Axel Springer: Telegraph-Übernahme als Sprungbrett in die US-Mitte

Solide Zahlen, aber keine Euphorie
Der Medienkonzern Axel Springer hat im ersten Halbjahr den Pro-forma-Umsatz um 4,5 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert, währungsbereinigt sogar um sechs Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) sprang um knapp 52 Prozent auf 125,8 Millionen Euro. Vorstandschef Mathias Döpfner spricht von ermutigenden Zahlen, warnt aber sofort vor Selbstzufriedenheit und betont die Notwendigkeit weiterer Kostendisziplin.
Telegraph-Deal: Wachstum außerhalb Europas
Seit Ende Juni gehört die britische Telegraph Media Group zum Springer-Konzern. Die Zeitung wird ausdrücklich als „center-right, liberal-konservativ“ positioniert und soll vor allem in den USA wachsen. Döpfner sieht dort eine Marktlücke: ein großer Teil der Medien sei entweder links oder sehr rechts, die Mitte hingegen unterversorgt. Springer wolle mit dem „Telegraph“ sowohl moderate Demokraten als auch moderate Republikaner ansprechen.
Kosten und Personal: Kein Tabu
Trotz des Ergebniszuwachses kündigte der Konzern jüngst Personaleinsparungen in der Premium-Gruppe an, zu der „Welt“ und „Politico Deutschland“ gehören. Die Botschaft ist klar: Wer nicht liefert, muss weichen. Springer setzt auf Strukturen, die sich rechnen, nicht auf teure politische oder ideologische Projekte.
Politische Ausrichtung als Geschäftsmodell
Dass Springer mit dem „Telegraph“ bewusst eine liberalkonservative Stimme in den US-Markt trägt, ist keine Nebenbemerkung. Es ist die Erkenntnis, dass ein großer Teil der etablierten Medien in den USA und Europa die Mitte verlässt. Wer dort eine Lücke füllt, kann Kapital und Leser gewinnen. Die etablierten linken und systemnahen Medienhäuser haben diese Lücke selbst geschaffen.

