Auslieferungsziel unerreichbar: Analyst streicht Kursziel für Tesla-Aktie um 40 Prozent zusammen

• Coronavirus setzt Produktion und Nachfrage bei Tesla zu
• Analysten halten Auslieferungsziel für nicht mehr machbar
• Auf lange Sicht bleiben die Experten zuversichtlich für den E-Autokonzern


Tesla-Chef Elon Musk hat lange versucht, sich gegen die Coronavirus-Panik zu stemmen, die er auf Twitter als gefährlicher als das Virus selbst bezeichnete. Nach einem tagelangen Streit mit Behörden muss er nun jedoch die Tesla-Fabrik in Fremont vorübergehend schließen, da in der Region eine Ausgangssperre gilt und es sich bei der Produktion von Elektroautos laut Büro des örtlichen Sheriffs nicht um ein unbedingt notwendiges Geschäft handelt. In der Fabrik werden der Model 3 und der neue Model Y produziert, von denen sich Tesla bei der Eroberung des Massenmarktes besonders viel verspricht und die somit auch eine große Bedeutung für das Erreichen des von Musk ausgegebenen Auslieferungsziels von 500.000 Teslas im Jahr 2020 haben. Bislang wurde dieses Ziel trotz der Corona-Pandemie und ihrer Auswirkungen vom ehrgeizigen Unternehmenschef noch nicht angepasst. Zahlreiche Analysten warnen jdeoch bereits davor, dass dieses längst nicht mehr zu erreichen ist - selbst ohne Fabrikschließungen.

Analyst: Menschen haben andere Sorgen als Kauf von Model 3

"Das Umfeld für die globale Nachfrage hat sich innerhalb von Wochen für Tesla (und jedes andere Unternehmen) weltweit dramatisch verändert", schrieb Analyst Dan Ives von Wedbush Securities laut "Seeking Alpha" in einer Studie vom Donnerstag. Der Konzern um Elon Musk müsse nun gegen unzählige neue Herausforderungen bei Produktion, Nachfrage und Auslieferungen kämpfen. Dadurch habe sich der kurzfristige Ausblick für den E-Autokonzern innerhalb kürzester Zeit deutlich verschlechtert.
Konsumenten weltweit hätten aufgrund des Corona-Shutdowns andere Sorgen als den Kauf eines neuen Autos, begründete der Analyst seine Einschätzung. "Einen neuen Model 3 zu kaufen [...] steht sehr weit unten auf der Prioritätenliste", so Ives. Für ihn sei das Erreichen des Auslieferungsziels von 500.000 E-Autos daher "eigentlich eine Unmöglichkeit", wird der Wedbush-Analyst von "The Street" zitiert. Realistischer sei stattdessen, dass nur 400.000 bis 415.000 neue Teslas an den Mann gebracht werden.

Als Reaktion auf die neue Situation beließ Dan Ives die Bewertung für die Tesla-Aktie zwar auf "Neutral", strich aber das Kursziel kräftig zusammen: Statt bei 710 US-Dollar liegt es nun nur noch bei 425 US-Dollar. Damit befindet es sich nahezu genau auf dem aktuellen Kursniveau der Tesla-Aktie, denn das Papier des E-Autopioniers schloss am Donnerstag an der NASDAQ bei 427,64 US-Dollar, nachdem es am Mittwoch noch bis auf 361,22 US-Dollar abwärts gegangen war. Der Kursverlust seit Mitte Februar beträgt jedoch auch aktuell noch rund 53 Prozent.

Experten glauben langfristig an Tesla - trotz Albtraumszenario

Für die Jahre 2021 bis 2025 macht sich Wedbush-Analyst Dan Ives jedoch offenbar noch keine Sorgen um Tesla. Er empfahl Investoren laut "The Street" zwar, den E-Autobauer angesichts der Coronavirus-Pandemie und ihrer Bremswirkung für die globale Wirtschaft eher unter einem Stresstest-Szenario zu bewerten als unter einem "rosigeren 'das Glas ist halb voll'-Szenario", bezeichnete Teslas längerfristigen Wachstumstrend aber als "weiterhin gesund".

In der vergangenen Woche hatte auch Analyst Adam Jonas von Morgan Stanley sein Tesla-Kursziel nach unten angepasst. Er begründete diesen Schritt ebenfalls damit, dass der Konzern aus Fremont in diesem Jahr wohl deutlich weniger E-Autos ausliefern werde als geplant. Statt mit 500.000 ausgelieferten Teslas rechnet Jonas mit 452.000 Fahrzeugen. Auch er ist jedoch der Überzeugung, dass der E-Autobauer die schwierige Zeit, die vor ihm liegt, gut überstehen wird.

Wie "Fox Business" berichtet, passte der Morgan-Stanley-Analyst sein Kursziel für Tesla am Donnerstag erneut nach unten auf nun 460 US-Dollar an, hob die Bewertung aber auf "Equal-Weight". "Wir sind zuversichtlich in Bezug auf die Liquidität und das Cash-Flow-Profil von Tesla", so Jonas laut dem US-Nachrichtenportal. Selbst wenn die Nachfrage in einem Worst-Case-Szenario um 90 Prozent einbrechen sollte, sei Tesla seiner Meinung nach nicht direkt in Gefahr. Denn laut dem Experten besitze Tesla in seiner Bilanz Barmittel in Höhe von mehr als acht Milliarden Dollar - würde in dem Albtraumszenario aber "nur" 750 Millionen US-Dollar pro Monat verbrennen.

Damit deckt sich die Einschätzung von Adam Jonas in etwa mit der von Dan Ives, der laut "Fox Business" ebenfalls davon ausgeht, dass Tesla kurzfristig mehr Geld verbrennen dürfte. Beide Analysten sind jedoch aktuell zuversichtlich, dass es Tesla dadurch gelingen wird, gut durch die Krise zu kommen - und auf längere Sicht wieder Fahrt aufzunehmen.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 20.03.2020 · 22:44 Uhr
[1 Kommentar]
 

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