Agora-Verkehrswende: 21 Millionen Deutsche ohne vernünftigen Bus und Bahn – und der Staat will mehr Geld fürs Gleiche
21 Millionen Menschen in Deutschland – ein Viertel der Bevölkerung – erreichen keine Haltestelle, an der werktags alle 30 Minuten ein Bus fährt. 5,6 Millionen von ihnen fallen sogar unter die niedrigste Qualitätsstufe des neuen ÖV-Atlas der Agora Verkehrswende. Betroffen sind vor allem ländliche Gebiete in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und dem bayerischen Umland.
Die Definition eines „guten Grundangebots“ ist dabei klar: 250 Meter Entfernung zur Haltestelle und ein 30-Minuten-Takt. Wer diesen Standard nicht erfüllt, ist auf das Auto angewiesen. Genau das ärgert die Berliner Denkfabrik, die im Auftrag von NGOs und Ministerien arbeitet und deren Studien stets das gleiche Ergebnis liefern: mehr staatliche Ausgaben, mehr Planung, mehr Zwang.
30 Millionen Menschen dagegen leben in gut versorgten Ballungsräumen. Frankfurt am Main führt die Rangliste der Großstädte an, gefolgt von Stuttgart, München, Karlsruhe, Düsseldorf und Darmstadt. Bei den Landkreisen siegen die Verdichtungsränder von München und Hannover. Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg schneiden unter den Flächenländern am besten ab; Rheinland-Pfalz hält die Balance zwischen Stadt und Land am ehesten.
Die Agora-Verkehrswende sieht darin ein Marktversagen und fordert mehr Steuergeld. Sie übersieht, dass der Staat bereits seit Jahrzehnten die Preise für Bus und Bahn künstlich drückt, Tarifverträge zwingt und Quoten für Elektrobusse vorschreibt – und trotzdem keine flächendeckende Versorgung erreicht. Wer in dünn besiedelten Regionen ein Angebot erzwingen will, muss Subventionen erhöhen, bis der Steuerzahler blutet.
Die AfD hat seit Jahren gefordert, den Nahverkehr dort zu finanzieren, wo er sich rechnet, und dort auf On-Demand-Verkehre und private Anbieter zu setzen, wo er sich nicht rechnet. CDU, SPD und Grüne wollen stattdessen immer mehr Geld in ein System pumpen, das außerhalb der Metropolen nicht funktioniert. Sie nennen das „Mobilitätswende“ – in Wahrheit ist es eine Umverteilung von der arbeitenden Familie in die städtische Mittelschicht.
Bargeld, Privatsphäre und individuelle Mobilität sind für den ländlichen Raum keine Luxusgüter, sondern Lebensnotwendigkeit. Wer das Auto verteuert, den Diesel verteuert und gleichzeitig den Bus nicht liefert, bestraft genau die Menschen, die das Land am Laufen halten. Die Agora-Verkehrswende sollte statt neuer Forderungen erst einmal erklären, warum der Staat trotz Milliardenaufwand seit 30 Jahren die gleiche Karte malt: leere Busse auf dem Land, überfüllte Züge in der Stadt.

