Mehr Macht für Nutzer

Australien sagt Social-Media-Algorithmen den Kampf an

08. September 2026, 10:06 Uhr · Quelle: dpa
Australien plant neue Social-Media-Regeln
Foto: Alicia Windzio/dpa
Die User in Australien sollen künftig wieder mehr Kontrolle über ihren Feed haben. (Illustration)
Nach dem weltweit ersten Verbot von Social-Media-Konten für unter 16-Jährige geht Australien den nächsten Schritt: Nutzer sollen künftig selbst entscheiden können, ob Algorithmen ihren Feed bestimmen.

Canberra (dpa) - Australien will seine viel beachtete Regulierung sozialer Medien weiter verschärfen. Nachdem das Land Ende vergangenen Jahres als erstes weltweit Social-Media-Konten für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verboten hatte, sollen nun auch ältere Nutzer mehr Kontrolle darüber bekommen, welche Inhalte ihnen die Plattformen anzeigen. In der Europäischen Union und damit auch in Deutschland existieren für große Online-Plattformen bereits vergleichbare Vorgaben.

In Australien sollen Nutzer ab 16 Jahren künftig wählen können, ob sie einen von Algorithmen zusammengestellten Feed in ihren sozialen Netzwerken sehen wollen oder lediglich Beiträge von Freunden und Content Creators, denen sie selbst folgen. Die Regierung stellte jetzt einen entsprechenden Gesetzesentwurf vor, der Plattformen verpflichten soll, ihren Usern diese Wahlmöglichkeit anzubieten. 

«Technologie zum Guten verändern»

«Es geht nicht darum, der Regierung Kontrolle zu geben, sondern den Menschen», sagte Premierminister Anthony Albanese. «Wir haben die Chance, die Technologie zum Guten zu verändern, statt uns von ihr verändern zu lassen.» Das Motto laute dementsprechend: «My feed, my way» (mein Feed, meine Wahl).

Das Vorhaben ist Teil eines neuen Gesetzes zur digitalen Sorgfaltspflicht («Digital Duty of Care»). Gemeint ist damit eine gesetzliche Verpflichtung für Anbieter digitaler Dienste, ihre Angebote so zu gestalten, dass insbesondere junge Nutzer besser vor schädlichen Inhalten und Funktionen geschützt werden. Neue Regeln sind deshalb nicht nur für soziale Netzwerke geplant, sondern auch für Online-Spiele, Apps und KI-Chatbots.

Auch lebensgefährliche Mutproben im Visier

Für unter 18-Jährige sollen Plattformen unter anderem gegen Inhalte vorgehen müssen, die Essstörungen fördern, frauenfeindliche Einstellungen verbreiten oder Pornografie, Verbrechen und lebensgefährliche Mutproben verherrlichen. Auch Funktionen, die süchtig machen oder das Selbstwertgefühl junger Menschen beeinträchtigen können, sollen stärker reguliert werden. 

Bei Verstößen gegen die neue Sorgfaltspflicht sollen hohe Geldstrafen möglich sein. Die Regierung hat den Gesetzentwurf zunächst zur Beratung mit Plattformbetreibern, Branchenverbänden und Organisationen vorgelegt. Noch in diesem Jahr soll er ins Parlament eingebracht werden.

Das sind die Regeln in Europa

In der EU verpflichtet das europäische Digitalgesetz (Digital Services Act, DSA) «sehr große Dienste» wie TikTok, Instagram, YouTube und X schon heute dazu, ihren Nutzern mindestens eine Option für Empfehlungssysteme anzubieten, die nicht auf sogenanntem Profiling basiert. Nutzer können dort theoretisch auf rein chronologische Feeds umschalten, auch wenn Kritiker bemängeln, dass diese Funktionen von den Konzernen oft tief in den Einstellungen versteckt werden.

Weiterhin nimmt das EU-Recht die Tech-Konzerne bei den Risiken ihrer Algorithmen in die Pflicht. Plattformen müssen systematisch prüfen und nachweisen, dass ihre Empfehlungsmechanismen keine Verhaltenssüchte bei Jugendlichen fördern oder sogenannte Kaninchenbau-Effekte auslösen, die Nutzer immer tiefer in potenziell schädliche Inhalte ziehen. Bei systematischen Verstößen gegen diese Sorgfaltspflichten drohen den Anbietern empfindliche Strafen von bis zu sechs Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes.

In Deutschland wird die Einhaltung dieser Vorgaben vor allem durch die Bundesnetzagentur als nationale Koordinierungsstelle sowie durch das novellierte Jugendschutzgesetz flankiert. Ein pauschales Zugangsverbot für jüngere Jugendliche zu sozialen Netzwerken, wie es Australien Ende vergangenen Jahres beschlossen hat, gibt es in der Bundesrepublik und auf europäischer Ebene allerdings nicht. Hier setzt die Politik bislang vorrangig auf strengere Vorgaben für die Plattformbetreiber statt auf pauschale Altersgrenzen.

