusammenarbeit all dieser fleißigen Helfer notwendig.

Was bedeutet Bienensterben?

Bienensterben bezeichnet die Verlustrate beim Überwintern, im Extremfall der Tod des gesamten Bienenvolks, sowie plötzliche Verluste an Arbeiterinnen, wohingegen Jungbienen und Brut nicht betroffen sind. In den USA bezeichnet man das als colony collapse disorder (CCD).

Die häufig angeführte Zahl der Bienenvölker ist dafür ein schlechter Maßstab und hat eher wirtschaftliche Gründe: Zwischen 1961 und 2007 hat die Menge der kommerziellen Bienenstöcke in Europa um ein Viertel, in den USA um die Hälfte abgenommen. Dagegen hat sie sich in Asien mehr als vervierfacht.

Bestäubt Euren Kram doch selber!

Eine verbreitete Fehleinschätzung: Imker betreuen unsere Honigbiene so gut, dass sie niemals aussterben wird. Der Umgang des Menschen mit seiner Umwelt macht vor den Honiglieferanten nicht halt.

In China rottete man die Spatzen als Ernteschädliche vielerorts aus – woraufhin sich Schadinsekten ungebremst vermehrten. Nach freizügigem Gebrauch von Pestiziden müssen in weiten Teilen des Landes Apfel- und Birnenblüten mühsam von Hand bestäubt werden. Pro Tag schafft ein Arbeiter dreißig Obstbäume. Viel ist das nicht – 1.500 menschliche Bienen bräuchte man, um die Tagesleistung eines einzigen Bienenvolkes zu erreichen.

Woanders ist es nicht besser: In den USA pachten die Betreiber von Obstplantagen für teures Geld Bienenvölker zur Bestäubung .

Wer ist schuld am Bienensterben?

Die Hälfte der deutschen Wildbienenarten finden sich mittlerweile auf der Roten Liste. Einige Stellen stört das nicht: Wegen der vorbildlichen Betreuung durch den Menschen müsse man sich um die Honigbiene keine Sorgen machen. Ein flächendeckendes Bienensterben gäbe es somit nicht und der Begriff werde nur missbraucht, um mit den kleinen Sympathieträgern Politik zu machen.

Tatsächlich kommen wir in Europa bisher noch ganz gut weg: in den vergangenen Jahren hat die Zahl der Bienen „nur“ um 10 Prozent abgenommen, dagegen um 30 in den USA und um 85 im Nahen Osten!

Das eigentliche Problem heißt Insektensterben

Weniger Insekten auf der Frontscheibe? In den letzten 30 Jahren hat ihre Biomasse um über 70 Prozent abgenommen. Sie entfallen als Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Tiere, und die Ursachen betreffen letztlich auch die Honigbiene.

Schuld am Insektensterben sind mehrere Faktoren:

  • Die industrielle Landwirtschaft verwendet Insektizide, die Schädlinge tötet und Bienen zumindest schwächt.
  • Monokulturen werden immer größer und gefährden die Artenvielfalt des Wildblumenbestandes.
  • Urbanisierung verkleinert die natürlichen Lebensräume und trennt sie immer weiter voneinander.
  • Umweltverschmutzung und Klimawandel bringen die Ökosysteme durcheinander.

Glyphosat & Co.: Immer mehr Pestizide im Bienenstock

Das Deutsche Bienenmonitoring (DeBiMo) hat 2016 in 7 von 98 Honigsorten Glyphosat gefunden. Bei zweien wurde der zulässige Grenzwert überschritten, einer davon war dadurch nicht mehr verkehrsfähig. Ähnlich sieht es mit dem eingelagerten Pollen aus: 96 Prozent der Proben waren mit Rückständen belastet. Diese Werte sollte man als Alarmsignal auffassen, das nicht zum positiven Image von Honig als Naturprodukt passt.

Der Krieg mit der Milbe

Bienen sind vielfach überzüchtet und auf Honigproduktion getrimmt, nicht auf Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft. Der Versuch, asiatische Bienen einzukreuzen ging gründlich schief: Damit hat man 1977 Milben eingeschleppt, die unsere Honigbienen stark gefährdet. Varroa destructor saugt Blut und schwächt die Arbeiterinnen. Zudem übertragen sie Viruserkrankungen, die die Tiere lähmen oder ihre Flügel deformieren. Sie zu bekämpfen ist problematisch, denn natürliche Ameisensäure wirkt nur begrenzt und chemische Varroicide schwächen die Bienen zusätzlich.

Der Kampf an mehreren Fronten ist fatal, aber Untersuchungen berichten nur von einzelnen Schlachten. Man weiß beispielsweise, dass Milben und Neonicotinoide zusammen die Überlebensrate im Winter drastisch reduzieren.

Wie lässt sich das Problem lösen?

Ändert sich nichts Grundlegendes, fährt der Umgang mit der Natur unsere Ökosysteme an die Wand, Bienen.info hat ausführlich über das Bienensterben und verschiedene Lösungsvorschläge berichtet. Umweltschutz, Erhalt natürlicher Lebensräume und ökologisch verbesserte Methoden zur Verringerung von Pestiziden können das Ruder noch herumreißen.

Was kann ich selber zum Schutz der Bienen beitragen?

Jeder von uns kann mit gutem Beispiel vorangehen und zur Besserung der Situation beitragen. Das Bildungsprojekt Bienenretter, der NaBu und andere Stellen empfehlen unter anderem

  • bienenfreundliche Pflanzen im Garten aussäen,
  • Honig aus der Region kaufen,
  • auf Pflanzenschutzmittel verzichten,
  • saisonale Lebensmittel aus regionaler und ökologischer Landwirtschaft kaufen,
  • Honiggläser zum Schutz vor Bienenkrankheiten vor dem Recyceln heiß auswaschen,
  • Nistmöglichkeiten für Wildbienen schaffen,
  • Bienenpatenschaften übernehmen – oder selber mitimkern!

Fazit

Schon heute ist Honig in Deutschland zu 80 Prozent Importware – mit Bienensterben könnte er zum Luxusgut werden. Bei Handbestäubung gälte Entsprechendes für Apfel, Birne und vieles andere. Für uns ist das ebenso wenig gesund: Nur mit Umdenken in Umweltpolitik, Landwirtschaft und Klimaschutz lassen sich die Bienen und letztlich auch der Mensch retten.

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[trendsderzukunft.de] · 10.10.2019 · 10:34 Uhr
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