Alzheimerforschung: Plaque ist nicht gleich Plaque

Bereits im Jahr 1906 beschrieb der Arzt Alois Alzheimer charakteristische Veränderungen des Gehirns, die er mit einer Demenz in Verbindung brachte. Später wurde die neurodegenerative Erkrankung dann sogar nach ihm benannt. Bis heute allerdings ist es der Forschung nicht gelungen, die Alzheimer-Erkrankung zu heilen. Als gesichert galt bisher allerdings, dass Protein-Ablagerungen im Gehirn für die Symptome verantwortlich sind. Folgerichtig konzentrieren sich auch die meisten Ansätze in der Medikamentenforschung auf diese sogenannten Plaques. In den bisher durchgeführten klinischen Studien erfüllten sich die Hoffnungen der Forscher aber nicht. Eine mögliche Erklärung dafür könnte nun eine neue Untersuchung von Forschern des Salk Institute for Biological Studies in Kalifornien liefern. Dort wurde anhand von Versuchen bei Mäusen festgestellt, dass es unterschiedliche Arten von Plaque im Gehirn gibt. Und mehr noch: Offenbar sind nicht alle schädlich.

Bild: User:KGH, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

Ablagerungen mit festem Kern bringen sogar Vorteile mit sich

Die Ergebnisse der Forscher basieren zunächst auf der Tatsache, dass es zum einen Ablagerungen gibt, die aus losen Amyloid-Proteinfäden bestehen. Gleichzeitig existiert aber auch eine deutlich kompaktere Variante, bei der die Proteinfäden in einem dichten Kern zusammengefasst sind. So gut wie alle bisherigen Therapieansätze gingen davon aus, dass beide Ablagerungen krankheitsbedingt entstehen und negative Auswirkungen mit sich bringen. Tatsächlich scheint dies aber nur für die lose Variante mit den freiliegenden Amyloid-Proteinfäden zu gelten. Diese behindern tatsächlich den Hirnstoffwechsel und sorgen so für das Absterben von Gehirnzellen. Bei den Ablagerungen mit festem Kern hingegen ergab sich bei der Untersuchung sogar ein Paradoxon. Sie scheinen nicht nur weniger schädlich zu sein, sondern sogar einen gewissen Schutz zu bieten. Denn die Versuche zeigten: Je weniger es davon gab, desto stärker nahmen die Schäden im Gehirn zu.

Potenzielle Medikamente müssen gezielter oder früher ansetzen

Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen lieferten die Forscher auch gleich. Demnach handelt es sich bei den verdichteten Ablagerungen um eine Reaktion des Immunsystems. Dieser Theorie zufolge spielen Hilfszellen des Gehirns – sogenannte Mikroglia-Zellen – hier die entscheidende Rolle. Denn tote oder beschädigte Zellen tragen einen TAM-Rezeptor auf ihrer Oberfläche. Dies ist für die Mikroglia-Zelle dann das Signal, die Zellen an sich zu binden und zu verschlingen. Dieser Mechanismus dient dazu Schäden und Abfälle im Gehirn unschädlich zu machen. Der Clou: Auch die losen Amyloid-Ansammlungen sind mit einem entsprechenden Rezeptor versehen. Werden die Hilfszellen hier aktiv, entsteht anschließend die zweite Form des Plaques mit dichtem Kern. Das Immunsystem hat die Gefahr hier also bereits abgewehrt. Für die Medikamentenentwicklung bedeutet dies eine neue Fokussierung. Entweder gelingt es, gezielt die losen Fäden anzugreifen. Oder der Fokus muss zukünftig darauf liegen, die Entstehung der Ablagerungen von Beginn an zu verhindern.

Via: Nature

Gesundheit / Alzheimer
[trendsderzukunft.de] · 21.04.2021 · 08:06 Uhr
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