Spanische Nordafrika-Exklave

Aufatmen in Ceuta: Trotz Netz-Aufrufen kein neuer Ansturm

16. August 2026, 16:31 Uhr · Quelle: dpa
Migranten in Spanien - Ceuta
Foto: Sven Kaeuler/dpa
Viele wollen nicht zurück nach Marokko.
Nach Aufrufen im Netz zu einem neuen Migrantenansturm auf Ceuta schrillen in Spanien und Marokko die Alarmglocken. Das befürchtete Chaos bleibt aber aus. Und dafür gibt es auch Erklärungen.

Madrid/Ceuta (dpa) - Der befürchtete neue Ansturm von Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta ist ausgeblieben. Trotz Aufrufen in Online-Netzwerken, erneut wie schon Ende Juli in Massen die Grenze zu überwinden, blieb die Lage am Wochenende ruhig. Spanien und vor allem Marokko hatten ihre Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld deutlich verstärkt.

Zwar wurden rund 300 Migranten, die mutmaßlich zur Exklave wollten, von Sicherheitskräften nahe der rund 20 Kilometer entfernten Grenzstadt Fnideq gestoppt, wie Medien unter Berufung auf marokkanische Behörden berichteten. Diese Zahl ist aber Alltag. Entsprechend bilanzierte die Zeitung «El Mundo»: «Das Regime von König Mohammed VI. hat ein derart massives Sicherheitsaufgebot an der Grenze aufgefahren, dass so wenige Maghrebiner wie seit langem nicht mehr versucht haben, nach Spanien zu gelangen.»

Angst vor Chaos, dann Aufatmen 

Die Erleichterung in Ceuta war groß. «Die Exklave atmete am Samstag auf», berichteten die Zeitung «El Correo» und andere spanische Medien unisono. Eine ältere Anwohnerin sagte im Fernsehen: «Uns fällt ein Stein vom Herzen. Viele hier hatten große Angst, dass sich das Chaos wiederholt.» Ende Juli waren Schätzungen zufolge bis zu 80.000 Migranten nach Ceuta gelangt, von denen kurz darauf die allermeisten wieder nach Marokko zurückkehrten.

Den Eindruck einer weitgehend entspannten Lage bestätigte auch ein dpa-Reporter vor Ort. Im Stadtzentrum sei so etwas wie heile Welt. «Man sieht nur gelegentlich Polizei und Militär, die patrouillieren.» Nur in den Außenbezirken seien größere Gruppen junger Migranten zu sehen, erzählte er. Auch am Sonntag sei es ruhig gewesen.

Marokkanische Sicherheitskräfte waren Augenzeugen zufolge rund um Ceuta und auch an der Grenze zur zweiten spanischen Exklave Melilla mit einem Großaufgebot im Einsatz - und verhinderten mögliche Grenzübertritte bereits weit vor der Grenze. Nach Angaben marokkanischer Sicherheitskreise wurden dort 294 Menschen festgenommen, darunter 248 aus Ländern südlich der Sahara sowie 46 Marokkaner. Zudem seien mindestens 61 weitere Personen wegen des Verdachts festgenommen worden, in sozialen Netzwerken zu irregulärer Migration aufgerufen oder diese gefördert zu haben.

Stacheldraht, Wasserwerfer und Patrouillenboote

Mit der Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen wollten die Behörden beider Länder verhindern, dass sich die Ereignisse von Ende Juli wiederholen, als nach verschiedenen Schätzungen Zehntausende Migranten nach Ceuta gelangten. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska hatte dieser Tage vor dem Hintergrund der neuen Sorgen erneut betont, die damalige Massenankunft sei ein «außergewöhnliches» Ereignis gewesen, das sich nicht wiederholen werde.

In Fnideq errichetete Marokko laut RTVE unter anderem zusätzliche Sperren aus Stacheldraht und Nato-Draht. Patrouillenboote überwachten die Küste, Wasserwerfer standen an der Grenze bereit. Zudem wurden auf den Zufahrtsstraßen zahlreiche Kontrollstellen eingerichtet.

Schlüsselrolle Marokkos rückt in den Fokus

Auch Spanien hatte die Sicherheitsvorkehrungen deutlich erhöht. In Ceuta sind inzwischen 880 Beamte der Nationalpolizei im Einsatz - 270 mehr als noch Ende Juli. Unterstützt werden sie von rund 2.000 Soldaten und mehr als 700 Beamten der militärisch organisierten Polizeieinheit Guardia Civil.

Nach Einschätzung von Sicherheitskreisen unterstreicht der ausgebliebene Ansturm die zentrale Rolle Marokkos bei der Kontrolle irregulärer Migration in Richtung Europa. «Das zeigt, dass Rabat irreguläre Migration stoppen kann, wenn es das will», zitierte «El País» einen ranghohen Polizeibeamten. «Marokko zeigt seine ganze Macht als Grenzwächter Ceutas», titelte das Blatt.

Rückkehr zur Normalität braucht Zeit

Der Ansturm vor gut zwei Wochen gilt als beispiellos. Vor allem am 30. Juli waren Zehntausende Migranten meist schwimmend nach Ceuta gelangt. Nach der jüngsten offiziellen Mitteilung Madrids wurden im Meer 83 Leichen geborgen. Nichtregierungsorganisationen schätzen die Zahl der Todesopfer auf weit über hundert.

Die meisten Ankömmlinge kehrten nach Angaben der spanischen Regierung innerhalb weniger Stunden oder Tage nach Marokko zurück. Nach Angaben von Innenminister Grande-Marlaska halten sich derzeit noch rund 5.000 Migranten in Ceuta auf. Es werde noch etwas Zeit dauern, bis die Exklave wieder vollständig zur Normalität zurückkehre, räumte er ein.

Die linke Zentralregierung will trotz ihrer migrantenfreundlichen Politik die Rückführungen den irregulären Ankömmlingen fortsetzen. Dagegen protestierten am Sonntag am Strand in Ceuta Dutzende Migranten. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie «We are also human» (Auch wir sind Menschen) oder «No Regreso a Marruecos - Asilo» (Keine Rückkehr nach Marokko - Asyl).

Migration / Ceuta / Spanien / Marokko / Grenzsicherung / Fernando Grande-Marlaska / Fnideq
16.08.2026 · 16:31 Uhr
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