Analyse: Für Mussawi gibt es keinen Weg zurück

21. Juni 2009, 16:06 Uhr · Quelle: dpa
Teheran (dpa) - Die Grüne Welle bewegt sich durch ganz Teheran. Mit grünen Armbinden, Schleiern oder T-Shirts demonstrierten die Anhänger von Mir Hussein Mussawi, jeden Tag seit der umstrittenen Präsidentenwahl, zunächst Zehntausende, dann Hunderttausende.

Viel brauchen sie nicht zu sagen, denn das Land - und die Welt - wissen was sie wollen: «Mussawi, hol' unsere Stimmen zurück», heißt einer ihrer Slogans.

Mussawi ist unter Druck. Er war Ministerpräsident, sogar ein enger Vertrauter des verstorbenen Revolutionsführers Großajatollah Ruhollah Khomeini. Er hat die islamische Republik mitgegründet und führte das Land durch den achtjährigen Krieg gegen den Irak. Mir Hussein Mussawi als Dissident, darüber hätten viele im Iran vor einem Jahr noch gelacht. Jetzt ist er der Hoffnungsträger einer Bewegung, die immer weiter zu wachsen scheint.

«Die Krise im Iran kann man nicht mehr schönreden», sagt ein politischer Beobachter in der Hauptstadt. Mit einer Mitternachtskonferenz Mussawis am Wahltag fing es an. Eine Siegesfeier war geplant, doch dann platzte die Bombe. «Ich habe die Wahlen klar gewonnen, aber es hat Unregelmäßigkeiten gegeben», sagte Mussawi. Kurz danach verkündete das Innenministerium im Eiltempo die Ergebnisse im staatlichen Fernsehen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte demnach über 60 Prozent der Stimmen erzielt.

Die Mussawi-Anhänger waren anfänglich wie vor den Kopf geschlagen, doch dann gingen die Proteste los. Aus Unregelmäßigkeit wurde Manipulation, dann Fälschung und am Ende fielen alle rhetorischen Fesseln: Das Innenministerium, der für die Wahlergebnisse zuständige Wächterrat und Ahmadinedschad selbst hätten einfach geschummelt. Die Regierung geriet in die Defensive: Der oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, musste eingreifen. Dem Wächterrat verordnete er, in Gegenwart der unterlegenen drei Kandidaten alles noch mal sehr gründlich zu überprüfen. Schließlich blieb dem Wächterrat nichts anderes übrig, als die erneute Auszählung von zehn Prozent der Urnen anzuordnen. Doch die Eskalation war damit nicht aufzuhalten.

Chamenei zeigte null Toleranz gegenüber Mussawi. Der müsse aufpassen, denn für die Konsequenzen der Proteste sei nur er verantwortlich, so der Ajatollah. Chamenei stellte sich nicht nur demonstrativ hinter Ahmadinedschad, sondern auch hinter die umstrittenen Wahlergebnisse. Auch die Polizei warnte Mussawi. Man werde durchgreifen, und zwar heftig.

Am Samstag war es so weit. Zunächst drohte die geplante Massendemonstration zu einem Debakel zu werden, ein gewaltiges Polizeiaufgebot sicherte den Revolutionsplatz im Zentrum der Hauptstadt. Doch dann änderten die Demonstranten ihre Strategie. Anstatt sich alle an einem Platz zu versammeln, schlossen sie sich in kleineren Gruppen an mehreren Orten zusammen. Insgesamt waren es nach Augenzeugenberichten wieder Zehntausende. Zu Zusammenstößen kam es nicht nur mit der Polizei, sondern auch mit Anhängern des Präsidenten. Mindestens zehn Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Verletzte gab es viele, auf beiden Seiten. Bilder von Toten kursieren im Internet.

Nun warnen die Demonstranten auch Mussawi. «Dein Schweigen wäre Verrat», rufen sie. Der vom regimetreuen Technokraten zum Anführer der Protestbewegung gewandelte Mussawi weiß, dass es keinen Weg zurück gibt. «Ich stehe bis zum Ende an eurer Seite», sagt er. Wo das Ende ist, ist für ihn nicht klar, für seine Anhänger und das Establishment auch nicht.

Konflikte / Wahlen / Iran
21.06.2009 · 16:06 Uhr
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