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Adobe übertrifft die Erwartungen, doch ein vorsichtiger Ausblick lässt die Aktie erneut fallen

12. September 2026, 10:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Adobe übertrifft die Erwartungen, doch ein vorsichtiger Ausblick lässt die Aktie erneut fallen
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Adobe übertrifft die Erwartungen im dritten Quartal, ein vorsichtiger Ausblick lässt die Aktie dennoch fallen.
Der Softwarekonzern liefert ein solides drittes Quartal, die Prognose fürs vierte enttäuscht die Wall Street aber. Ein Führungswechsel an der Spitze verstärkt die Unsicherheit über Adobes Rolle im KI-Zeitalter.

Adobe übertrifft die Erwartungen im dritten Quartal deutlich

Der Softwarehersteller Adobe hat mit einem vorsichtigen Umsatzausblick auf das vierte Geschäftsquartal aufhorchen lassen, obwohl das dritte Quartal selbst durchaus überzeugte. Im dritten Geschäftsquartal, das am 28. August endete, stieg der Umsatz um 13 Prozent auf 6,76 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn lag bei 6,13 Dollar je Aktie. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Gewinn von 6,08 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar gerechnet, Adobe übertraf damit sowohl bei Umsatz als auch beim Gewinn die Markterwartungen.

Der Ausblick für das vierte Quartal reicht der Börse nicht

Der eigentliche Belastungsfaktor lag im Ausblick. Der Umsatz im am 30. November endenden Quartal werde zwischen 6,8 und 6,85 Milliarden Dollar liegen, teilte das Unternehmen mit. Der Mittelwert dieser Spanne lag unter der durchschnittlichen Analystenprognose von 6,85 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie werde voraussichtlich zwischen 6,30 und 6,35 Dollar liegen, in etwa im Einklang mit den erwarteten 6,30 Dollar.

Im nachbörslichen Nasdaq-Handel gaben die Aktien um 2,35 Prozent auf 242,99 Dollar nach, nachdem sie in New York bei 248,83 Dollar aus dem Handel gegangen waren. Am Folgetag setzte sich der Abwärtstrend fort, an der Frankfurter Börse verlor die Aktie zeitweise 3,44 Prozent. Bereits vor der Veröffentlichung des Quartalsberichts hatte die Aktie in diesem Jahr 29 Prozent an Wert verloren, ein Kurssturz, der Adobe zu einem der schwächsten großen Softwarewerte des laufenden Jahres macht.

Eine Vertrauenskrise durch generative KI belastet die Aktie schon das ganze Jahr

Der Softwarehersteller sieht sich mit einer Vertrauenskrise bei Investoren konfrontiert, die durch die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz ausgelöst wurde. Die Software von Adobe, bekannt für Programme wie Photoshop, galt lange Zeit als Standard für Kreativ- und Marketingprofis. Doch durch generative KI ist es einfacher geworden, visuelle Medien ohne die teuren Produkte des Unternehmens zu erstellen, und viele der beliebtesten neuen KI-Tools stammen von Wettbewerbern.

Zu diesen Konkurrenten zählen längst nicht mehr nur klassische Kreativsoftware-Anbieter. Canva richtet sich gezielt an alltägliche Nutzer und kleine Unternehmen, Figma bewegt sich zunehmend von reinem Interface-Design hin zu Code und vollständiger Produktentwicklung mit KI-Agenten, während OpenAI, Google und Anthropic Bild-, Video-, Dokument- und Design-Workflows direkt in ihre Chat-Oberflächen integrieren. Verschärft wurde diese Konkurrenzsituation zuletzt durch Berichte, wonach OpenAI keine ChatGPT-Werbung mehr für konkurrierende Bild- und Audio-Generierungsprodukte wie Adobe Firefly annehmen wolle.

