Analyse: EU in der Ukraine-Krise

23. Februar 2014, 16:14 Uhr · Quelle: dpa

Brüssel (dpa) - Seit Jahren forderte die EU die Freilassung der ukrainischen Oppositionsführerin Timoschenko. Und auf einmal sieht sich die Union mit Erwartungen konfrontiert, die kaum zu erfüllen sind.

Richtige Freude sieht anders aus. Kurz angebunden kommentiert EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton mitten in der Nacht die politische Wende in der krisengeschüttelten Ukraine. Erst ganz zum Schluss erwähnt die Außenbeauftragte der Union die so lange erwartete Freilassung von Oppositionsführerin Julia Timoschenko. Kein Wort der Ermunterung, stattdessen der eher technische Hinweis zum Problem der «selektiven», also politischen Justiz in der Ukraine.

Das offizielle Brüssel verfolgt die dramatischen Ereignisse und die Eskalation der Gewalt mit vielen Toten in dem osteuropäischen Nachbarland Tag und Nacht. Ashton fordert die Beteiligten auf, verantwortungsvoll zu handeln. Ihre Erklärung liest sich so, als ob man sich Sorgen um die Einheit des großen Landes mit etwa 45 Millionen Menschen Sorgen mache müsse.

Auch andere reagierten zurückhaltend. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und sein französischer Amtskollege Laurent Fabius riefen dazu auf, die Einheit des Landes zu bewahren und keine Gewalt anzuwenden. Der britische Außenminister William Hague warnte, derzeit gebe es in der Ukraine große Chancen, doch die Gefahren seien weiterhin enorm: «Die politische Situation, auch innerhalb der Opposition, ist sehr kompliziert.»

Die Ukraine ist ein Testfeld für eine neue europäische Außenpolitik, die sich einmischt, Risiken eingeht und nicht wegguckt. Die Europäer fordern eine Verfassungsreform, eine neue Regierung und demokratische Wahlen.

Für das wirtschaftliche angeschlagene Land liegt ein ehrgeiziges, fertig ausgearbeitetes Partnerschaftabkommen bereit. Dafür handelten sich die Europäer schweren Ärger mit Russlands Präsident Wladimir Putin ein. Der Herr des Kreml untergräbt das vor fünf Jahren gestartete Vorhaben einer Partnerschaft mit östlichen EU-Nachbarländern, wo es nur geht. Es ist ein Machtkampf zwischen Ost und West, der mit harten Bandagen ausgefochten wird.

Präsident Viktor Janukowitsch legte den Pakt im vergangenen November - auch auf Moskaus Druck - auf Eis. Erst Ende der vergangenen Woche verhandelten mehrere EU-Außenminister, unter ihnen Deutschlands höchster Diplomat Steinmeier, in Kiew ein vorläufiges Abkommen zwischen Janukowitsch und Oppositionsführern zur Lösung der politischen Krise aus - doch es hielt keine 24 Stunden.

Seitdem überstürzen sich die Ereignisse. Und die EU sieht sich auf einmal mit Erwartungen konfrontiert, die sie auf die Schnelle schlecht oder gar nicht erfüllen kann. «Ich bin überzeugt, dass die Ukraine in nächster Zeit Mitglied der Europäischen Union sein und dies alles ändern wird» - das sagte Timoschenko laut Agentur Interfax. Dieser Satz dürfte Brüssel noch länger beschäftigen.

«Die jüngste Erfahrung bei der EU-Außenpolitik zeigt(...), dass es ein Fehler ist, mit einem großen und inhomogenen (uneinheitlichen) Land an der europäischen Peripherie zu früh Beitrittsverhandlungen zu beginnen», wendet der CDU-Europaparlamentarier Herbert Reul ein.

Ziel des Partnerschaftsabkommen, so ergänzen Diplomaten, sei es gerade, der Ukraine eine europäische Perspektive zu bieten, ohne über einen Beitritt zu verhandeln. In Brüssel ist es kein Geheimnis, dass es unter vielen Mitgliedsländern starke Vorbehalte gegen eine Mitgliedschaft der Ukraine gibt.

Und dann ist da noch das Geld. Die Ukraine ist seit Jahren von einem Staatsbankrott bedroht. Es fehlen Milliarden. Der Westen unterstrich mehrfach, es gebe für Notkredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) Regeln - und keine Ausnahmen. Die EU stellte im vergangenen Jahr - noch vor der Krise - in Aussicht, von ihrer Seite 600 Millionen Euro zu geben, falls die Bedingungen für IWF-Stützen erfüllt seien. Dazu kam es aber nie.

Dieser Betrag dürfte laut Experten nicht mehr ausreichen. «Wir haben über kurz-, mittel und langfristige Hilfspakete gesprochen», resümierte Ashton schon Ende vergangener Woche. «Ich habe mit dem IWF, der Europäischen Investitionsbank und der Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gesprochen, die alle in der Ukraine engagiert sind.»

Moskau hatte der früheren Sowjetrepublik nach dem erzwungenen Abschied vom West-Kurs Milliardenkredite versprochen. Nach einer ersten Rate von drei Milliarden Dollar stoppte Russland jedoch die Auszahlung. Weitere Hilfe gebe es erst, wenn eine neue Regierung feststehe, entschied die russische Regierung.

