Berlin-Datenleck: 5,8 Terabyte, 1,44 Millionen Dateien – und die Steuerzahler zahlen
Ein Daten-GAU mit Ansage
Seit Freitag liegen 1,44 Millionen Dateien mit 5,8 Terabyte Volumen im Darknet. Der Hacker-Gruppe Rhysida gelang es vom 7. bis 12. August, unbemerkt in Teile des Berliner Landesnetzes einzudringen und Daten aus den Senatsverwaltungen für Bauen und Verkehr abzuziehen. Die Forderung von 30 Bitcoin – etwa zwei Millionen Euro – blieb unbezahlt, die Frist verstrich, die Daten wurden veröffentlicht. Die Ermittlungen laufen, die Schäden summieren sich.
Von Reisepässen bis Rüstungsdaten
Zunächst wirkten die geleakten Unterlagen harmlos: gescannte Reisepässe, Arbeitsverträge, Krankmeldungen. Doch IT-Experten und Medienberichte weisen auf weitaus sensiblere Bestände hin: Pläne zur Wasserversorgung, Heizkraftwerke, Tanklager, Notstromanlagen, Gefängnisse, Umspannwerke – und Unterlagen zu Rüstungsfirmen sowie der Bundeswehr. Jochim Selzer vom Chaos Computer Club warnt, eine einfache Volltextsuche sei nicht möglich; die Menge überfordere die Sichtungskapazitäten.
Experten hatten gewarnt
Manuel Atug, als Sachverständiger 2023 und 2025 im Berliner Innenausschuss, hatte „eklatante Sicherheitslücken“ benannt. Nun stellt er fest: „Das Land Berlin hat grob fahrlässig gehandelt und vorsätzlich die Geheimschutz-Vorgaben nicht eingehalten.“ Er sei „schockiert und sprachlos“. Betroffene Bürger und Firmen sollen risikobasiert per Brief oder Mail informiert werden; Identitätsdiebstahl und gezielte Phishing-Angriffe drohen.
Die Bundesregierung trägt Mitschuld
Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz sprach im „Handelsblatt“ von einem „echten Daten-Super-GAU“. Der Fall werde „die Steuerzahler Millionen kosten“ und die Bundesregierung treffe eine „direkte Mitschuld“. CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter nannte den Abfluss „von gravierendem Ausmaß“ und eine Gefährdung der nationalen Sicherheit. BSI, BKA und Verfassungsschutz arbeiten im Gemeinsamen Cyberabwehrzentrum an der Aufarbeitung.
Steuerzahler haften für Behördenversagen
Die Bundeswehr prüft Sicherheitsrisiken, die Landesregierung will Maßnahmen erhöhen. In zwei Wochen wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus; die Wahlumgebung gilt als unbeeinträchtigt. Die forensische Analyse dauert an – doch eines steht bereits fest: Wer den Schutz kritischer Infrastruktur ignoriert, lässt am Ende den Steuerzahler bluten. Die Rechnung kommt postwendend.

