Airbus mit 228 Passagieren in Gewitter abgestürzt

02. Juni 2009, 01:21 Uhr · Quelle: dpa
Paris (dpa) - Ein französisches Verkehrsflugzeug mit 228 Menschen an Bord ist am Montag in schwerem Tropengewitter über dem Atlantik auf mysteriöse Weise verschwunden. Unter den Passagieren waren auch 26 Deutsche.

Die Opfer der größten zivilen Luftfahrtkatastrophe seit 2001 stammen aus 33 Ländern. Darunter sind auch 61 Franzosen, 58 Brasilianer und 26 Deutsche, wie die Fluggesellschaft Air France am Abend mitteilte. Nach Informationen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wollten elf Passagiere weiter nach Stuttgart reisen. «Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe», sagte Air-France-Chef Pierre-Henri Gourgeon.

Die Airbus A330-200 der Air France hatte auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris automatisch Stromausfall gemeldet. «Am wahrscheinlichsten ist ein Blitzeinschlag», sagte Air-France-Sprecher François Brousse. Präsident Nicolas Sarkozy erklärte am Abend jedoch: «Wir haben kein präzises Anzeichen dafür, was passiert ist. Wir können keine These vorziehen und keine ausschließen.» Auch einen Bombenanschlag schlossen Experten nicht völlig aus.

«Die Chancen, Überlebende zu finden, sind minimal», sagte Sarkozy nach einem Gespräch mit Angehörigen der Passagiere auf dem Pariser Flughafen. Er bat neben Spanien und Brasilien die USA um Hilfe. «Wir verstehen nicht, was passiert ist», gestand Verkehrs-Staatssekretär Dominique Bussereau. «Die Hypothese einer Entführung scheint ausgeschlossen, denn die Maschine hätte irgendwo landen müssen.»

Der mögliche Absturzort befindet sich vermutlich auf halbem Weg zwischen der brasilianischen und der afrikanischen Küste. Die Zone, in der das Flugzeug verschwunden sei, sei dort bis auf wenige Dutzend Seemeilen lokalisiert, sagte Air-France-Chef Pierre-Henri Gourgeon am Montagabend auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle vor Journalisten. Um welches Land es sich an der afrikanischen Küste handelte, war nicht bekannt. Rio liegt auf demselben Breitengrad wie Namibia, die Maschine flog aber Richtung Paris nach Norden.

Unter den Fluggästen waren sieben Kinder und ein Baby. Der Nachrichtensender i-télé berichtete, auch der Südamerika-Chef des Reifenherstellers Michelin und Angehörige der früheren brasilianischen Monarchenfamilie seien ums Leben gekommen.

Der Airbus war planmäßig um Mitternacht in Rio gestartet. Um 3.30 Uhr gab es den letzten Kontakt mit der brasilianischen Flugkontrolle. Da war das Flugzeug schon 560 Kilometer von der Küste entfernt und flog in 11 000 Metern Höhe. Gegen 4 Uhr raste die Maschine auf eine schwere Gewitterfront zu. Eine Viertelstunde später signalisierte sie automatisch den Teilausfall von Funktionen. Air France alarmierte die brasilianischen und afrikanischen Luftfahrtämter.

«Die erste Frage ist, wo sind sie?», sagte der Sprecher des französischen Generalstabs, Christophe Prazuck, im Fernsehen. Danach schaue man, ob es Überlebende gebe oder ob man Trümmer bergen könne. Einen Bombenanschlag schloss Prazuck nicht völlig aus. «Ich habe aber keinerlei Informationen in diese Richtung.»

Der Pariser Flughafen zeigte den Flug aus Rio auch Stunden nach der geplanten Ankunftszeit von 11.10 Uhr nur als «verspätet» an. Die Angehörigen der Fluggäste wurden auf dem Flughafen außer Sichtweite der Journalisten psychologisch betreut. Der Flugzeugbauer Airbus bot seine Hilfe bei der Aufklärung der Absturzursache an.