Links zum Thema
Erklärung Ashton
EU / Demonstrationen / Regierung / Ukraine
23.02.2014 · 16:14 Uhr
[2 Kommentare]
Hendrik Wüst (Archiv)
Düsseldorf - Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) will, dass der Staat "schneller und einfacher" wird. Vertrauen in Staat und Demokratie entstehe dann, wenn die Menschen die Politik als handlungswillig und handlungsfähig wahrnehmen, sagte Wüst der "Süddeutschen Zeitung". Seine feste Überzeugung sei: "Die Menschen werden […] (00)
vor 2 Minuten
Nach dem Ende ihrer Ehe mit Fußballstar Thomas Müller richtet Lisa Müller den Blick offenbar konsequent nach vorn.
(BANG) - Nach dem Ende ihrer Ehe mit Fußballstar Thomas Müller richtet Lisa Müller den Blick offenbar konsequent nach vorn. Statt sich in öffentlichen Diskussionen über die Trennung zu verlieren, konzentriert sich die Dressurreiterin auf ihre Zukunft. Und dabei soll es nun vor allem um Beruf, Sport, Selbstliebe und persönlicher Weiterentwicklung gehen. […] (00)
Gestern um 14:30
Signify – Die Immersion spielt eine zentrale Rolle
Statt in der Kneipe oder dem Stadion verfolgen Sportfans Live-Sportereignisse am liebsten zuhause. Das zeigt eine umfangreiche Befragung, die von Signify, dem Weltmarktführer für Beleuchtung, vor Kurzem in Auftrag gegeben wurde. Demnach bevorzugen satte 80 Prozent der Befragten das Sofa zuhause oder von Freund*innen gegenüber anderen Orten. In […] (00)
vor 6 Stunden
EA FC 26 verschenkt Pelé zur WM, aber du musst dich rechtzeitig einloggen
EA Sports FC 26 nutzt die internationale Fußballstimmung für eine große Ultimate-Team-Aktion. Passend zum „Festival of Football“ verschenkt EA eine besondere Pelé-ICON-Karte. Die brasilianische Fußballlegende kommt mit einer Gesamtwertung von 93 OVR ins Spiel und kann von Spielern kostenlos beansprucht werden. Der Zeitraum ist klar begrenzt. Wer Pelé […] (00)
vor 6 Stunden
WM-Halbfinale wirbelt Das Erste-Programm durcheinander
Wegen der noch offenen WM-Planungen hält Das Erste sein Krimiprogramm für den 14. und 15. Juli gleichermaßen vor. Die Fußball-Weltmeisterschaft sorgt Mitte Juli für besondere Programmplanungen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Da zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht endgültig feststeht, an welchem der beiden Abende das ZDF ein WM-Halbfinale übertragen wird, hat Das Erste vorsorglich […] (00)
vor 2 Stunden
Bundespräsident Steinmeier
Berlin (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kann sich nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios nun doch Olympische Spiele in Deutschland auch im Jahr 2036 vorstellen. Seine Bedenken seien zwar nicht verschwunden, heißt es unter Berufung auf das Bundespräsidialamt. Steinmeier sei mittlerweile aber fest davon überzeugt, dass alle Beteiligten […] (00)
vor 2 Stunden
stock, chart, apple, bitcoin, investing, trading, crypto, block chain, vpn, euro
Bitcoin verzeichnete in der Woche vom 5. Juni 2026 einen Rückgang von fast 20% und damit den größten wöchentlichen Kursverlust seit dem Zusammenbruch von FTX im November 2022. Damals markierte ein ähnlicher Rückgang den Tiefpunkt des Zyklus. Vergleich mit FTX-Kollaps In der ersten Juniwoche zeigte Bitcoin eine bemerkenswerte Kursentwicklung. Der Kurs […] (00)
vor 28 Minuten
Latino-Domains: Der Countdown  läuft
Koeln, 06.06.2026 (PresseBox) - Die Einführung der Latino-Domains erreicht ihre entscheidende Phase. Nach einer mehrwöchigen Sunrise-Periode, in der Inhaber eingetragener Marken ihre Kennzeichen bevorzugt sichern konnten, öffnet sich die neue Domainendung am 12. Juni 2026 für die breite Öffentlichkeit. Damit beginnt ein neues Kapitel für Unternehmen, Organisationen und […] (00)
vor 23 Stunden
 
Iran-Krieg - Libanon
Beirut/Tel Aviv (dpa) - Israels Armee hat trotz der eigentlich verkündeten Waffenruhe […] (00)
Wolfgang Kubicki (Archiv)
Berlin - FDP-Chef Wolfgang Kubicki weist den Vorstoß von DGB-Chefin Yasmin Fahimi zur […] (02)
Parlamentswahl in Armenien
Eriwan (dpa) - Festnahmen, Bombendrohungen und gegenseitige Vorwürfe überschatten die von […] (00)
Tschernobyl-Katastrophe
Tschernobyl (dpa) - Russland hat mit einem Drohnenangriff nach ukrainischen Angaben […] (03)
Persona 6 vor großer Premiere? Leak deutet auf Xbox Games Showcase hin
Die Gerüchteküche rund um Persona 6 brodelt seit Wochen. Nun gibt es einen neuen […] (00)
Taylor Swift und Travis Kelce sollen am amerikanischen Feiertagswochenende um den 4. Juli im Madison Square Garden heiraten.
(BANG) - Taylor Swift und Travis Kelce sollen im Madison Square Garden heiraten. Die […] (01)
kostenloses stock foto zu altcoin, anlageportfolio, anlagerisiko
Die börsengehandelten Fonds (ETFs), die den Kurs der weltweit größten Kryptowährung […] (00)
USA - Deutschland
Chicago (dpa) - Mit seinem weißen Cap auf dem Kopf gegen die Hitze von Chicago stand […] (02)
 
 
Suchbegriff