AfD-Positionierung: Wirtschaft in Deutschland gegen Rechtsextremismus
Führende Ökonomen rufen die Wirtschaft in Deutschland dazu auf, sich öffentlich stärker gegen den Rechtsextremismus und die AfD zu positionieren. Dies sei besonders wichtig, um den Beschäftigten die Bedeutung ihres Engagements gegen rechts vor Augen zu führen und ihnen den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Aktuell herrsche in einigen Unternehmen die Ansicht vor, dass die Politik allein für die Bewältigung dieses Problems verantwortlich sei. Diese Haltung sei jedoch falsch und es sei an der Zeit, dass alle gemeinsam aktiv werden, argumentiert Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Fratzscher betont, dass einige Unternehmen bereits mit gutem Beispiel vorangehen, während anderen der Mut fehle. Er warnt davor, dass die Wirtschaft und Unternehmen die großen Verlierer einer AfD-Politik wären, da Millionen Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Zudem würde der Fachkräftemangel ohne Beschäftigte aus dem Ausland erheblich verschärft werden.
Auch Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), warnt vor den negativen Folgen des weiteren Erstarkens des Rechtsextremismus für die Unternehmen. Er betont die historischen Gemeinsamkeiten von Demokratie und Marktwirtschaft und erklärt, dass diese nur gemeinsam gedeihen können. Hüther lobt die große Beteiligung an den Demonstrationen gegen Rechts als ein positives Zeichen und betont die Notwendigkeit von Offenheit gegenüber Vielfalt, sowohl gesellschaftlich als auch ökonomisch. Nur offene Grenzen könnten den Wohlstand sichern.
Einige Unternehmen haben bereits Stellung gegen Rechtsextremismus bezogen. So veröffentlichte der Handelsriese Edeka ein Video in den sozialen Netzwerken mit dem Slogan "Wir lieben Vielfalt und stehen auf gegen rechts". Die Kölner Brauerei zur Malzmühle postete eine Werbeanzeige mit dem Slogan "Braun sind bei uns nur die Flaschen". Auch Bahn-Chef Richard Lutz äußerte sich auf dem Karriereportal LinkedIn kritisch zur AfD und betonte die Gefahr, die von rechtsextremen Kräften für die Demokratie und die Gesellschaft ausgehe.
In Sachsen fürchtet die Wirtschaft aufgrund der jüngsten Umfrageergebnisse der AfD einen Imageschaden für das Bundesland. Sylvia Pfefferkorn, stellvertretende Sprecherin des Vereins Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen, betont die Notwendigkeit, die besten Köpfe weltweit für Sachsen zu gewinnen. Sie appelliert an Unternehmer, eine Vorbildfunktion zu übernehmen und ihre Belegschaften zu motivieren. Am 1. September findet in Sachsen die Landtagswahl statt, bei der die AfD laut einer aktuellen Forsa-Umfrage mit 34 Prozent stärkste Kraft sein würde. (eulerpool-AFX)