Was geschah wirklich über dem Atlantik? Die von Air France vertretene These des Blitzeinschlags überzeugte nicht alle. Am wahrscheinlichsten sei eine «Zerstörung im Flug», sagte der auf Flugzeugunglücke spezialisierte Gerichtsexperte Francois Grangier. «Ein Blitz kann einer modernen Maschine eigentlich nicht viel anhaben, weil sie durch ihre Umhüllung ja von dem Faradayschen Effekt profitiert», erklärte auch das Vorstandsmitglied der Weltpilotenvereinigung IFALPA, Georg Fongern. Die Elektrizität werde über Rumpf und Tragflächen abgeleitet. Selbst Fenster und kleine Schäden würden diesen Effekt nicht beeinträchtigen.

«Jedes Flugzeug wird mal vom Blitz getroffen», sagte Air-France- Pilot Patrick Nerrant. «Wir Piloten sind ausgebildet, darauf zu reagieren.» Die Besatzung hätte sich auch bei einem Blitzeinschlag melden können. Bei Stromausfall gebe es Notsysteme extra für die Kommunikation und die Navigation. Der Luftfahrtexperte Décio Correia brachte eine Explosion ins Spiel. Der Zwischenfall müsse «sehr, sehr plötzlich» eingetreten sein, weil kein Alarm gegeben worden sei.

«Man kann an eine sehr große Panne der Rechner denken, die die Elektrik steuern», erklärte dagegen der Luftfahrtexperte Michel Chevalier dem Nachrichtensender LCI. Aber selbst bei totalem Stromausfall könnte das Flugzeug segeln und wassern. Die Besatzung war sehr erfahren: Der Pilot hatte 11 000 Flugstunden hinter sich, davon 1700 am Steuer einer Airbus A330/A340. Die A330-200 war am 16. April 2005 an Air France geliefert worden und hatte 2500 Flüge absolviert.

Um zu erfahren, was wirklich passiert ist, muss man das Wrack oder die Flugschreiber finden. Doch das ist schwer. Der letzte Kontakt sei «sehr weit von der Küste entfernt» gewesen, erklärte Gourgeon. Wenn die Maschine mitten in den Atlantik gestürzt sei, werde man sie kaum wiederfinden, sagte Gerichtsexperte Grangier. Die Mittel dazu seien sehr begrenzt. Die Flugschreiber könnten in zu großer Tiefe auf dem Grund liegen.

Die brasilianische Luftwaffe machte sich gleich am Montagmorgen auf die Suche nach der Maschine. Ein französisches Aufklärungsflugzeug Bréguet Atlantique suchte von Senegal aus das Meer vor der afrikanischen Küste ab. Sicher ist, dass weder die marokkanische noch die portugiesische Flugüberwachung jemals Kontakt zu dem Flugzeug bekamen. Die Pilotengesellschaft SMPM wollte die Hoffnung nicht vorschnell aufgeben, doch noch Überlebende zu finden. «Wir behalten ein Fünkchen Hoffnung», sagte ein SMPM-Pilot. Vielleicht habe das Flugzeug wassern können.

