Amazon stellt Weihnachtsliste zusammen - und kassiert dafür kräftig ab

• Amazon stellt Weihnachtsliste mit Geschenk-Empfehlungen für Kinder zusammen
• Spielzeughersteller geben viel Geld für eine Platzierung aus
• Amazon in der Kritik: Bezahlte Werbung für Kunden nicht zu erkennen

Es ist Herbst und in den Supermärkten läuten Schokolade und Lebkuchen schon wieder die Weihnachtssaison ein. Was für viele bereits zu dieser besinnlichen Zeit des Jahres gehört, ist nicht nur der CocaCola-Weihnachtstruck in der Werbung, sondern auch E-Commerce-Riese Amazon, der in der Vorweihnachtszeit alle Jahre wieder auf sich aufmerksam macht und seine Kunden in Stimmung für das Weihnachtsshopping bringt. Doch Amazon bietet auch Hilfe bei der Suche nach dem richtigen Geschenk, was nun allerdings auf Kritik stößt.

Vor kurzem veröffentlichte der Online-Händler in den USA wieder seine alljährliche Liste mit Spielzeug-Empfehlungen für Kinder zu Weihnachten. Keine schlechte Idee für Eltern und Verwandte, die den Kleinsten zu Weihnachten eine große Freude machen wollen. Die Artikel seien "sorgfältig zusammengestellt, um den Käufern zu helfen, selbst die längsten Weihnachts-Einkaufslisten schnell zu bewältigen", erklärt man bei Amazon. Doch eine Sache wird nach außen nicht kommuniziert.

Millionen-Einnahmen durch Platzierungen

Die Spielzeughersteller, die Amazon in seiner Liste mit Empfehlungen aufnimmt, zahlen dafür - und das nicht gerade wenig. Laut Unterlagen, die Bloomberg untersucht hat, zahlen einzelne Spielzeughersteller wohl bis zu zwei Millionen US-Dollar für ihre Platzierungen. Je mehr ein Unternehmen bereit ist zu zahlen, desto mehr Produkte kann es für die Liste nominieren und desto präsenter sind diese Artikel dann auch für den Kunden platziert.

Werbung ohne Kennzeichnung?

Robert Weissman, Chef der US-amerikanischen Verbraucherschutzorganisation Public Citizen, erklärt: "Für Amazon ist es vollkommen legal Werbung auf seiner Seite zu verkaufen. Es wird zum Problem, wenn der weltweit größte Onlinehändler Kunden sagt, die Empfehlungen seien von Experten kuratiert, aber nicht offenlegt, dass er Geld von der Spielzeugindustrie erhält." Da Verbraucher auf Expertenmeinungen vertrauen, würde es die Meinung der Kunden verändern, wenn Amazon die Produkte als bezahlte Werbung kennzeichnen würde. Deshalb fordert Weissman, dass die Kunden darüber informiert werden müssen. Bereits im Juli hatte Public Citizen Beschwerde gegen Amazon eingereicht. Dabei ging es um bezahlte Werbung für den Amazon Prime-Day.

Wie Bloomberg berichtet, äußerte sich Amazon in einem Statement zu den Vorwürfen und sieht in seiner Weihnachtsliste kein Problem: "Jedes Produkt auf unserer jährlichen Weihnachts-Spielzeug-Liste […] wird unabhängig von einem Team aus internen Experten, basierend auf einer hohen Messlatte hinsichtlich Qualität, Design, Innovation und Spielerlebnis, kuratiert. Wir beziehen Produktideen von vielen Stellen, einschließlich unserer Verkaufspartner, die die Möglichkeit haben ihre besten Spielzeuge der Saison zu nominieren und deren Sichtbarkeit zu erhöhen."

Walmart setzt auf das gleiche Prinzip

Auch bei der Konkurrenz setzt man auf die Kauf-Empfehlungen für Weihnachten. Walmart veröffentlicht auch eine solche Liste wie Amazon. Was aber auffällt: Amazon verlangt für Platzierungen auf seiner Spielzeugseite in der Zeit vor den Feiertagen deutlich mehr als andere Händler. Während Spielzeughersteller bei Walmart für eine Werbefläche im oberen Bereich der Spielzeugseite im November und Dezember 300.000 US-Dollar zahlen, im Vergleich zu 75.000 US-Dollar im restlichen Jahr, sind es bei Amazon für einen schmalen Werbestreifen 500.000 US-Dollar, statt 150.000 US-Dollar in jedem anderen Monat. Begründen lässt sich dies aber vielleicht damit, dass Amazon etwa doppelt so viel Traffic auf seiner Seite generiert.

Das Werbegeschäft mit den Listen wächst schnell. 2017 habe Amazon den Umsatz mit den Geschenk-Empfehlungen bereits um 40 Prozent auf 120 Millionen steigern können. Mit seiner Weihnachtsliste will das Unternehmen dieses Jahr allein 20 Millionen US-Dollar von den sogenannten Sponsoren einnehmen.

Ausland
[finanzen.net] · 23.10.2019 · 21:26 Uhr
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