Firefly und KI-Umsätze wachsen stark bleiben aber ein Nischengeschäft

Adobe selbst verweist zur Verteidigung auf das eigene, rasant wachsende KI-Geschäft. Das sogenannte AI-First-ARR, also wiederkehrende Umsätze aus originär KI-basierten Produkten, hatte sich im zweiten Quartal bereits verdreifacht und wuchs auch im dritten Quartal weiter kräftig, ergänzt um ein Plus von 40 Prozent im Quartalsvergleich bei Firefly-Abonnements, Apps und Credit-Paketen. Diese Umsatzgröße bleibt jedoch bislang klein gemessen an Adobes Gesamt-ARR von zuletzt gut 27 Milliarden Dollar, einschließlich rund 480 Millionen Dollar aus der im April abgeschlossenen Übernahme des Suchmarketing-Anbieters Semrush.

Zusätzlichen Schub soll die geplante Übernahme von Topaz Labs bringen, deren Technologie zur KI-gestützten Bild- und Videoverbesserung nahtlos in Creative Cloud und Firefly integriert werden soll und deren Abschluss für das vierte Quartal erwartet wird. Auch eine große Kooperation mit Saudi-Arabien, bei der mehr als 27 Millionen berechtigte Bürger und Einwohner zwölf Monate kostenlosen Zugang zu Firefly Standard und Express Premium erhalten sollen, soll die Nutzerbasis insbesondere im arabischsprachigen Raum erweitern, auch wenn der von Adobe genannte Wert von über 4 Milliarden Dollar lediglich den Wert des kostenlosen Zugangs beziffert, nicht tatsächlich verbuchte Umsätze.

Ein Führungswechsel an der Konzernspitze verstärkt die Unsicherheit

Zusätzliche Brisanz erhält die aktuelle Phase durch einen Wechsel an der Konzernspitze. Shantanu Narayen, der Adobe seit 2007 als CEO führt und das Unternehmen durch den Übergang von verpackter Software zu Cloud-Abonnements steuerte, wechselt zum 1. Dezember 2026 in die Rolle des Executive Chair. Als neuer President und CEO übernimmt Anil Chakravarthy, zuvor President der Sparte Customer Experience and Orchestration und früherer Informatica-Chef. Narayen habe während seiner Amtszeit den Jahresumsatz von unter einer Milliarde auf über 26 Milliarden Dollar gesteigert, hieß es zur Würdigung seiner Leistung. Adobe werde KI nutzen, um Reichweite, Wert und Wirkung für Kunden weiter zu steigern und damit das nächste Jahrzehnt Wachstum voranzutreiben, erklärte Narayen. Chakravarthy sprach von einer großen Chance im Bereich agentenbasierter Software.

Zusätzliche Unsicherheit brachte die parallel bekannt gewordene Ankündigung, dass David Wadhwani, der Adobes Kreativ- und Produktivitätssparte fast fünf Jahre lang geleitet hatte und selbst als möglicher Nachfolgekandidat galt, das Unternehmen verlässt, ein Führungsumbau mitten in der entscheidenden Phase der KI-Transformation.

Die Wall Street bleibt gespalten zwischen Chance und Disruptionsrisiko

Unter Investoren bleibt die grundsätzliche Einschätzung zu Adobe gespalten. Der bekannte Investor Michael Burry bezeichnete die Aktie bereits im Mai als „Fat Pitch“ und argumentierte, der Markt habe den Kurs angesichts der starken Cash-Generierung, eines 25-Milliarden-Dollar-Aktienrückkaufprogramms und der etablierten Marktposition zu stark gedrückt, er halte eine volle Position. Der frühere OpenAI-Forscher Leopold Aschenbrenner vertrat mit seinem Fonds Situational Awareness die gegenteilige Position und ging bei Adobe short, als Wette gegen Software, die durch KI-Disruption gefährdet sei, löste diese Position im Juli aber größtenteils wieder auf.

Für Anleger bleibt am Ende die zentrale, durch ein einzelnes Quartal kaum zu beantwortende Frage, ob Adobes wachsendes KI-Geschäft schnell genug skaliert, um jene Preissetzungsmacht zu kompensieren, die generative KI dem traditionellen Kreativsoftware-Geschäft der Creative Cloud über die vergangenen zwei Jahrzehnte hinweg verschafft hatte.

Finanzen / Quartalszahlen / Adobe / Software / Künstliche Intelligenz / Aktien / Führungswechsel
[InvestmentWeek] · 12.09.2026 · 10:00 Uhr
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