Luftverkehr / Frankreich
02.06.2009 · 01:21 Uhr
[0 Kommentare]
Heidi Reichinnek (Archiv)
Berlin - Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hat die schwarz-rote Koalition aufgefordert, beim Koalitionsausschuss am Mittwochabend die Rücknahme ihrer Reformpläne zu beschließen, statt über Befindlichkeiten zu sprechen. "Wieder ein Koalitionsausschuss, wieder soll es keine neuen Beschlüsse geben, sondern eine Runde Gruppenkuscheln - denn auch […] (00)
vor 29 Minuten
Kaum eine Meldung über Gesundheit, Verkehr oder Geldanlage kommt ohne Zahl aus. Die Zahl steht meist in der Überschrift, sie ist prägnant, und sie ist erstaunlich oft so gewählt, dass sie größer wirkt als der Sachverhalt dahinter. Das ist selten Absicht, aber fast immer eine Folge der Quellenlage. Denn Redaktionen übernehmen in der Regel, was in Pressemitteilungen und Studienzusammenfassungen […] (00)
vor 1 Stunde
Apple überholt Samsung: iPhone dominiert europäischen Markt bei Netzbetreibern
Aktuellen Zahlen des Marktforschungsunternehmens Counterpoint Research zufolge hat Apple im zweiten Quartal 2026 seinen Hauptkonkurrenten Samsung auf dem europäischen Smartphone-Markt überholt. Besonders im Vertriebskanal der Mobilfunk-Netzbetreiber konnte sich der Konzern aus Cupertino an die […] (00)
vor 48 Minuten
Naughty Dog: Neues Uncharted und mehr soll angeblich auf Intergalactic folgen
Bei Naughty Dog könnte bereits feststehen, was nach Intergalactic: The Heretic Prophet kommt. Einem aktuellen Bericht zufolge arbeitet das Studio an einem neuen Uncharted-Spiel, das nach dem kommenden Sci-Fi-Abenteuer erscheinen soll. Noch ist das Projekt nicht offiziell angekündigt. Mehrere Hinweise machen das Gerücht allerdings deutlich […] (00)
vor 27 Minuten
«Schlag den Star» lässt Bachelors gegen Beautydocs antreten
⁠Paul Janke und Andrej Mangold bekommen es Ende Oktober mit Dr. Rick und Dr. Nick zu tun. ProSieben überträgt das Duell live. Bei Schlag den Star stehen sich Ende Oktober zwei ungewöhnliche Duos gegenüber. Am Samstag, 24. Oktober 2026, treten Paul Janke und Andrej Mangold gegen Dr. Rick und Dr. Nick an. ProSieben überträgt die Ausgabe ab 20.15 Uhr live, parallel kann die Show bei Joyn […] (01)
vor 3 Stunden
Mikel Arteta
London (dpa) - Mikel Arteta bleibt Trainer des FC Arsenal. Der 44 Jahre alte Spanier hat seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag bis zum Sommer 2030 verlängert. Das teilte der englische Fußball-Meister mit. Arteta hatte im Dezember 2019 die Nachfolge von Unai Emery angetreten. Der ehemalige Arsenal-Spieler arbeitete nach seinem Karriereende 2016 als […] (00)
vor 50 Minuten
Oktober-Crash droht: Das müssen Anleger 2026 jetzt wissen
Oktober: Der Monat der Börsenschocks Der Oktober hat sich in der Finanzgeschichte längst als kritischer Monat etabliert. Legendär sind die Crash-Szenarien: der Schwarze Montag 1987, die Finanzkrise 2008 oder die jüngsten Turbulenzen der vergangenen Jahre. Dieses Muster ist kein Zufall, sondern das Ergebnis struktureller Faktoren, die sich zum Herbst […] (00)
vor 45 Minuten
Finale, Pokal, Mitgliederversammlung – die Weichen für 2027
Düsseldorf, 07.10.2026 (lifePR) - Die Saison 2026 geht in ihre entscheidenden Wochen: das Finale am Wannsee, der gemeinsame Pokal von Segel-Bundesliga und Junioren Segel-Liga, die Mitgliederversammlung in Düsseldorf – und mit dem Spielplan 2027 der erste Blick auf die neue Saison. Finale der Segel-Bundesliga beim VSaW – 15. bis 17. Oktober In gut einer […] (00)
vor 1 Stunde
 
Mario Voigt (Archiv)
Erfurt - Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) hat seine Klage gegen die […] (00)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Mittwoch nach einem bereits schwachen Start in den […] (00)
Bundesnachrichtendienst (Archiv)
Karlsruhe - Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August […] (00)
Friedrich Merz am 06.10.2026
Berlin - Gut einen Monat nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und zwei Wochen nach […] (15)
Nubert – Neue Farbvariante für nuLine 34 und die nuLine 284 vorgestellt
Nubert stellt die nuLine 34 und die nuLine 284 in der neuen Farbausführung Cappuccino […] (00)
Oscar-Preisträgerin Eva Marie Saint ist tot
⁠Die Schauspielerin aus «On the Waterfront» und Alfred Hitchcocks «North by Northwest» ist im […] (00)
The Ascent – bestellt die Ultimate Edition für Nintendo Switch 2 vor
Neon Giant, eines der Kreativstudios von KRAFTON, Inc., gibt heute bekannt, dass ab […] (00)
Halle Berry
(BANG) - Halle Berry will die frühere Sorgerechtsregelung für ihren zwölfjährigen […] (00)
 
 
Suchbegriff