Pferdesport

Bei 35 Grad schmilzt die Gold-Hoffnung: Bronze für Hemmer

14. August 2026, 18:16 Uhr · Quelle: dpa
Reit-WM Aachen
Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Katharina Hemmer feierte Bronze.
Das Sommer-Märchen von 2006 wiederholt sich nicht. 20 Jahre nach ihrem Special-Gold reitet Isabell Werth bei der WM in Aachen auf Rang vier. Eine Landsfrau ist besser.

Aachen (dpa) - Bei 35 Grad im Schatten schmolz die Hoffnung auf eine weitere Goldmedaille für Deutschland dahin. Bei den Reit-Weltmeisterschaften in Aachen reichte es dank des dritten Platzes für Katharina Hemmer im ersten Einzel aber erneut zu Edelmetall. «Unglaublich», rief die 32 Jahre alte Reiterin, als sie die Ergebnisse erfuhr.

«Richtig angekommen ist es noch nicht», kommentierte die Bronze-Gewinnerin kurz danach im WDR-Interview. «Ich bin einfach gerade unheimlich stolz, dass er das heute in der Atmosphäre so gemacht hat», lobte sie den Wallach Denoix. «Das ist eine große Freude!» 

Werth kommentiert: «Schade»

Isabell Werth kam zwei Tage nach dem umjubelten Team-Gold auf Rang vier. «Schade», war der erste Kommentar von Werth, als sie aus dem Stadion ritt. «Ein kleines Tickchen hat gefehlt», sagte die erfolgreichste Reiterin der Welt, während das Publikum klatschte und johlte.

«Das war echt schade, weil der Anfang war super - und das war natürlich jetzt ein knappes Rennen», kommentierte Werth und sagte zu Platz vier: «Wie sagt man so schön, knapp vorbei ist auch daneben.» Und dann schob Werth noch ein Lob für die Bronze-Gewinnerin hinterher: «Kata war spitze! Also große Gratulation!»

«Die Pferde vertragen die Hitze sehr gut»

Bei großer Hitze trotzte Titelverteidigerin Charlotte Fry aus Großbritannien den schwierigen Bedingungen und ritt im Sattel von Glamourdale mit 82,295 Prozentpunkten auf Platz eins. Die dänische Favoritin Cathrine Laudrup-Dufour landete mit Freestyle (80,927) auf Platz zwei vor Hemmer (80,866) und Werth (79,149). Eine weitere Bewährungschance in der Einzelwertung gibt es Samstag in der Kür. 

Die Toppaare mussten vor fast 40.000 Zuschauern im Grand Prix Special bei den höchsten Temperaturen des Tages reiten. Bundestrainerin Monica Theodorescu sagte: «Die Pferde vertragen die Hitze sehr gut.» Und die Reiterinnen seien «alle trainierte Athleten». Sie selbst sei bei den Olympischen Spielen in Barcelona bei 44,5 Grad geritten. Zusammen mit Werth gewann Theodorescu damals Gold.

Hemmer verzichtet auf weitere Medaillen-Chance 

Rekordreiterin Werth verpasste mit Wendy die Wiederholung des Sommer-Märchens von 2006. Vor zwanzig Jahren hatte die inzwischen 57 Jahre alte Dressurkönigin nach dem Team-Sieg mit Satchmo auch Gold im Special gewonnen.

Besser lief es für Hemmer. Sie war letzte Starterin im Special, hielt bei ihrer WM-Premiere dem Druck stand und bestätigte ihren starken Auftritt vom Team-Wettbewerb auch im Special. «Wahnsinn», fand Equipechef Klaus Roeser die Leistung. «Was für ein Ritt, die hat einfach Nerven.»

Auf die Chance, bei der WM eine weitere Dressur-Medaille zu gewinnen, verzichtet Hemmer. Die 32-Jährige wird am Samstag mit Denoix nicht in der Kür antreten. «Wir hatten dieses Jahr eine kurze Verletzungspause», sagte sie. Deshalb war Hemmer bei der deutschen Meisterschaft in Balve «nicht in der Lage, unsere Kür zu zeigen, und auch nicht beim Nationenpreis in Hagen. Dementsprechend ist es nicht so vorbereitet, wie ich es gerne hätte, um hier bei einer Weltmeisterschaft eine Kür zu zeigen.» 

Erfahrung mit Hitze hilft

«Ich würde jetzt lügen, wenn ich sage, es gibt nichts Tolleres, als bei 35 Grad hier zu schwitzen», kommentierte Frederic Wandres nach seinem Ritt auf Bluetooth, der ihn auf Platz 14 brachte. «Trotzdem sind wir Athleten, das Pferd und ich auch.» Er sei mit Bluetooth mehrfach in Florida geritten. «Da sind ungefähr von morgens bis abends solche Temperaturen», die Luftfeuchtigkeit noch höher «und es ist machbar».

Ähnlich sah es Raphael Netz. «Ich muss sagen, ich finde die Debatte um die Hitze ein bisschen übertrieben, weil es ein ganz normaler Sommertag ist», sagte der WM-Debütant, der im Sattel von Camelot wie Wandres auch mit der Medaillenvergabe nichts zu tun hatte, aber immerhin auf Platz zehn kam. «Vom Veranstalter aus sind hier wirklich die besten Bedingungen vorzufinden, die man sich nur vorstellen kann.» Es sei «wirklich unheimlich schön, hier heute zu reiten», sagte Netz. 

Der 27-Jährige war mit seinem Auftritt glücklich: «Emotionen pur, perfekter Ritt von uns und die persönliche Bestleistung getoppt», schwärmte er. Als Netz einritt, waren es ungefähr 31 Grad. Später stieg das Thermometer weiter in die Höhe. 

«Temperatur allein nicht ausschlaggebend»

«Die Temperatur ist nicht allein ausschlaggebend», sagte Wilfried Hanbücken, bei der WM der Vorsitzende der Veterinärkommission. «Sehr wichtig ist die Luftfeuchtigkeit, ob Wind herrscht und die Art der Sonneneinstrahlung. Man kann dann aus den einzelnen Faktoren einen Index berechnen.» 

Zu einer Verschiebung der Prüfung in den Abend sagte Hanbücken: «Das hätte ja alles auf den Kopf gestellt, das ist jetzt bei einer Weltmeisterschaft auch nicht so einfach.» So konnte die Dressur-Entscheidung am Freitagnachmittag wie geplant live im WDR übertragen werden.

«Pferde können Hitze gut ab», sagte der Tierarzt. «Es hängt aber auch immer vom Trainings- und vom Gewöhnungszustand ab. Ein Pferd kann sehr viel Wärme abgeben, indem es schwitzt. Hunde können es leider nicht gut, die leiden unter der Hitze um ein Vielfaches mehr».

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14.08.2026 · 18:16 Uhr
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