Internet / Medien / Gesellschaft / Australien / Digitale Sorgfaltspflicht / Social Media / Algorithmen
08.09.2026 · 10:06 Uhr
[0 Kommentare]
Apple HomeView
Cupertino (dpa) - Apple bringt wegen des Streits um den Zugang zu Nutzerdaten für KI-Rivalen sein neues Smarthome-Display nicht in der EU auf den Markt. Das Gerät mit dem Namen HomeView soll die Steuerung vernetzter Technik im Haushalt erleichtern, auch über die mit Künstlicher Intelligenz (KI) verbesserte Apple-Sprachassistentin Siri. Diese KI-Siri ist […] (00)
vor 7 Stunden
Strafmaß im Tupac Prozess
Las Vegas (dpa) - Beinahe regungslos nimmt der frühere Gang-Anführer Duane Davis im Gericht von Las Vegas das Strafmaß zur Kenntnis. In Handschellen steht der 63-Jährige vor der Richterin, die ihn nun - 30 Jahre nach der Ermordung von Rapper Tupac Shakur - zu mindestens 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Erst nach Ablauf dieser Zeit könnte Davis einen […] (00)
vor 9 Minuten
Prinz William hat eine der bekanntesten Straßen Londons kurzerhand in einen Cricketplatz verwandelt.
(BANG) - Prinz William hat eine der bekanntesten Straßen Londons kurzerhand in einen Cricketplatz verwandelt. Der 44-jährige britische Thronfolger spielte am Dienstag (13. Oktober) auf der für den Verkehr gesperrten Prachtstraße 'The Mall', die direkt zum Buckingham-Palast führt, gemeinsam mit einigen der größten Namen des Sports. Mit dabei waren unter […] (00)
vor 9 Stunden
Squadron 42 landet nach 14 Jahren auf Steam, doch bei den Systemanforderungen stimmt etwas nicht
Squadron 42 hat jetzt eine offizielle Steam-Seite. Nach mehr als einem Jahrzehnt Entwicklung kannst du die Einzelspieler-Kampagne aus dem Star-Citizen-Universum erstmals direkt bei Valve auf deine Wunschliste setzen. Cloud Imperium Games nennt dort weiterhin das zweite Quartal 2027 als Release-Zeitraum und veröffentlicht gleichzeitig erste konkrete […] (00)
vor 5 Stunden
Disney will bei insolventem KI-Unternehmen Character.ai zugreifen
⁠Erst holte Disney den Chef des Chatbot-Anbieters ins eigene Unternehmen, jetzt bietet der Unterhaltungskonzern 20 Millionen Dollar für Nutzungsrechte und weitere Vermögenswerte. Der Disney-Konzern könnte sich umfangreiche Rechte an der Technologie und den Inhalten des insolventen KI-Unternehmens Character.ai sichern. Nachdem Disney erst im September dessen damaligen Geschäftsführer Karandeep […] (00)
vor 3 Stunden
Viking Stavanger - Bayern München
Stavanger (dpa) - Doppelpacker Harry Kane blickte mit zerknirschter Miene zu seinen Fans. Nach einem erneuten Blitz-Gegentor und einem Platzverweis für Michael Olise hat der FC Bayern München einen weiteren Sieg verpasst.  Beim 3: 3 (0: 2) im Auswärtsspiel der Champions League bei Viking Stavanger drehte der deutsche Fußball-Rekordmeister um […] (01)
vor 3 Stunden
finance, currency, bitcoin, crypto, cryptocurrency, investment, wealth, money
Elon Musk plant, am Donnerstag einen Tesla schweben zu lassen. Doch die Wall Street hat in der Vergangenheit oft negativ auf seine größten Produktpräsentationen reagiert. Der lang erwartete Tesla Roadster soll Berichten zufolge am 15. Oktober in Texas mit Hilfe von SpaceX-Raketentechnologie schweben. Bei der Demonstration werden Druckgasdüsen […] (00)
vor 2 Stunden
Filmmm x Fade into You, Filmscreening in der Kunsthalle Mainz
Mainz, 13.10.2026 (lifePR) -   Fr 23/1018 Uhr Die junge Initiative Filmmm organisiert experimentelle und künstlerische Filmscreenings in Mainz. Zur aktuellen Ausstellung übernimmt sie die Kuration der Screeningreihe Fade into You. Mit Pude ver un puma (2011), J’ai oublié! (2014) und Parsi (2019) zeigt Filmmm drei Kurzfilme von Eduardo ‚Teddy‘ […] (00)
vor 8 Stunden
 
Apple HomeView: Neuer Smart-Home-Hub soll im November erscheinen
Apple steht offenbar kurz vor dem Einstieg in ein neues Produktsegment: Auf dem […] (00)
Sabotage in Polen: Verdächtige in Deutschland gefasst
Warschau/Nürtingen/Berlin (dpa) - Ein Brandanschlag in Polen, zwei Festnahmen in […] (00)
iPhone Duo: Apple soll Bestellungen kurz vor Vorverkaufsstart um 30 Prozent erhöht haben
Kurz vor dem Start der Vorbestellungen für das iPhone Duo zeichnet sich […] (00)
Bundesagentur für Arbeit (Archiv)
Berlin - Der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft […] (00)
Cathy Hummels
(BANG) - Cathy Hummels liebäugelt mit einer Auswanderung in die USA. Die Moderatorin […] (00)
Muse bringt mit Brain Age ein neues Konzept zur Messung des Gehirnalters auf den Markt
Muse, Anbieter von EEG-basierten Wearables zur Erfassung der Gehirnaktivität, hat […] (00)
ABC startet «The Rookie: North» im Januar
Der neue Ableger mit Jay Ellis feiert am 6. Januar 2027 direkt nach dem Auftakt der neunten […] (00)
Die Frage nach den Gebühren stellt sich meist erst an der Kasse eines Online-Casinos, […] (00)
 
 
Suchbegriff