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Bafög-Reform: Warum die Regierung jetzt deutlich mehr ausgeben sollte

05. September 2026, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Bafög-Reform: Warum die Regierung jetzt deutlich mehr ausgeben sollte
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Die Bafög-Reform muss über Anpassungsmaßnahmen hinausgehen und das System grundlegend flexibler gestalten, um mehr Studierenden wirklich zu helfen.
Die Bundesregierung hat die Bafög-Reform gestartet – doch Experten fordern radikalere Maßnahmen. Wer profitiert wirklich von den neuen Regelungen?

Bafög bleibt das Stiefkind der Bildungsfinanzierung

Die Bundesregierung hat sich endlich dazu durchgerungen, das Bafög anzufassen. Nach Jahren der Diskussionspapiere und Sonntagsreden kommt nun Bewegung in eines der umstrittensten Themen der Bildungspolitik. Doch während die Reformpläne auf dem Tisch liegen, mehren sich Stimmen, die fragen: Reicht das wirklich aus? Die aktuelle Reform adressiert einige Probleme, lässt aber zentrale Fragen offen, die Millionen von Studierenden unmittelbar betreffen.

Das deutsche Bafög-System gilt international als vorbildlich – auf dem Papier. In der Realität zeigt sich ein anderes Bild: Die Förderquote ist dauerhaft gesunken, viele Studierende zahlen ihre Ausbildung über Nebenjobs oder Schulden finanziert, und die maximalen Förderbeträge sind der Realität längst nicht mehr gewachsen. Eine generationenübergreifende Finanzierungskrise bahnt sich an, deren Lösung nicht einfach nur kosmetische Anpassungen erfordert.

Die Regierungspläne: Gutes, aber nicht ausreichend

Die Bundesregierung hat angekündigt, die Bafög-Sätze anzupassen und die Vermögensfreibeträge zu erhöhen. Diese Schritte sind notwendig, um überhaupt Schritt mit der Inflation zu halten. Seit der letzten größeren Bafög-Reform 2019 ist die Kaufkraft real gesunken – Mieten in Universitätsstädten sind teilweise um 20 bis 30 Prozent gestiegen, während die Bafög-Sätze stagnierten. Ohne die geplanten Erhöhungen droht eine weitere Erosion der Chancengleichheit.

Allerdings zeigen sich bei genauerem Hinsehen die Grenzen des Reformansatzes. Die Erhöhung der Vermögensfreibeträge ist sinnvoll, doch sie löst nicht das Kernproblem: Die Bafög-Berechtigung ist an zu strenge Bedingungen geknüpft. Wer Eltern hat, die selbst während wirtschaftlicher Schwierigkeiten knapp über den festgelegten Einkommensgrenzen liegen, fällt durchs Raster. Diese Grenzfälle betreffen Hunderttausende von Studierenden, die weder großes Vermögen noch wohlhabende Eltern haben, aber auch keine Bafög-Unterstützung erhalten.

Flexibilität statt Starre: Was wirklich nötig wäre

Experten aus Hochschulen und Wohlfahrtsverbänden sprechen sich für einen deutlich flexibleren Ansatz aus. Ein Modell, das internationale Vorbilder wie die progressive Verrechnung von Elterneinkommen nach dem skandinavischen Vorbild berücksichtigt, würde mehr Gerechtigkeit schaffen. Statt starre Grenzen, die Menschen abrupt ausschließen, könnten gestaffelte Förderbeträge gewährleisten, dass auch Studierende aus mittleren Einkommensschichten teilweise unterstützt werden.

Ein weiterer Knackpunkt ist die Altersgrenze. Studierende, die älter als 30 Jahre sind, erhalten grundsätzlich kein Bafög mehr – eine Regelung, die im Zeitalter von Weiterbildung und Lebenslangem Lernen überholt ist. Berufstätige, die noch ein Studium anstreben, oder Menschen, die nach einer Berufsausbildung studieren möchten, werden systematisch benachteiligt. Eine Flexibilisierung dieser Regeln hätte nicht nur soziale, sondern auch wirtschaftliche Effekte: Fachkräftemangel könnte gezielter bekämpft werden.

Das Leistungsargument: Warum die Regierung tiefer greifen kann

Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive ist höhere Bildung längst als Investition, nicht als Kostenfaktor erkannt. Länder mit höherer Quote akademisch ausgebildeter Fachkräfte zeigen bessere langfristige Wachstumszahlen. Eine Erhöhung der Bafög-Investitionen um 15 bis 20 Prozent würde sich über höhere Steuereinnahmen und geringere Sozialausgaben kurzfristig amortisieren. Die Bundeshaushalte anderer Länder beweisen, dass deutlich mehr Spielraum besteht.

Besonders interessant ist der Blick in die Niederlande oder Österreich: Dort werden flexible Fördermodelle erfolgreich praktiziert, ohne dass dies zu höheren Defiziten führte. Die Bundesregierung könnte also nicht nur moralisch, sondern auch fiskalisch begründet mehr tun. Der aktuelle Reformkurs ist ein Anfang – aber weit entfernt vom notwendigen Ziel.

Finanzen / Bafög / Bildungsfinanzierung / Studierende / Hochschulpolitik / Sozialpolitik / Reform
[InvestmentWeek] · 05.09.2026 · 20:00 Uhr
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