Altmedien rufen zur Verteidigung ihres Geschäftsmodells auf – und machen aus Interessenpolitik eine Demokratiekampagne
Eine breite Allianz aus ARD, ZDF, RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 und den großen Verbandsbürokratien startet Mitte September eine koordinierte Kampagne unter dem Motto „Demokratie braucht viele Stimmen“. Vom 14. bis 19. September sollen Beiträge, Podcasts und Veranstaltungen das Land mit dem gleichen Narrativ fluten: Nur der etablierte Journalismus liefere Wahrheit, während Plattformen und KI Desinformation verbreiteten.
Die Veranstaltung fällt bewusst auf den Internationalen Tag der Demokratie. Das ist kein Zufall. Die beteiligten Häuser wollen sich selbst als unverzichtbare Säule der Demokratie inszenieren – während sie gleichzeitig vom Staat subventioniert oder durch Gebühren abgesichert werden. Wer diese Konstruktion hinterfragt, gilt automatisch als Feind der Demokratie.
Besonders pikant ist die Zusammensetzung der Initiatoren. Mit dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger, dem Medienverband der freien Presse und dem Verband Privater Medien stehen drei klassische Interessenvertretungen hinter der Aktion. Diese Verbände vertreten nicht die Bürger, sondern Unternehmen, die unter Digitalisierung und Wettbewerb leiden. Ihre Studien und Aufrufe sind Werbeprospekte, keine unabhängige Analyse.
Im Zentrum der Botschaft steht die Warnung vor „ungeprüften Inhalten“ auf Plattformen und durch KI. Die eigentliche Botschaft lautet: Vertraut nur uns, den staatlich geschützten Medien. Dass ARD und ZDF ihre Inhalte nicht auf dem Markt, sondern durch Zwangsgebühren finanzieren, wird in der Kampagne nicht thematisiert. Der Steuerzahler bleibt der vergessene Mann.
Die beteiligten Medien entscheiden selbst, wie sie mitmachen. Das klingt nach Vielfalt. In der Praxis bedeutet es, dass dieselben Redaktionen, die seit Jahren gleichförmige Narrative verbreiten, nun auch noch ihre eigene Bedeutung feiern dürfen. Kritische Stimmen außerhalb dieses Kartells bleiben außen vor.
Wer sich ernsthaft um eine vitale Demokratie sorgt, sollte nicht nach mehr staatlich geschützter Medienvielfalt rufen, sondern nach weniger Regulierung, weniger Subventionen und echten Wettbewerb. Eine Gesellschaft, die nur den etablierten Medien traut, hat längst aufgehört, mündig zu sein.

