Alles übertrieben? Hedgefonds-Manager erklärt, warum er weiter Aktien kauft

• Aktienmärkte brechen weiterhin ein
• Ricky Sandler "optimistisch und bullish gegenüber Aktien"
• Panik an Aktienmärkten in keinem Verhältnis zu Wirtschaftseinbußen

Abwärtsspirale zieht sich fort

An den internationalen Börsen könnte es aktuell wohl kaum schlechter laufen. Nicht mehr nur Milliarden, sogar Billionen an Marktkapitalisierung gingen in kürzester Zeit aufgrund massiver Ausverkäufe weltweit verloren. Ursache ist das sich ausbreitende Coronavirus und dessen wirtschaftliche Auswirkungen, die bislang auch von Experten noch nicht vollends abgeschätzt werden können. Dabei greifen Regierungen auf der ganzen Welt zu immer drastischeren Maßnahmen, um eine weitere Ausbreitung zumindest zu verlangsamen. Das öffentliche Leben kommt damit in vielen Ländern zum Erliegen, andere Nationen verhängen gar Ausgangssperren. Das Paradoxe: Es sind gerade diese Maßnahmen, die darauf abzielen, eine weitere Ausbreitung so lange hinauszuzögern, um einen effektiven Impfstoff herzustellen, die bei den Anlegern zu noch mehr Verunsicherung und einer verstärkten Flucht aus Aktien führen.

Hedgefonds-Manager sieht das Positive

Für Eminence Capital-CEO Ricky Sandler ist dies jedoch genau die falsche Reaktion: "Ich glaube, die Leute verstehen nicht, was hier gerade passiert. Jede neue Überschrift, jede neue Hysterie macht die Menschen nervöser, dabei ist dies alles sehr, sehr positiv. Denn dies alles hilft, das Problem einzudämmen", so der Hedgefonds-Manager in einem Telefoninterview mit CNBCs Halftime Report.

Dabei haben die USA bereits Maßnahmen in die Wege geleitet, die noch vor einigen Wochen undenkbar schienen. So würden "Bürger, Unternehmen und lokale Regierungen" das Virus sehr ernst nehmen und durch ihre Vorsicht dazu beitragen, die Zahl der Neuinfizierten zu verringern.

Aktienflucht in keinem Verhältnis zu Wirtschaftseinbußen

Es ist allen voran die Angst vor einer Rezession, die Marktteilnehmer umtreibt. Dass es in den USA zu Rückgängen der Wirtschaftskraft im zweiten Quartal kommen wird, steht auch für Sandler außer Frage. Jedoch stehe ein Rückgang des US-BIP im zweiten Quartal um 10 Prozent nicht einmal ansatzweise in einer angemessenen Proportion zu dem aktuellen Verlust an Marktkapitalisierung, der durch die panikartigen Aktienverkäufe ausgelöst werde. Hier rechnet der Hedgefonds-Manager vor, dass bei einem jährlichen US-BIP von 20 Billionen Dollar, also fünf Billionen pro Quartal, ein durch Corona im zweiten Quartal verursachter Verlust von 10 Prozent zu Einbußen in Höhe von 500 Milliarden Dollar führen werde. Dies stehe jedoch in keinerlei Verhältnis zu den "10 Billionen US-Dollar an Marktkapialisierung", die bislang durch Aktienflucht, gemessen an den Höchstständen der US-Indizes im Februar, verloren gegangen wären.

Die US-Regierung hat unterdessen ein billionenschweres Maßnahmenpaket angekündigt, das die finanziellen und wirtschaftliches Auswirkungen der Corona-Epidemie in den USA abfedern soll. Dabei stehen auch Direktzahlungen in Milliardenhöhe an US-Steuerzahler nach Medienberichten im Raum. Die amerikanische Notenbank hat unterdessen erst kürzlich den Leitzins auf fast null Prozent gesenkt. Der positive Effekt von Regierungsmaßnahmen könne nach Meinung des Eminence Capital-Chefs noch massiv verstärkt werden, wenn Unternehmen und Arbeitnehmer eine Versicherung seitens der Regierung bekämen, dass Unternehmen für Einbußen im zweiten Quartal kompensiert würden, wenn sie dafür beispielsweise keine Angestellten entlassen würden.

Sandler weiterhin bullish gegenüber Aktien

Daher sei Sandler derzeit "sehr optimistisch und bullish gegenüber Aktien" eingestellt und kauft auch trotz massiver Rückgänge derzeit Unternehmensanteile. Seiner Einschätzung nach wäre ein Quartal mit negativem BIP nicht so schlimm, in den nächsten drei Monaten würde die Zuversicht an den Markt zurückkehren. Insbesondere da schon jetzt über die zweite Jahreshälfte nachgedacht werden könnte, in der es für Unternehmen wieder aufwärts gehe, die Nachfrage gesteigert wäre, es große steuerliche Anreize gebe und kleinere Zinssätze. All dies könne nach Ansicht Sandlers "wenn man richtig bullish sein möchte" sogar die Grundlage für neue Höchststände an den Aktienmärkten sein.

Vor diesem Hintergrund setze er derzeit auf "gute Unternehmen", die derzeit massiv unterbewertet seien. Konkret nannte er dabei Marriott, Live Nation und US Foods. Darüber hinaus riet er Anlegern: "Refinanzieren Sie ihre Hypotheken und kaufen Sie Aktien".

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 20.03.2020 · 03:04 Uhr
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