AOL-Ex-CEO offenbart: Waren in Übernahmegesprächen mit Facebook und YouTube

• AOL hatte Chance Facebook und YouTube zu kaufen
• Übernahme scheiterte am Widerstand Time Warners
• AOL hat sich zum Schatten seiner selbst entwickelt

Wären bestimmte Faktoren anders gewesen, könnten Facebook oder YouTube heute zu AOL gehören. Dies berichtete der ehemalige CEO des Internetanbieters in einem exklusiven Interview mit dem US-amerikanischen Nachrichtensender CNBC. So hätte es im Jahr 2006 Gespräche mit den beiden Sozialen Netzwerken gegeben, zu einer abschließenden Übereinkunft ist es letztendlich jedoch nicht gekommen.

Der Aufstieg und Fall von AOL

Der Internetanbieter, der in den 90er Jahren maßgeblich dabei half, Millionen von US-Amerikanern erstmals mithilfe von Modems den Zugang zum damals noch in den Kinderschuhen steckenden Internet zu ermöglichen, ist heute zu einem Schatten seiner selbst geworden. Der Internetriese wuchs durch die Übernahme des Medien-Giganten Time Warner einst zu einem der größten Unternehmen weltweit. Die Übernahme, die 160 Milliarden US-Dollar kostete, fand im Januar 2001 statt und sollte AOL dabei helfen, einen Übergang vom Modem-Angebot über die Telefonleitung zu einem Breitband-Modell zu vollziehen. Time Warner hingegen erhoffte sich, durch die Fusion einen Weg in eine digitale Zukunft zu finden. Allerdings führte die Zusammenkunft nicht zum gewünschten Erfolg.

Das Platzen der Dotcom-Blase belastete den Internetanbieter schwer, sodass AOL für das Jahr 2002 einen Verlust von 99 Milliarden US-Dollar vermelden musste. Andere aufstrebende Internetanbieter wie Google zogen mehr und mehr Nutzer durch kostenlose Angebote an und schränkten die Marktmacht AOLs im Laufe der Jahre immer mehr ein. Dabei war es allen voran das veraltete Geschäftsmodells des Internetanbieters, das sich mit der weiteren Entwicklung des Internets als größtes Problem herausstellte. Die zunehmenden Schwierigkeiten von AOL führten gleichzeitig zu Spannungen mit Time Warner, dass durch die schwindenden Einnahmen AOLs Time Warner in dem gemeinschaftlichen Unternehmen erneut die Überhand gewann. Um AOLs Zukunft zu sichern, musste eine neue Idee her.

Die Idee AOLs Facebook, Tencent oder YouTube zu übernehmen

So verkündete Jon Miller, AOL-CEO von 2002 bis 2006, dass es schon im Jahr 2004 Überlegungen gegeben habe, Anteile an dem chinesischen Internet-Unternehmen Tencent zu erwerben. Der Mediengigant hat mittlerweile eine Marktkapitalisierung von rund 400 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus hätten in 2006 Gespräche mit Facebook und YouTube über mögliche Übernahmen stattgefunden: "Wir wollten etwas riskieren. Wir hatten die Möglichkeit YouTube zu kaufen, vor jedem anderen. Wir hatten die Chance bei Facebook einzusteigen, als Yahoo ins Stolpern geriet. Wir hatten die Gelegenheit möglicherweise bei Tencent einzusteigen", so Miller in einem Interview mit CNBC. Das Scheitern eines endgültigen hochkarätigen Kaufs war Miller zufolge dem Widerstand von Time Warner geschuldet: "Bei jeder dieser Chancen blieb uns die nötige Unterstützung verwehrt. Wir wussten, dass wir etwas riskieren mussten, um die Richtung zu ändern - dass, was wir schon taten nicht genug war. […] Und es war sehr schwierig, als wir diese Chancen, die bahnbrechende Ideen gewesen waren, nicht wahrnehmen konnten".

Budgetbeschränkung macht Fusion unmöglich

So hätte dem AOL-CEO für Fusionen und Übernahmen lediglich ein Budget von "weniger als eine halbe Milliarde" US-Dollar zur Verfügung gestanden, was nicht ausreichend gewesen wäre, um in dem Bereich etwas zu erreichen: "Man muss in der Lage sein, im Bereich Fusionen zu agieren. Google hat letztlich YouTube gekauft, es hat Android gekauft, es hat seitdem viele andere Dinge gekauft. Wir wurden richtiggehend ausgeschlossen aus diesem Prozess, sogar als wir mehr betrieblichen Schwung gewannen", so Miller gegenüber CNBC. So kam es, dass AOL im Jahr 2009 als eigenes Unternehmen von Time Warner abgespalten wurde. 2015 wurde AOL dann von Verizon für 4,4 Milliarden US-Dollar gekauft. "Ich glaube es ist eine Tatsache in der Geschäftswelt heutzutage, dass nicht alle Marken notwendigerweise überleben. Einige werden es, viel werden es nicht. Und ich denke, insbesondere angesichts des Generationenwechsels, der keinen Kontakt und keine emotionale Verbindung zur Marke hat, ist es [AOL] wahrscheinlich derzeit keine nachhaltige Marke", so Jon Miller.

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[finanzen.net] · 20.08.2019 · 17:01 Uhr
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