Biden verspricht in Kenosha Kampf gegen Rassismus

Joe Biden
Foto: Stacey Wescott/TNS via ZUMA Wire/dpa
Joe Biden besucht die Stadt Kenosha.

Washington/Latrobe (dpa) - Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat in der von Protesten erschütterten Stadt Kenosha ein konsequentes Vorgehen gegen Rassismus in den USA versprochen.

«Der tief sitzende Rassismus ist institutionalisiert in den USA, er existiert immer noch, schon seit 400 Jahren», sagte Biden am Donnerstag. Jetzt sei die Chance, dagegen anzugehen.

Die Proteste in Kenosha, die zum Teil von Ausschreitungen begleitet wurden, waren von Schüssen in den Rücken eines schwarzen Amerikaners bei einem Polizeieinsatz ausgelöst worden. Der 29-jährige Familienvater Jacob Blake überlebte schwer verletzt.

Zwei Tage vor Biden hatte US-Präsident Donald Trump die Stadt besucht. Er traf sich mit Vertretern von Sicherheitskräften und verurteilte die Krawalle, bei denen Gebäude und Autos brannten, als anti-amerikanisch und inländischen Terrorismus. Auf das Vorgehen der Polizei als Ausgangspunkt der Proteste ging er nicht ein. Auf Anfrage eines Reporters sagte Trump auch, dass es in den USA aus seiner Sicht keinen systematischen Rassismus gebe.

Biden, der Vize von Präsident Barack Obama war und bei der schwarzen Bevölkerung populär ist, versprach hingegen, die «Ursünde» Amerikas anzugehen: «Es ist die Ursünde der Sklaverei und all ihre Überreste.» Das Land sei bereit dafür, zeigte sich Biden überzeugt. Und wenn nicht, sei das etwas, wofür es sich zu kämpfen lohne, selbst wenn man verlieren sollte.

Vor dem Auftritt in Kenosha traf sich Biden mit Blakes Familie. Das Gespräch mit seinem Vater und Schwestern dauerte nach Angaben von deren Anwalt rund eineinhalb Stunden. Auch Blake habe sich aus dem Krankenhaus zugeschaltet, sagte Biden. «Er sprach davon, wie er sich durch nichts besiegen lassen wird. Wie er nicht aufgeben wird, egal, ob er wieder laufen kann oder nicht.»

Blake ist nach den Schüssen, die seine Wirbelsäule verletzten, von der Hüfte abwärts gelähmt. Auf dem Video eines Augenzeugen war zu sehen, wie Blake bei dem Polizeieinsatz um ein Auto geht, während ihm zwei Polizisten mit gezogenen Waffen folgen. Eine davon ist auf seinen Rücken gerichtet. Nachdem Blake die Fahrertür öffnet und sich hineinbeugt, ist zu sehen, wie einer der Polizisten ihn am Shirt packt und sieben Mal schießt.

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaats Wisconsin, die in dem Fall ermittelt, wurde im Auto auf dem Boden der Fahrerseite ein Messer gefunden. Die Ermittler machten bisher aber keine weiteren Angaben dazu, ob das Messer eine Rolle in dem Geschehen spielte. Die Polizisten hätten zuvor versucht, Blake mit einem Elektroschocker zu betäuben, das sei aber misslungen, hieß es.

Justizminister William Barr hatte am Mittwoch in einem TV-Interview - ohne weitere Details zu erwähnen - gesagt, Blake sei dabei gewesen, eine Straftat zu begehen und sei bewaffnet gewesen. Auf dem Video ist keine Waffe in seiner Hand zu erkennen, solange er zu sehen ist. Biden sagte vor der Reise nach Kenosha, der Polizist, der auf Blake geschossen habe, sollte seiner Ansicht nach angeklagt werden - auch wenn letztlich die Ermittlungen ihren Weg gehen müssten.

Der Republikaner Trump griff Biden am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt in Latrobe im Bundesstaat Pennsylvania an. Der Präsident beschuldigte seinen demokratischen Herausforderer erneut, an der Seite von Randalierern bei den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt zu stehen. Trump hat die Ausschreitungen als «inländischen Terrorismus» verurteilt.

«Bidens Plan ist es, inländische Terroristen zu besänftigen», sagte Trump am Donnerstag vor jubelnden Anhängern. «Mein Plan ist es, sie festzunehmen und strafrechtlich zu verfolgen.» Er werde immer an der Seite von gesetzestreuen Bürgern stehen. «Deswegen wählen die Randalierer Biden.» Der Präsident fügte hinzu: «Bei dieser Wahl geht es um Sicherheit, und bei dieser Wahl geht es um Jobs.» Biden hat die Ausschreitungen am Rande der Proteste klar verurteilt.

Trumps Wahlkampfauftritt in Latrobe fand in einem Hangar am örtlichen Regionalflughafen statt. Bei der erst am Tag zuvor anberaumten Veranstaltung gab es einen gewaltigen Andrang. Tausende Trump-Anhänger warteten vergeblich auf Einlass, weil der Hangar bereits deutlich vor Beginn der Kundgebung voll war. Unter den Wartenden trug fast niemand eine Schutzmaske.

Konflikte / Demonstrationen / Kriminalität / Minderheiten / Rassismus / Joe Biden / Kenosha / USA
04.09.2020 · 16:20 Uhr
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