Allianz-Aktie verliert dennoch: Allianz nach starkem 3. Quartal optimistischer für 2019

"Dass die Zinsen so niedrig sind, hat Konsequenzen", sagte Finanzvorstand Giulio Terzariol am Freitag in einer Telefonkonferenz. "Es gibt mehr Gegenwind." Für 2019 rechnet die Allianz-Spitze zwar jetzt mit einem operativen Gewinn in der oberen Hälfte der Zielspanne von 11 bis 12 Milliarden Euro. Allerdings habe der Vorstand sich bewusst entschieden, nicht das obere Ende anzupeilen, stellte der Manager klar. Das Umfeld sei etwas schwieriger geworden.

Im dritten Quartal fing die Allianz einen Gewinnrückgang im Schaden- und Unfallgeschäft durch verbesserte Ergebnisse in den übrigen Bereichen auf. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich konzernweit um gut acht Prozent auf 33,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn blieb mit 2,98 Milliarden Euro praktisch auf Vorjahresniveau und übertraf damit knapp die Erwartungen von Branchenexperten.

Auf die Aktionäre entfiel ein Überschuss von 1,95 Milliarden Euro und damit 0,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor sowie mehr als von Analysten erwartet. Dabei profitierte die Allianz von einem höheren Ergebnis aus Kapitalanlagen und geringeren Steuern.

Bei ihrer Finanzstärke musste die Allianz hingegen etwas Federn lassen: Die Solvabilitätsquote nach dem Regelwerk "Solvency II" verschlechterte sich infolge der Niedrigzinsen von Ende Juni bis Ende September von 213 auf 202 Prozent. Man müsse sich wegen der Berechnung dieser Kennzahl auf gewisse Schwankungen einstellen, sagte Terzariol. Eigentlich wolle die Allianz die Quote aber durchweg oberhalb von 200 Prozent halten.

Gut lief es im Fondsgeschäft. Das verwaltete Kundenvermögen bei den Konzerntöchtern Pimco und Allianz Global Investors (AGI) wuchs von Ende Juni bis Ende September um 90 Milliarden auf den historischen Höchststand von fast 1,7 Billionen Euro. Der Großteil des Anstiegs kam zwar durch günstige Wechselkurse und Wertsteigerungen zustande. Allerdings investierten die Kunden unter dem Strich auch 22 Milliarden Euro frisches Geld in die Pimco-Fonds, während AGI Abflüsse von 4 Milliarden Euro verbuchte. Der operative Gewinn der Allianz-Fondssparte stieg dabei im Jahresvergleich um acht Prozent auf 703 Millionen Euro.

Auch die Lebens- und Krankenversicherung warf mehr ab. Der operative Gewinn wuchs um drei Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro, auch weil die Allianz in Deutschland und in der Region Asien-Pazifik mehr Lebensversicherungen verkaufte. Die Marge im Neugeschäft ging allerdings von 3,5 auf 3,1 Prozent zurück. "Unser Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft ist klar auf Kurs, um unsere Jahresziele zu erreichen", sagte Terzariol.

Unterdessen kauft die Allianz der US-Investmentbank Goldman Sachs einen vierprozentigen Anteil an dem chinesischen Lebensversicherer Taikang ab. Man bezahle dafür rund 800 Millionen Euro, sagte Terzariol. Der Deal solle in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Der Finanzchef hält künftig auch Kooperationen mit den Chinesen für denkbar.

Den jüngsten Gewinnrückgang im Schaden- und Unfallgeschäft führte die Allianz weniger auf höhere Schäden oder gestiegene Verwaltungskosten, sondern auf einen Effekt aus dem Vorjahr zurück. Da hatte der Konzern in seinem größten Geschäftsbereich mehr Rückstellungen für Schäden aus frühen Jahren aufgelöst. Der operative Gewinn des Segments ging im dritten Quartal nun um ein Zehntel auf 1,3 Milliarden Euro zurück.

Während die Allianz für die Zerstörungen durch Taifun "Faxai" in Japan laut Terzariol mit rund 50 Millionen Euro geradestehen muss, waren die Schäden durch Hurrikan "Dorian" in der Karibik und den USA für die Münchner "praktisch nicht relevant". In Deutschland sei Sturm "Bernd" der größte Naturkatastrophen-Schaden gewesen.

Unterdessen legte die Allianz wegen des anhaltenden Flugverbots für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max mehr Geld zur Seite. Der Versicherer erhöhte seine Rückstellungen für den Versicherungsfall um 20 Millionen auf knapp 100 Millionen Euro. Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook (Neckermann Reisen, Bucher, Öger Tours) Ende September belastet die Allianz laut Terzariol aber kaum.

Die Prämieneinnahmen in der Schaden- und Unfallsparte reichten denn auch locker aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken: Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag mit 94,3 Prozent klar unter der kritischen 100-Prozent-Marke.

Allianz-Aktie nach gutem Lauf und Zahlen schwach

Trotz solider Quartalszahlen und etwas optimistischeren Erwartungen der Allianz an das Gesamtjahr haben die Aktien des Versicherers am Freitag zu den schwächsten DAX-Werten gezählt. Im XETRA-Handel büßten sie letztlich 2,71 Prozent auf 219 Euro ein. Allerdings ist die Aktie auch bereits stark gelaufen und hatte tags zuvor bei 225,90 Euro den höchsten Stand seit 2002 erreicht.

Vor allem nach einem für den Aktienkurs mauen Jahr 2018 haben die Papiere seit 2019 wieder deutlich Auftrieb erhalten, so dass aktuell ein Jahresplus von 26,5 Prozent zu Buche steht. Damit gehören sie im deutschen Leitindex zu den zehn bisher am besten gelaufenen Werten.

"Insgesamt erzielte die Allianz im dritten Quartal ein solides Ergebnis ohne große Überraschungen", kommentierte DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel. Dass die Schaden-Kosten-Quote die Erwartungen leicht verfehlt habe, sei darauf zurückzuführen, dass die Schäden aufgrund von Naturkatastrophen relativ hohe Auswirkungen gehabt hätten. Zugleich sei die Abwicklungsquote geringer als üblich gewesen.

Auch Analyst Ashik Musaddi von der Bank JPMorgan schrieb, dass die Allianz im Großen und Ganzen wie erwartet abgeschnitten habe. Mit den nun etwas optimistischeren Erwartungen für das Gesamtjahr sei der Versicherer zudem nur seiner und der durchschnittlichen Analystenprognose gerecht geworden. Laut der Allianz soll das operative Ergebnis 2019 voraussichtlich die obere Hälfte der Zielspanne von 11 bis 12 Milliarden Euro erreichen.

Mit Blick auf einzelne Sparten hob Musaddi hervor, dass das Geschäft mit Lebensversicherungen und in der Vermögensverwaltung etwas besser als erwartet gelaufen sei. Das Schaden- und Unfallgeschäft habe indes enttäuscht.

Dass sich die Allianz-Aktie nach dem vorgelegten Geschäftsbericht recht schwach zeigt, hatte UBS-Analyst Jonny Urwin bereits erwartet. Er begründete dies vor allem mit der enttäuschenden Solvency-II-Kapitalquote, die am Ende des dritten Quartals auf 202 Prozent gesunken war, während Analysten im Schnitt mit 205 Prozent gerechnet hatten. Außerdem verwies er auf das "schlecht gelaufene" Geschäftsfeld AGCS, das internationale Geschäft mit Industrieversicherungen für Unternehmens- und Spezialrisiken.

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MÜNCHEN (dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 08.11.2019 · 17:51 Uhr
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