Axel Springer mit Umsatz- und Gewinnwarnung: Springer investiert und reduziert Personal

In den nächsten drei Jahren sollen insgesamt mehr als 100 Millionen Euro vor allem in eine Live-Video-Strategie von "Bild" fließen, wie das Medienhaus am Montag in Berlin mitteilte. Insgesamt soll es Kosteneinsparungen im Bereich News Media National in Höhe von 50 Millionen Euro geben.

Personal will das Medienhaus unter anderem in Verlagsstrukturen und Redaktionen abbauen. Eine konkrete Zahl wurde nicht genannt. Eine Unternehmenssprecherin betonte auf Nachfrage, dass in einem nächsten Schritt Details der Strukturanpassung erarbeitet würden. Dazu werde mit Mitarbeitern und Betriebsräten gesprochen.

Der Konzern will den Abbau in den Bereichen, wo das Geschäft rückläufig ist, unter anderem durch Vorruhestandsregelungen und Fluktuation erreichen. Auch Umschulungen soll es geben und ein Freiwilligenprogramm mit finanziellen Anreizen für einen Jobwechsel.

Der Deutsche Journalisten-Verband forderte als Reaktion auf die Pläne, dass diese ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden müssten. Von der Gewerkschaft Verdi hieß es, dass Weiterbildungen oder Umschulungen klaren Vorrang vor Kündigungen haben müssten. Wenn es zu Kündigungen komme, müssten diese sozialverträglich und mit angemessenen Abfindungen ausgestaltet werden.

Bei den Marken "Bild" und "Welt" wird ein Ausbau der Abonnentenbasis im Digitalen angestrebt. "Bild" solle noch stärker zur Live-Plattform für Nachrichten, Unterhaltung und Sport werden und auch auf TV-Bildschirme gebracht werden. Bei "Welt" stehe ein Netzwerk aus Experten und Kommentatoren im Vordergrund.

Der Vorstand News Media National & Technology, Stephanie Caspar, sagte: "Wir gehen mit Bild und Welt jetzt den nächsten Schritt und investieren konsequent in die Zukunft der Marken. Vor allem bei Video, Sport und Paid Content."

Springer strebt eine engere Verzahnung von Redaktionen an. So werden "Bild" und "Bild am Sonntag" den Angaben zufolge weiter zusammengeführt. Die Zeitung "B.Z." konzentriere sich ganz auf regionale Inhalte, die sie auch für den Berlin-Teil von "Bild" produziere. Umgekehrt liefere "Bild" die überregionalen Inhalte der "B.Z.". Auch sollen im Konzern künftig Sport-Inhalte markenübergreifend für "Welt", "Bild" und "Sport Bild" produziert werden.

Laut Springer werden "Bild", inklusive Regionalausgaben und "B.Z.", "Bild am Sonntag" sowie "Welt" und "Welt am Sonntag" als gedruckte Zeitungen weiter bestehen. Die werktäglichen Ausgaben von "Welt Kompakt" sowie "Welt Hamburg" würden eingestellt. Das Wirtschaftsmagazin "Bilanz" werde redaktionell in die "Welt" integriert. Bei "Auto Bild" und "Computer Bild" soll es eine Konzentration auf die beiden Haupttitel geben.

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hatte mit dem geplanten Einstieg des US-Finanzinvestors Kohlberg Kravis Roberts (KKR) weitreichende Veränderungen für das börsennotierte Medienunternehmen angekündigt. Das Wachstum im Digitalen soll weiter vorangetrieben werden. Der Einstieg des Investors steht noch unter dem Vorbehalt außenwirtschaftlicher Genehmigungen und von Kartellfreigaben.

Bei Axel Springer arbeiten weltweit mehr als 16 000 Mitarbeiter. Neben den journalistischen Inhalten setzt der Konzern auch stark auf digitale Rubrikengeschäfte. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres erzielte Springer fast 74 Prozent der Umsatzerlöse im digitalen Bereich.

Der konzernweite Umsatz ging im ersten Halbjahr von 1,56 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 1,53 Milliarden Euro zurück. Aus eigener Kraft, also bereinigt um Währungseffekte und Zu- sowie Verkäufe, ist der Umsatz allerdings leicht um ein Prozent gestiegen.

Was den Zeitungsverkauf angeht lagen "Bild" sowie "B.Z." deutschlandweit im zweiten Quartal 2019 täglich bei insgesamt 1,49 Millionen Exemplaren (IVW), davon 51 754 als E-Paper. Fünf Jahre zuvor waren es noch rund 2,44 Millionen Exemplare (E-Paper: 25 539).

Axel Springer meldet Umsatz- und Gewinnwarnung

Der Medienkonzern Axel Springer baut Arbeitsplätze in der Mediensparte ab und wirft deshalb seine Geschäftsziele für 2019 über Bord. Wegen des Umbaus, aber auch wegen schwächerer Geschäfte in bestimmten Bereichen senkt der Konzern seine Ziele für das laufende Jahr. Der Umsatz werde im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich sinken. Bisher hatte das Management nur ein Minus im niedrigen einstelligen Prozentbereich veranschlagt. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) werde zwischen zehn und 20 Prozent sinken. Bisher war von einem Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich die Rede.

BERLIN (dpa-AFX) / Berlin (Reuters)

Nebenwerte
[finanzen.net] · 30.09.2019 · 16:55 Uhr
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