Betrugsvorwürfe gegen Großaktionär: Wie geht es jetzt mit der Varta-Aktie weiter?

• Varta-Aktie klettere 2019 über 380 Prozent ...
• ... und notiert nun rund 35 Prozent unter ihrem Hoch
• 200-Tage-Linie noch immer intakt

Der weltweite Boom der Elektrifizierung erreichte im Jahr 2019 auch den traditionsreichen deutschen Akkumulator- und Batterieproduzent Varta aus Baden-Württemberg. Während die Anteilsscheine des Konzerns mit einem Preis von rund 25 Euro in das Jahr 2019 starteten, notierten sie zwölf Monate später schon bei über 120 Euro und somit mehr als 380 Prozent höher. Auf diese exorbitante Kursrally folgte, aufgrund mehrerer sehr ungünstiger Nachrichten, jedoch ein massiver Abverkauf. So pendeln die Anteilsscheine aktuell rund 35 Prozent unter ihrem Höchstniveau vom Dezember 2019. Dieser Crash ist dabei auf mehrere schwerwiegende Probleme zurückzuführen. Neben negativen Analystenkommentaren, massiven Insiderverkäufen, einem hohen Konkurrenzdruck aus China sorgten auch Betrugsvorwürfe gegen den Varta-Großaktionär für negative Stimmung.

Großaktionär sorgt für Unmut

Das in Ellwangen ansässige MDAX-Unternehmen Varta liegt mit einem Anteil von 58,3 Prozent in der Hand des Schweizer Industriekonglomerats Montana Tech Components, dessen Chef, Michael Tojner, nun in der Kritik steht. So soll im österreichischen Burgenland eine Anzeige gegen den Manager des Schweizer Konzerns vorliegen. Gegenstand des Vorwurfs gegen Tojner ist der Verdacht, dass er sich Anteile von gemeinnützigen burgenländischen Wohnungsbaugesellschaften gesichert haben soll, um diese nach einer Aberkennung der Gemeinnützigkeit profitabel zu veräußern. Mit einem ähnlichen Deal soll Tojner schon vor etwa fünf Jahren um die 113 Millionen Euro eingestrichen haben.

Der falsche Weg zum richtigen Ziel

Der Varta-Großaktionär aus der Schweiz hat ambitionierte Pläne für die deutsche Batterieproduktion und somit erklärte Tojner in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Wir wollen deutscher Apple im Batteriebau werden". Solange jedoch derartige Vorwürfe im Raum stehen, lässt sich ein solches Ziel nur schwer umsetzen. Zwar haben die Anschuldigungen gegen den Großaktionär keinen direkten Einfluss auf die operativen Geschäfte des deutschen Batterieproduzenten, dennoch werfen sie ein schlechtes Licht auf das Unternehmen und verunsichern die restlichen Anteilseigner. So senkte bereits die Capital Group, der zweitgrößte Varta-Aktionär, ihre Varta-Position von 5,04 auf 4,95 Prozent.

Insider verkaufen am All-Time-High

Vor diesem Hintergrund dürfte es kaum verwundern, dass auch Firmeninsider schon längst damit begonnen haben, im großen Stil Varta-Aktien abzustoßen. So trennte sich der heutige Aufsichtsrat und ehemalige Finanzvorstand Michael Pistauer genau am 5. Dezember 2019, als die Aktie ihr absolutes Allzeithoch erreichte, in drei Tranchen von insgesamt 5.000 Varta-Anteilsscheinen. Am selben Tag stieß auch die VGG GmbH, welche in einer sehr engen Beziehung mit dem Großaktionär und Varta-Aufsichtsrat Michael Tojner steht, ein Varta-Aktienpaket im Umfang von 808.000 Stück ab und erlöste damit rund 98 Millionen Euro.

Die Konkurrenz aus China schläft nicht

Grund für den massiven Kurssturz der Varta-Aktie war neben diesen erheblichen Insiderverkäufen und Betrugsvorwürfen jedoch auch ein Shortseller-Report, welcher davor warnte, dass die Großkunden von Varta bald durch chinesische Konkurrenten bedient werden könnten. Die Veröffentlichung des Shortsellers nennt dabei insgesamt vier chinesische Firmen, EVE Energy Company, MIC-Power, ZeniPower und GreatPower, welche beispielsweise ebenfalls Batterien für kabellose Kopfhörer produzieren. Des Weiteren haben die Shortseller herausgefunden, dass schon jetzt mindestens zwei größere Varta-Kunden Konkurrenzprodukte erwerben. Sollte sich der deutsche Konzern nicht gegen die Wettbewerber aus Fernost behaupten, droht zukünftig ein unabsehbarer Verlust von wertvollen Marktanteilen.

Analysten senken reihenweise den Daumen

Als wären das alles nicht schon genug schlechte Nachrichten für die Varta-Aktien, duellieren sich jetzt auch noch die Analysten um das schlechteste Kursziel. So gehen beispielsweise die Experten der Commerzbank davon aus, dass die Zeiten des Zulieferer-Monopols von Varta vorbei sind und dass der zukünftige Margendruck den Gewinn stark belasten wird. Den fairen Wert der Anteilsscheine sehen die CoBa-Analysten somit bei 82 Euro.

Mit einem Kursziel von 66 Euro sind die Spezialisten des Analystenhaus Warburg Research jedoch noch pessimistischer, was die zukünftige Geschäftsentwicklung des Batterieherstellers betrifft. Dem Warburg-Analysten Robert-Jan van der Horst erscheinen die mittel- bis langfristigen Ziele des Unternehmens alles andere als realistisch. Zu einer ähnlich negativen Einschätzung sind dabei auch die Experten von Kepler Cheuvreux gekommen, sie sehen den fairen Wert der Aktie bei lediglich 63 Euro und empfehlen das Papier, so wie auch die zwei anderen Analysten, zum Verkauf.

Lichtblick aus der Charttechnik

Viele Marktteilnehmer vergleichen die Varta-Aktie schon jetzt mit den Wirecard-Papieren, da auch die Wirecard-Aktie in Folge von mehreren Shortattacken und diversen Vorwürfen völlig aus ihrem positiven Trend geworfen wurde. In jedem Fall ist jedoch klar, dass im aktuellen Aktienkurs von Varta schon sehr viel Negatives eingepreist ist und die Aktie somit für viele schon wieder sehr lukrativ erscheinen könnte. Dementsprechend glaubt die Hamburger Privatbank Berenberg an eine Erholung und sieht das Kursziel der Aktie, unabhängig aller düsteren Prognosen, bei 110 Euro. Daneben gibt es auch von Seiten der technischen Analyse einen Lichtblick, so notiert die Varta-Aktie gegenwärtig, trotz des erheblichen Kursrücksetzers, noch weit über ihrer 200-Tage-Linie.

Pierre Bonnet / finanzen.net

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 24.01.2020 · 23:01 Uhr
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